Teure Tests
299 Franken und mehr: Bei den PCR-Tests an Flughäfen kommt es zum Preiswahnsinn

Am Flughafen Zürich gibt es ein neues Test-Angebot für Reiche: Ein Covid-Test im Schnellverfahren für rund 300 Franken. Doch auch ohne diesen Test drohen Flugreisen wegen der neuen BAG-Regeln für viele Passagiere unbezahlbar zu werden.

Benjamin Weinmann
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Der schnellste, aber auch einer der teuersten PCR-Tests der Schweiz: 299 Franken für ein Resultat innert 45 Minuten - das gibt es seit Montag am Flughafen Zürich.

Der schnellste, aber auch einer der teuersten PCR-Tests der Schweiz: 299 Franken für ein Resultat innert 45 Minuten - das gibt es seit Montag am Flughafen Zürich.

Michael Buholzer / KEYSTONE

PCR-Testpreise erreichen neue Sphären. Vergangene Woche hatte die Berner Firma Ender Diagnostics Journalistinnen und Journalisten an den Flughafen Zürich geladen. Im Auftrag von Ender betreibt die Sicherheitsfirma Checkport am Flughafen mehrere Covid-Testzentren. Zu den Kunden gehört unter anderem die Swiss, die am Presseanlass ebenfalls vertreten war. Thema der Veranstaltung war ein neues Angebot: PCR-Testresultate innert 45 Minuten. Bisher musste man mindestens 5 Stunden auf die Analyse warten. Möglich macht die Ruckzuck-Analyse ein neues Labor vor Ort, betrieben durch die «Dr. Risch»-Gruppe (CH Media berichtete).

Allerdings: Was das ultraschnelle Angebot kostet, wurde vor den Medien nicht verraten. Nun ist die Katze aus dem Sack. Auf den Webseiten von Ender Diagnostics und Checkport steht für den «Platinum»-Service ein Preis von sage und schreibe 299 Franken. Damit ist dies einer der teuersten PCR-Test der Schweiz. Der «Platinum Kids»-Preis für Kinder unter 16 Jahren beträgt 249 Franken.

Konsumentenschutz: «Notsituation wird schamlos ausgenutzt»

Zuvor dauerte es bei den schnellsten Tests am Flughafen Zürich zwischen 3 und 5 Stunden, bis das Resultat vorlag. Der Preis: Zwischen 99 und 219 Franken. Nun kostet der 3-Stunden-Test noch 149 Franken.

Fragt sich, inwiefern sich die Firmen mit diesen stolzen Preisen eine goldene Nase verdienen. Von CH Media nach der Marge gefragt, gaben Ender-Diagnostics-Chef Paul Senn und Checkport-Chef Daniel Steffen an der Pressekonferenz keine klare Antwort. Die Kosten seien mit der Kapazitätsausweiten gestiegen, und es sei ja nicht verboten, wirtschaftlich zu arbeiten, sagte Steffen. Zudem habe man dank diesem neuen Geschäft auch niemanden entlassen müssen. Tatsächlich haben die Checkport-Sicherheitsangestellten aufgrund der tieferen Fluganzahl deutlich weniger Reisedokumente zu kontrollieren. Zudem sagt Nathalie Berchtold, Sprecherin der Checkport-Inhaberin Swissport, dass das Labor hohe Investitionen mit sich bringe. «Im Labor am Flughafen stehen beispielsweise Auswertungsgeräte im Wert von rund 3 Millionen Franken.» Swissport-Sprecherin Berthold betont, dass es sich beim teurem «Platinum»-Test um ein Nischenprodukt für den Notfall handle.

Tatsächlich gibt es am Flughafen einen Anbieter, der sogar noch etwas teurer ist als das Angebot von Checkport und Ender Diagnostics. Die Firma Diamisanto verlangt für einen PCR-Test mit Resultat innert maximal einer Stunde einen Preis von 336 Franken.

Konsumentenschützerin Sara Stalder.

Konsumentenschützerin Sara Stalder.

Tim Loosli

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, ist dennoch empört. «Der Verdacht liegt nahe, dass hier eine Notsituation schamlos ausgenutzt wird.» Bei den PCR-Tests herrsche leider nach wie vor viel zu wenig Wettbewerb und Transparenz. «Bei der Ticketbuchung müssten die Airlines zudem deutlich darauf hinweisen, dass mit den PCR-Tests weitere, teure Gebühren drohen. »

Hauruck-Übung des Bundesrats

Fakt ist, dass die Nachfrage nach schnellen Testresultaten mit den neuen Regeln im internationalen Reiseverkehr weiter steigt. So haben die USA kürzlich angekündigt, dass die PCR-Testresultate nur während 24 statt wie bisher 72 Stunden als gültig anerkannt werden. Und am Freitag hob der Bundesrat zwar die Quarantäneliste auf, doch führte er über Nacht eine drastische Verschärfung der Einreisebestimmungen ein, welche Swiss und Co. - und vor allem auch viele Passagiere - auf dem falschen Fuss erwischten.

Denn neu sind für die Einreise in die Schweiz gleich zwei negative Testresultate nötig - egal, ob geimpft oder ungeimpft. Damit verteuern sich Auslandreisen enorm. Ein Beispiel: Ein Paar möchte die lange nicht mehr gesehene Verwandtschaft in den USA besuchen. Dafür wird ein PCR-Test für den Flug ab Zürich fällig à 195 Franken, denn das Paar möchte auf Nummer sicher zu gehen, um das 24-Stunden-Zeitfenster garantiert einzuhalten.

Bei der Rückkehr wird ein Test in den USA fällig, der gut und gerne zwischen 150 und 250 Dollar kostet. Für das Beispiel nehmen wir einen für 200 Dollar pro Person, also kommen nochmals 400 Franken dazu.

1150 Franken für 6 Tests

Damit hat es sich nicht: Innert vier bis sieben Tage nach der Rückkehr in der Schweiz ist ein weiterer Test nötig, entweder ein PCR- oder Antigentest. In der Schweiz kostet ein PCR-Test für Symptomlose je nach Anbieter nochmals rund 180 Franken, ein Antigen-Test 20 Franken. Wählt man die teurere, sicherere Variante kostet das also weitere 360 Franken. Macht insgesamt: 1150 Franken für sechs Tests - also so viel wie ein Economy-Flugticket von der Schweiz an die US-Westküste. Mit dem Antigen-Test beträgt das Total am Schluss 830 Franken für zwei Personen.

Wie viele Passagiere ihren Flug am Wochenende nicht antreten konnten aufgrund der kurzfristigen Verschärfungen, sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller auf Anfrage nicht. Man sei nach wie vor erfreut über den Entscheid, dass die Quarantäneliste abgeschafft worden sei, man würde es aber begrüssen, wenn geimpfte und/oder genesene Passagiere aus den Schengen-Staaten und Grossbritannien von erleichterten Einreisebedingungen profitieren könnten. Die Swiss sei in einem konstanten Austausch mit den zuständigen Bundesbehörden.

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