«Projekt Compass»
SBB-Reorganisation fallen bis zu 150 Temporärstellen zum Opfer – leidet die Sauberkeit an kleinen Bahnhöfen?

Die SBB wollen die grossen Bahnhöfe häufiger von eigenem Personal reinigen lassen. Für kleine Bahnhöfe hingegen setzt sie auf externe Firmen. Mehrere Dutzend Mitarbeiter müssen sich neu bewerben.

Stefan Ehrbar
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Wer reinigt künftig die Bahnhöfe der SBB?

Wer reinigt künftig die Bahnhöfe der SBB?

Claudio Thoma

Die SBB organisieren unter dem Namen «Projekt Compass» ihre Reinigungsarbeiten neu. Die grösseren Bahnhöfe will die Bahn künftig verstärkt von eigenem Personal reinigen lassen, während auf kleineren Bahnhöfen externe Dienstleister zum Einsatz kommen sollen. Der Reorganisation zum Opfer fallen werden Temporärmitarbeiter, die im Auftrag der SBB arbeiten.

Patrick Kummer, Sekretär bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonal SEV sagt, die Vereinheitlichung sei an und für sich eine gute Sache. Die SBB würden intern 30 bis 50 neue Stellen schaffen, von denen heutige Temporärmitarbeitende profitieren könnten. «Allerdings ist das nur ein Zückerchen, denn im Gegenzug werden 130 bis 150 Temporärstellen abgebaut», sagt Kummer. «Ich gehe davon aus, dass insgesamt etwa 110 Stellen verschwinden.»

Leidet die Qualität?

Die SBB bestätigen die Reorganisation. Die Bahn wolle ihre Mitarbeiter im sogenannten Facility Management «dort einsetzen, wo deren hohe Kompetenz den grössten Mehrwert generiert», sagt Sprecher Reto Schärli. Deshalb würden sie künftig die Bahnhöfe mit mittleren und hohen Kundenfrequenzen verstärkt mit eigenem Personal betreiben. In diesen bewegen sich laut der Bahn etwa 80 Prozent der Kunden.

Bei schwach frequentierten Bahnhöfen und den Anlage- und Betriebsobjekten hingegen wollen die SBB künftig in der ganzen Schweiz mit externen Firmen zusammenarbeiten. Diese würden «sorgfältig ausgewählt», und «eng gesteuert», so Schärli. Die Umstellung erfolge zwischen Mitte 2022 und Ende 2023.

«Alle erhalten faire Chance»

Mitarbeitende, die bereits heute bei den SBB beschäftigt sind, behalten ihre Stelle. Zur Betreuung der mittel bis hoch frequentierten Bahnhöfe schaffe die Bahn zudem die erwähnten 30 bis 50 neuen Stellen, so Schärli. Gleichzeitig fallen aber Temporärstellen weg. «Die SBB haben künftig einen tieferen Bedarf an temporären Mitarbeitenden und werden deshalb ab Mitte 2022 etappenweise 130 bis 150 temporäre Mitarbeitende weniger einsetzen», so der SBB-Sprecher.

Die neu geschaffenen internen Stellen würden wenn möglich mit diesen besetzt. «Alle temporären Mitarbeitenden erhalten eine faire Chance auf eine Festanstellung und werden im Prozess von den SBB begleitet», sagt Schärli. «Zudem wird die SBB den temporären Mitarbeitenden die Möglichkeit für ein Vorstellungsgespräch bei den künftigen Dienstleistern, welche die Bahnhöfe mit tiefen Kundenfrequenzen für die SBB betreuen werden, verschaffen, sofern sie dies wünschen.»

SEV-Sekretär Patrick Kummer warnt vor einem Qualitätsabbau bei den kleinen Bahnhöfen. «Die Qualität wird viel schwieriger überprüfbar sein, wenn externe Dienstleister, die im SBB-Gewand auftreten sollen, diese Dienstleistungen erbringen. Der Service Public wird darunter leiden.» Zudem sei es für SBB-Mitarbeitende und Temporäre noch völlig unklar, welche Bahnhöfe neu von der SBB selbst betreut werden und welche durch externe Leistungserbringer. «Dass auch Leistungen an Bahnhöfen wie Aarau, Baden oder Gossau künftig ausgelagert werden, ist für mich aktuell nicht ausgeschlossen», sagt Kummer.

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