Wirtschaft

«Prognose vielleicht zu pessimistisch»: Credit Suisse rechnet mit weniger Arbeitslosen als befürchtet

Die Credit Suisse geht davon aus, dass die Schweiz vergleichsweise glimpflich durch die Krise kommt.

Die Credit Suisse geht davon aus, dass die Schweiz vergleichsweise glimpflich durch die Krise kommt.

Ökonominnen der Credit Suisse vermuten, dass die Prognose von 3,5 Prozent Arbeitslosigkeit zu pessimistisch sein könnte. Auch müsse der Bund sich weniger stark verschulden als zunächst befürchtet.

(wap) Kommt die Schweiz mit einem blauen Auge davon? In einer aktuellen Einschätzung gehen die beiden Credit-Suisse-Ökonominnen Franziska Fischer und Emilie Gachet davon aus, dass die Kosten der Coronakrise nicht ganz so hoch ausfallen werden wie erwartet. So seien Kurzarbeit und Corona-Erwerbsersatz weniger in Anspruch genommen worden als erwartet, und die Abschreibungen auf die Covid-19-Kredite seien kleiner als budgetiert, schreiben sie in einer Studie der Credit Suisse. Nach ihren Berechnungen werden Kurzarbeit und Corona-Erwerbsersatz den Bund nur 12,2 statt wie erwartet 25,5 Milliarden Franken kosten. Bei der Arbeitslosigkeit bleiben sie bei der Prognose von 3,5 Prozent für 2020, merken aber an, dass dies «vielleicht zu pessimistisch» sei. Für das Jahr 2021 sagen sie eine Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent voraus.

Diese Prognosen sind optimistischer als jene, welche die Expertengruppe des Bundes im Juni publiziert hatte. Die Experten rechneten mit einer Arbeitslosigkeit von 3,8 Prozent bereits für das Jahr 2020, im nächsten Jahr soll sie nach diesen Berechnungen auf 4,1 Prozent steigen. Auch beim Bund scheint man aber mittlerweile nicht mehr vom Worst-Case-Szenario auszugehen: Am 10. August hatte Boris Zürcher, Leiter der Direktion Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft erklärt, dass der Wert von 3,8 Prozent ohne eine grosse Entlassungswelle nicht erreicht werden werde. Für eine solche sehe er jedoch keine Anzeichen.

Auch bei Wirtschaftskrise 2008 hatte man die Kosten überschätzt

Einen ähnlichen Effekt, wie man ihn jetzt beobachten könne, habe es schon bei der Finanzkrise von 2008 gegeben, schreiben die beiden Credit-Suisse-Autorinnen: Auch dort habe man die Kosten am Anfang überschätzt. Damals seien nur 80 Prozent der anfänglich bereitgestellten Mittel tatsächlich abgeflossen, schreiben die Ökonominnen.

Es werde daher möglich sein, die Corona-Ausgaben des Bundes mit moderaten Einsparungen über verschiedene Aufgabengebiete hinweg zu kompensieren, so das Fazit der Studie. Dabei sei die Prioritätensetzung im Rahmen einer vorausschauenden Finanzpolitik harten Sparprogrammen vorzuziehen. Steuererhöhungen seien ebenfalls nicht angebracht, es sei deshalb sinnvoll, grössere Vorhaben in den nächsten Jahren zu modifizieren oder allenfalls zu verschieben.

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