Bald ist es ein Jahr her, dass die Euro-Frankenbindung aufgegeben wurde. Sind Sie zufrieden mit den Preisnachlässen, welche die Importeure oder Detailhändler gewährt haben?

Stefan Meierhans: Die Weitergabe von Währungsvorteilen hat viel besser geklappt als anlässlich der ersten Frankenstärke 2011. Aber der Einkaufstourismus hat stark zugenommen, und damit auch der Druck. Der grösste Konkurrent unter den Detailhändlern ist heute das Ausland. In Basel ist das besonders dramatisch – hier wo das Tram über die Grenze nach Deutschland fährt und dereinst nach Frankreich – mit einer Haltestelle am Supermarkt Géant Casino ... Ich bin zufriedener als das letzte Mal, aber die Zufriedenheit ist eine relative. Ich bekomme noch immer viele Zuschriften, zum Teil recht unerwartete. Beispielsweise zu Internetshops, die in der Schweiz höhere Preise verlangen, sei es für Hemden, Hosen oder Kreuzfahrten. Man kann sicherlich nicht alle Firmen über einen Leist schlagen.

Gas und teilweise auch Strom wurden auf dem internationalen Markt sehr viel günstiger. Die Konsumenten profitieren nur wenig davon. Sind Sie eingeschritten?

Einige Gaspreise sind bei mir in Prüfung. Im vergangenen Jahr konnten wir im Bereich der Netznutzung im Hochdruckbereich eine Senkung von knapp 10 Prozent erreichen. Beim Strom liegt die Erstzuständigkeit bei der Elcom, da nehme ich mittels Empfehlungen an diese Behörde Einfluss. Zu berücksichtigen sind neben den Produktpreisen auch die Netzkosten und die Abgaben, die nicht gesunken sind. Der Bundesrat hat vor, die Kapitalverzinsung im Strom von 4,7 auf 3,83 Prozent herabzusetzen. Die Regelung, die wir bei der Gasbranche durchgesetzt haben, ist, dass die Kapitalverzinsung dort in Abstimmung zur Strombranche verläuft. Damit ist im Gas-Hochdruckbereich nochmals eine Senkung zu erwarten.

Wie sieht es bei der Telekommunikation aus? Können Sie Swisscom zu Roamingpreisen zwingen, die gleich hoch sind wie in der EU?

In der Telekommunikationsbranche herrscht teilweise Wettbewerb, ein Einschreiten meinerseits muss deshalb gut begründet sein. Es handelt sich bei Roaminggebühren um Geschäfte in zwei Richtungen. Swisscom erhält beispielsweise Geld von ausländischen Telekomfirmen und muss Geld an solche zahlen. Ein einseitiges Vorgehen ist deshalb suboptimal. Darum habe ich, zusammen mit der Wettbewerbskommission und dem Bundesamt für Kommunikation, die Aufnahme des Themas in Gespräche mit Europa gefordert. Aber geschehen ist da nichts. Unsere Hoffnungen liegen bei der anstehenden Revision des Fernmeldegesetzes.

Im öffentlichen Verkehr steigen die Preise jährlich. Aber SBB-Chef Andreas Meyer hat kürzlich gesagt, Bahnfahren soll günstiger werden. Gab es da ein Umdenken?

Das würde mich freuen. Bevor ich mich äussere, warte ich aber den Tatbeweis ab. Offenbar spielen auch im Monopol Preis-Elastizitäten eine gewisse Rolle, das heisst, die Nachfrage nimmt ab einem gewissen Preisniveau doch stärker ab, als es sich der Monopolist vorstellte.

Im Gesundheitswesen gehören Spitäler zu den grössten Kostenverursachern. Gibt es hier Potenzial?

In Deutschland kostet ein stationärer Fall, die sogenannte Baserate, rund ein Drittel so viel wie in der Schweiz. Wir müssen deshalb unbedingt und dringend das wettbewerbliche Element mit einem vernünftigen, das heisst angemessen strengen Benchmarking (Vergleich) zwischen den Spitälern nutzen. Grundsätzlich kann man sagen: Den Spitälern geht es hervorragend. Das haben Untersuchungen von PWC und dem Spitalverband H+ gezeigt. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Krankenkassenprämien ansteigen.

Preisvergleiche mit dem Ausland zeigen regelmässig, dass Generika in der Schweiz im Schnitt mehr als doppelt so teuer sind. Wie könnte man dieses dauernde Ärgernis beseitigen?

Unsere letzte Untersuchung hat ergeben, dass die Generikapreise im europäischen Vergleich bei uns bis zu zehn Mal höher liegen. Warum? Wir haben eine falsche Regulierung mit der sogenannten Abstandsregel. Generika müssen um bestimmte Prozentsätze günstiger sein als die entsprechenden Originalmedikamente. Profitieren tun die oft ausländischen Medikamentenhersteller, in beschränktem Masse auch die Apotheken und Ärzte. Die Lösung liegt im von mir schon lange propagierten Referenzpreissystem für patentabgelaufene Medikamente: Medikamente mit einer bestimmten Wirksubstanz würden dabei nur noch bis zum Betrag des Preises eines günstigen Generikums durch die Kassen vergütet. Das Sparpotenzial wäre allein in einem ersten Schritt rund 400 Millionen Franken jährlich – wiederkehrend.

Auch Krebsmedikamente sind zum Teil extrem teuer. Wieso?

Nicht nur Krebsmedikamente. Es ist aber durchaus richtig, dass neue Medikamente, die einen Zusatznutzen bringen, sehr teuer sind. Ein Monopolpreis zu Beginn der Vermarktung ist Anreiz für die Forschung, hier müssen wir aufpassen. Der Auslandpreisvergleich bei patentierten Originalmedikamenten ist an sich eine gute Sache – bloss beim Vollzug hapert es, zum Beispiel bei der Auswahl der Vergleichsländer.

Mit Reklamationen über welche Bereiche wenden sich verärgerte Kunden am häufigsten an Sie?

Aktuell erhalte ich gerade sehr viele Reklamationen von Kunden der Postfinance. Aber auch der öffentliche Verkehr ist ein Standardkunde, Beispiel U-Abo Nordwestschweiz. UPC Cablecom hat nach der Preiserhöhung auch viele Meldungen provoziert, und erstaunlicherweise erhalte ich regelmässig sehr viele Meldungen zu Benzinpreisen, obwohl dort der Wettbewerb auf Verteilerstufe spielt.