Agrarchemie
Präsidiale Klatsche von Syngenta für Monsanto

Der Basler Agrochemiekonzern Syngenta hat seinen Widerstand gegen eine Übernahme durch Monsanto bekräftigt. Verwaltungsratspräsident Michel Demaré lehnte am Dienstag das Angebot des US-Saatgutherstellers erneut als unzureichend ab.

Stefan Schuppli
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Syngenta sei auch nicht an einer Verlegung des Hauptsitzes nach Grossbritannien interessiert. (Archiv)

Syngenta sei auch nicht an einer Verlegung des Hauptsitzes nach Grossbritannien interessiert. (Archiv)

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

In einem ins Internet gestellten Interview bekräftigt Syngenta-Verwaltungsratspräsident Michel Demaré, dass die Übernahme durch den US-Konzern Monsanto indiskutabel ist. Nachfolgend einige Fragen und Antworten aus dem Interview – und darüber hinaus.

Welches ist die Kernaussage des Interviews?

Die Risiken, dass der Deal aus kartellrechtlichen Gründen nicht zustande kommt, sei viel zu gross, sagt Michel Demaré. Ein fusionierter Konzern sei in zu vielen Bereichen die Nummer eins, bei den Marktanteilen, bei Forschung und Entwicklung, bei der Technologie, bei den Patenten. «Es ist schwer zu glauben, dass die Kartellbehörden da nicht hinschauen», sagt er. Das würden sie garantiert, und zwar weltweit. Die Übernahme würde mindestens 18 Monate dauern. Und dann? Dann kommen die Kartellbehörden und lehnen ab... Das erzeuge eine riesige Unsicherheit, so Demaré. Die zwei Milliarden «Break Fee», die Monsanto im Falle eines Scheiterns zu zahlen bereit wäre, sei viel zu wenig.

Spricht Demaré die Steuerfrage und die Sitzverlagerung an?

Ja. Für Basel ist das eine zentrale Frage, wegen der Arbeitsplätze, wegen der Steuern. Die Sitzverlagerung von Monsanto bzw. der Fusionsgesellschaft nach Grossbritannien, wie sie offenbar kürzlich angedacht wurde, brächte keine Steuervorteile, sagt Demaré. Zudem sei man in Basel gut aufgehoben. Zur Erinnerung: Der britische Schatzkanzler George Osborne reduziert die Firmensteuer von 21 auf 20 Prozent und führt grosszügige Regelungen für komplexe ausländische Firmenkonstrukte mit Töchtern in England ein. Zum Vergleich sei erwähnt, dass in Basel-Stadt ein Maximalsteuersatz von 22,18 Prozent (Kanton und Bund) gilt, er ist renditeabhängig. In den Geschäftsberichten 2013 und 2014 wies Syngenta eine Steuerrate von 15 Prozent aus.

Welche organisatorischen Probleme würden sich bei einer Fusion ergeben?

Gemäss Demaré hat Syngenta sich erfolgreich neu organisiert, die beiden Organisationen passten nicht zusammen. Syngenta sei weltweit aufgestellt und sehr integriert (Farmer-Saatgut-Pflanzenschutz-Logistik). Monsanto sei im Saatgut stark und in den USA. Eine Fusion hätte riesige organisatorische Konsequenzen. Das Angebot sei unerwünscht und ungebeten. Es müsse echte Vorteile erbringen und fairen und vollen Wert bringen. Wenn das nicht gegeben sei, sei es unverantwortlich, überhaupt in Verhandlungen zu treten. Deutlicher geht es nicht.

Hält Michel Demaré den Kopf nicht etwas sehr weit hinaus?

Schon. Monsanto müsste jetzt wahrscheinlich mit einer völlig neuen Idee kommen, Teilkauf oder ähnliches. Wenn das Angebot ganz simpel nochmals massiv aufgebessert und Syngenta verhandeln würde, wäre spannend, wie das Michel Demaré rechtfertigen würde. Die kartellrechtlichen Fragen lägen ja noch immer auf dem Tisch.

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