Abschied

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel steht vor seinem letzten grossen Auftritt

Ist sich für nichts zu schade: Abtretender Raiffeisen-Chef Gisel.

Ist sich für nichts zu schade: Abtretender Raiffeisen-Chef Gisel.

Der Raiffeisen-Chef hält nächste Woche seine letzte Pressekonferenz – er hat seinen Rücktritt auf Ende Jahr angekündigt. Doch wird er schon vorher weg sein?

Dreizehn Jahre war er Stellvertreter, nur drei Jahre an der Spitze: Nun tritt Raiffeisen-Chef Patrik Gisel auf Ende Jahr ab. Nächste Woche folgt bereits sein Abschied von der Öffentlichkeit. Anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen wird Gisel seinen letzten grossen öffentlichen Auftritt haben. Wie in den vergangenen Jahren üblich, verzichtet die Bank dabei auf eine eigentliche Medienkonferenz, sondern schaltet Journalisten via Telefonleitungen zu.

Wie man es von ihm kennt, wird Gisel routiniert locker die (voraussichtlich sehr guten) Zahlen herunter- lesen. Das Interesse am Zahlenkranz dürfte allerdings gering sein. Bei der anschliessenden Frage-und-Antwort- Runde dürfte er sich vor allem zu den Hintergründen seines Rücktritts, seinen künftigen Plänen, zur Ära Vincenz und zur vermaledeiten Informatik- Erneuerung äussern müssen. Dass es eine besondere Veranstaltung wird, ist auch den Medienverantwortlichen klar, die sich erst gar keine Mühe geben werden, Fragen abzublocken, die nicht den Geschäftsverlauf betreffen.

Damit aber gerät die Berichterstattung der Halbjahreszahlen zu einer Farce beziehungsweise zu einer bizarren Abschiedsshow für Patrik Gisel. Für Beobachter stellt sich daher die Frage, warum Gisel sich das überhaupt antut und warum der Verwaltungsrat nicht jemand anders auftreten lässt, zum Beispiel den Finanzchef, oder die Medienkonferenz gleich absagt. Das alles sei zu keinem Zeitpunkt ein Thema gewesen, heisst es aus der Zentrale in St. Gallen. Es ist fast nicht zu glauben.

Ein neuer Präsident wird einen Interims-CEO einsetzen

Der angekündigte Rücktritt von Gisel von der Spitze der Raiffeisen Schweiz hat zwar Ruhe in die Organisation gebracht. Doch ob er tatsächlich bis Ende Jahr bleiben wird, ist unklar. Das hängt primär mit dem neuen Verwaltungsratspräsidenten zusammen, der im November von der Delegiertenversammlung gewählt wird. Über die Sommerferien haben verschiedene Gespräche mit Kandidaten und den Mitgliedern des Nominationssausschusses des Verwaltungsrats stattgefunden, wie aus dem Innern der Bank zu hören ist. Es wird die erste wichtige Aufgabe des neuen Präsidenten sein, einen neuen CEO zu suchen. Von der Wahl des neuen Präsidenten bis zum Austritt von Gisel dauert es nur wenige Wochen. Es ist also nicht realistisch, dass in dieser Zeit ein neuer CEO bestimmt werden kann. Noch weniger realistisch ist, dass dieser bereits auf Anfang Jahr beginnen könnte.

Patrik Gisel hat für diesen Fall bereits angeboten, gegebenenfalls doch länger im Amt zu bleiben. Das Angebot ist insofern naiv, als kein ernstzunehmender Verwaltungsratspräsident bereit wäre, noch während Monaten mit dem angeschlagenen CEO zusammenzuarbeiten. Ein ernsthafter Präsidiums-Kandidat wird sich zur Bedingung machen, sich per sofort von Gisel trennen zu können und für die Zwischenzeit einen Interims-CEO einzusetzen, um dann im Frühling den neuen Konzernchef an Bord zu holen.

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