Grosse Erwartungen schürte Powdair im vergangenen Winter im Wallis: Bald schon sollte eine Airline am Sittener Flughafen landen und Tausende Touristen ins Wallis bringen. Die Hoffnungen wurden jäh enttäuscht, als die Firma Ende 2017 mitteilte, dass sie nicht starten wird.

Geld von Walliser Gemeinden war bereits weg, wie Firmengründer Nick Davis damals auf Anfrage sagte. Er vertröstete im vergangenen Januar auf Dezember 2018. Nun ist Davis zurück. Mit einem weiteren Airlineprojekt namens Valais Privé. Und er sagt weiterhin, dass Powdair dereinst fliegen wird. Nur nicht in diesem Jahr. Aber der Reihe nach.

Nick Davis hat als Firmengründer einige Stationen erlebt. Seine Piratenabwehrfirma mit Sitz in Malta ging pleite. Bewaffnete Sicherheitsbeamte verloren ihren Job, teilweise auf hoher See, und hatte Mühe nach Hause zu kommen. Später ging seine Fährfirma in Konkurs. Damals kurz vor Weihnachten verloren die Mitarbeiter ihre Jobs. Dann folgte Powdair, die seit dem Beginn von Nebengeräuschen begleitet war.

Valais Privé als Nachfolger

Die Airline war nie mehr als eine Website und eine eingetragene Firma in Irland, in einem Haus, das bekannt dafür ist, dass man dort einfach zu einem Briefkasten kommt. Die Internetseite von Powdair ist heute inexistent beziehungsweise verweist auf den Ticketlösungsanbieter Worldticket. Dort heisst es, dass man das Hosting für Powdair übernahm.

Geld hatte Powdair nie genug, um zu starten. Die Idee bestand offenbar darin, dass die Fluggäste mit ihren Ticketzahlungen das notwendige Kapital zum grossen Traum liefern. Das Vorhaben scheiterte aber, weil Worldticket erst das Geld überweist, wenn die Flüge stattfinden.

Also probierte es Powdair in letzter Minute mit einem Crowdfunding, das fehlschlug. Davis musste zugeben, dass Powdair nicht starten wird. In der Folge ging eine dänische Fluggesellschaft pleite, weil sie auf die Zusammenarbeit mit Powdair setzte. Etliche Mitarbeiter verloren ihren Job. Hunderttausende Franken kostete die Hoffnung auf neue Flüge aus England in das Wallis. Bezahlt von der Stadt Sion und anderen Destinationen.

Doch Davis war nicht untätig. Zuerst versuchte er, einem Insider gemäss, Powdair zu einem Spottpreis zu verkaufen. Was offenbar nicht klappte. Mehr als eine Homepage und einen eingetragenen Markennamen gab es ja aber auch nicht zu kaufen. Und dann erst noch einen Namen mit einem zweifelhaften Ruf.

Davis gründete in der Zwischenzeit die Firma Instajet Club und baute die Website «valaisprive.co.uk» auf. Dort präsentiert er eine Privatflugzeugfirma, die von London City nach Sion fliegen will. Über Paypal kann man 250 Pfund für eine Clubmitgliedschaft bei der Firma bezahlen. 2019 sollen die Flugzeuge abheben, wann genau steht nirgends. Die Seite verrät auch praktisch nichts über die Verantwortlichen. Ausser, dass sie von Powdair und von der eben erst in Konkurs gegangenen Schweizer Privatairline Privatair stammen.

Eine Anfrage bei Valais Privé beantwortet Nick Davis. Wie es mit Powdair denn weitergeht, wollte die «Schweiz am Wochenende» wissen – immerhin hatte Davis versprochen, dass sie im Dezember 2018 fliegen werde. Er wollte keinen Kommentar abgeben, weil beide Projekte, Powdair und Valais Privé, auf einen erfolgreichen Abschluss angewiesen seien.

Auf eine Nachfrage, ob denn Powdair wirklich noch starten wird, schrieb Davis, dass alles noch Zeit brauche. Aber Powdair beziehungsweise Valais Privé werde kommen. Vielleicht 2020 oder 2022 oder 2025, das wisse er nicht. Aber sie würden ab Sion fliegen, man solle nur Geduld haben. «Man braucht Geduld in diesem Spiel, um sich nicht zu einem Narren zu machen.»

Ob die Geduld allerdings ausreicht, um tatsächlich eine Airline zu gründen, ist mehr als fraglich. Das Vorgehen bei anderen Firmen lässt darauf schliessen, dass Davis sein Luftschloss aufrechterhalten will.