Pharma

Preise abgesprochen: 180 Millionen Busse für Novartis und Roche

Roche und Novartis erhalten eine Busse in Milliarden-Höhe.

Roche und Novartis erhalten eine Busse in Milliarden-Höhe.

Die italienischen Wettbewerbshüter haben den Basler Pharma-Konzernen Novartis und Roche eine Busse in der Höhe von rund 180 Millionen Euro aufgebrummt, weil die beiden bei zwei Medikamenten die Preise miteinander abgesprochen haben.

Die Busse für Novartis beträgt 92 Mio. Euro und für Roche 90,5 Mio. Euro, wie die Wettbewerbsbehörde am Mittwoch mitteilte. Sowohl Novartis als auch Roche verurteilten den Entscheid scharf und wollen ihn anfechten. Die Anschuldigungen seien unzutreffend, schreibt Roche.

Konkret geht es um die Medikamente Lucentis von Novartis und Avastin von Roche. Die Basler Konzerne sollen zusammengearbeitet haben, um den Einsatz des Medikaments Avastin gegen die Augenkrankheit AMD zu unterbinden. Stattdessen sollte das wesentlich teurere Mittel Lucentis verwendet werden.

Millionenschaden für Gesundheitsbehörde

Roche und Novartis hätten eine komplexe betrügerische Strategie verfolgt, um den kommerziellen Erfolg von Lucentis nicht durch Avastin zu gefährden, schreibt die Wettbewerbsbehörde. Die Bemühungen seien gar intensiviert worden, als unabhängige Studien die Gleichwertigkeit der beiden Medikamente bei Augenkrankheiten nachgewiesen hätten.

Der italienischen Gesundheitsbehörde sei dadurch im Jahr 2012 ein Schaden von 45 Mio. Euro entstanden, schreibt die Wettbewerbsbehörde weiter. Die künftigen Gesamtkosten der Preisabsprache schätzt sie jährlich auf bis zu 600 Mio. Euro.

Eine Lucentis-Injektion in Italien kostet laut der Wettbewerbsbehörde 900 Euro. Dagegen beträgt der Preis für eine Behandlung mit Avastin bloss 81 Euro. Ärzte setzen zur Behandlung von AMD deshalb oft das Krebsmedikament Avastin ein, das eine ähnliche Wirkungsweise hat, obwohl das Präparat dafür nicht freigegeben ist.

Es geht um viel Geld

Die Wettbewerbsbehörde untergrabe mit ihrem Entscheid Europäische Regulierungen zum Schutz der Patientensicherheit, kritisiert Novartis in einer Mitteilung. Die Entscheidung, eine Marktzulassung für Avastin zu beantragen oder nicht, liege ausschliesslich bei Roche.

Aus Sicht von Roche handelt es sich bei Lucentis und Avastin um Medikamente, die für unterschiedliche therapeutische Zwecke entwickelt worden seien. Lucetin sei für den Augengebrauch genehmigt worden, während Avastin intravenös verabreicht werde, schreibt Roche.

Die Wirkstoffe von Lucentis und Avastin - Ranibizumab und Bevacizumab - wurden beide von Roches US-Biotechnologietochter Genentech entwickelt. Novartis hat die Lucentis-Vertriebsrechte ausserhalb der USA. Laut der Wettbewerbsbehörde hat Genentech sich keines Gesetzesverstosses schuldig gemacht.

Für beide Konzerne geht es um viel Geld: Roche erzielte im Vorjahr mit Lucentis umgerechnet 1,4 Mrd. Euro Umsatz, bei Novartis waren es 1,7 Mrd. Euro.

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