Landwirtschaft

Pro Natura fordert bessere Kontrollen beim Güllen

Ein Landwirt bringt Gülle auf seine Felder (Archiv)

Ein Landwirt bringt Gülle auf seine Felder (Archiv)

In St. Gallen und beiden Appenzell bringen Landwirte Jauche zu nahe an Bächen, Wälder und Hecken aus: Das zeigt eine Untersuchung von Pro Natura St. Gallen-Appenzell. Die Naturschutzorganisation fordert deswegen bessere Kontrollen und eine andere Agrarpolitik.

Gülle und Mist dürfen aus ökologischen Gründen von Gesetzes wegen nicht näher als drei Meter an Bäche, Wälder und Hecken ausgebracht werden. Hier hat Pro Natura einen Missstand festgestellt, wie die Sektion St. Gallen-Appenzell am Montag in St. Gallen informierte.

Der Abstand zwischen Bächen, Wäldern und Hecken und Kulturland, der nicht gedüngt werden darf, wird von Fachleuten als "Pufferstreifen" bezeichnet. Pro Natura hat im Sommer und Herbst dieses Jahres rund 15 Kilometer Pufferstreifen kontrolliert. Etwa 6,5 Kilometer davon waren von den Landwirten gedüngt worden, informierte Pro Natura.

Bussgeldpotenzial

Die Naturschutzorganisation unterscheidet zwischen schweren, mittleren und leichten Verstössen, wobei die schweren und mittleren Verstösse sanktioniert werden müssten, wie Christian Meienberger, Geschäftsführer von Pro Natura St. Gallen-Appenzell, vor den Medien sagte. Pro gedüngten Laufmeter Pufferstreifen mit 15 Franken.

Bei 100 Meter unrechtmässig gedüngtem Pufferstreifen entspräche dies 1500 Franken. Der fehlbare Bauer erhalte keine Busse; der Betrag würde ihm von den Direktzahlungen abgezogen. "Allerdings", sagte Meienberger, "würden Pufferstreifen von den Behörden zu wenig oder gar nicht kontrolliert". Dabei zahlten sich Kontrollen aus.

Die von Pro Natura bei der Felderhebung festgestellten Güllen-Verstösse hätten eine Nichtauszahlung von 95'000 Franken Subventionen ausgemacht, rechnete Meienberger vor. Gehe man davon aus, sagte Meienberger, dass, wie die Studie zeige, jeder zweite Bauer Pufferstreifen missachte, ergebe sich in den Kantonen St. Gallen und beiden Appenzell ein Bussenpotenzial von vier Millionen.

Keine Extrembeispiele

Marcel Liner, Projektleiter Landwirschaft bei Pro Natura Schweiz, sagte, die drei Kantone seien keine Extrembeispiele, sondern exemplarisch für die ganze Schweiz. "Es gibt zu viel Gülle", sagte Liner. Grund dafür seien die Tierhaltungsbeiträge des Bundes, wegen derer die Schweizer Landwirte möglichst viele Tiere halten würden.

Liner sagte, diese Beiträge müssten abgeschafft werden, so wie der Bundesrat es vorschlage. Liner und Meienberger fordern vom Bund eine Agrarpolitik, die ehrlich und nicht scheinbar auf Ökologie setze und bessere Kontrollen des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) was das Güllen bei Bächen, Wäldern und Hecken betrifft.

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