Die amerikanische Wirtschaft laufe gut. "Wir sind im 11. Jahr des Aufschwungs", sagte Powell. So eine lange Wachstumsphase habe es seit Beginn der Aufzeichnungen noch nie gegeben. Der Fed-Chef rechnet mit einem moderaten Wachstum, einem starken Arbeitsmarkt und einer Inflation, die sich auf das Fed-Ziel von 2 Prozent hinbewege. Der Konsum sei in grossartiger Form. Der Ausblick sei ziemlich gut.

Allerdings gebe es signifikante Risiken, wie etwa eine Wachstumsverlangsamung oder eine hartnäckig tiefe Inflation. Die Weltwirtschaft verliere seit Mitte 2018 an Tempo. Das betreffe China, Deutschland und die EU. Ein Grund dafür seien die Handelskonflikte der USA, welche Unsicherheiten schürten, die auf die Investitionsentscheide der Unternehmen drücken würden, sagte Powell.

Leitzins gesenkt

Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins Ende Juli um 0,25 Prozentpunkte auf 2 bis 2,25 gesenkt, um einer möglichen Abkühlung der seit zehn Jahren wachsenden US-Wirtschaft zuvorzukommen. Die nächste Zinsentscheidung der Fed steht am 18. September bevor. Die Fed sei bereit, "angemessen" zu handeln, um das Wirtschaftswachstum zu stützen, sagte Powell.

Die Arbeitslosenquote in den USA liegt bei niedrigen 3,7 Prozent, und die Wirtschaft floriert. Das Wachstum hat sich jedoch verlangsamt - auch unter dem Eindruck der von Präsident Donald Trump angezettelten Handelskonflikte. Die Auseinandersetzung mit China, der zweitgrössten Volkswirtschaft, belastet auch die Börsen. Warnsignale des Anleihenmarktes deuteten zuletzt auf eine bevorstehende Abschwächung der Wirtschaft, möglicherweise auch auf eine Rezession hin.

Keine Rezession in der Schweiz

Auch SNB-Chef Thomas Jordan geht im Basisszenario nicht von einer Rezession der Weltwirtschaft oder der Schweizer Konjunktur aus. Die Handelspolitik sei entscheidend für kleine offene Wirtschaften wie die Schweiz. "Wir hängen sehr stark von einer funktionierenden Weltwirtschaft ab, wo es möglich ist zu importieren und zu exportieren", sagte Jordan an der Podiumsdiskussion des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung.

Die derzeitigen Unsicherheiten hätten eher einen negativen Einfluss. Dies sei nicht nur die Folge der Handelsstreitigkeiten, sondern auch des Brexit, der Konsumenten und Investoren verunsichere, sagte Jordan.

Powell bereut es nicht, Fed-Chef zu sein

Angesichts der Dauerkritik von US-Präsident Trump, der tiefere Zinsen fordert, sagte Powell, er bereue es nicht, das Amt des Fed-Chefs übernommen zu haben. Die US-Notenbank sei ein grossartiger Ort. Sie sei zu nicht-politischen Entscheidungen verpflichtet. "Es gibt eine sehr starke Ethik und sehr hohe Moral bei unseren Leuten", sagte Powell und trat dem sprunghaften Trump damit ans Bein.

"Wir kommentieren die Handelspolitik nie. Das liegt nicht in unserer Verantwortung", sagte Powell.

"Politische Faktoren spielen absolut keine Rolle bei unseren Entscheiden. Das würden meine Kollegen und ich nicht tolerieren", sagte Powell. Die Fed sei stark verpflichtet, nicht-politische Entscheide im Interesse aller amerikanischen Bürger zu treffen unabhängig von ihrer politischen Partei.