Frau Ruoff, der Verwaltungsrat und Sie haben abgemacht, dass Sie sich noch nicht zur künftigen Strategie der Post und Ihrer Rolle äussern wollen. Wieso?

Susanne Ruoff:Es wäre jetzt nicht seriös, wenn ich von aussen etwas dazu sagen würde. Zuerst will ich die Post von innen kennen lernen, eine Analyse machen und nach 100 Tagen kann ich dann dazu Stellung nehmen.

Was ist Ihre Motivation, bei der Post Konzernleiterin zu werden?
Ich halte die Post für ein faszinierendes Unternehmen, das ganz vielschichtige Aufgaben erfüllt, die jeden in der Schweiz betreffen. Ich habe bis jetzt in internationalen Grosskonzernen gearbeitet, in denen die Schweiz ein Fokus gewesen ist, aber nicht der ausschliessliche wie nun bei der Post.

Bei der Post wird auch die Politik mitreden. Wie stehts mit Ihrer politischen Vernetzung?
Ich muss zugeben, dass ich über kein politisches Netzwerk verfüge. Das muss ich mir aufbauen. Ich gehe aber gerne auf Menschen zu und freue mich auf die Diskussionen mit der Politik über die Ausrichtung der Post.

Die Zukunft soll auch bei der Post digital sein. Was können Sie da von früheren Tätigkeiten einbringen?
Ich arbeite nun 23 Jahre in der IT-Branche. Daher weiss ich, was für Innovationen uns erwarten. Die Schnittstelle zwischen analog und digital verändert sich und braucht auch bei der Post ständig Neubeurteilungen. Ich kann dieses Know-how in der Konzernleitungsspitze einbringen.

Sie sind die erste Frau an der Post-Konzernspitze. Wie werden Sie sich in dieser eher männerdominierten Welt bewegen?
Das wird für mich nichts Aussergewöhnliches sein. Das war vorher schon so.

Was sind Sie für eine Chefin?
Ich bin jemand, der zuerst zuhört, weil ich den Menschen vertraue, das Gehörte verarbeitet und dann entscheide. Ich fordere und fördere zugleich. Am Ende ist es aber gerade in einem Konzern wie der Post wichtig, dass man in einem Gesamtteam die Kräfte bündelt.

Sie haben eine Diplomarbeit über Jobsharing und Teilzeit auf Managementebene geschrieben. Werden Sie die Post als Teilzeit-Chefin führen?
Ich habe dort auch geschrieben, dass es nicht bei allen Stellen möglich ist, Teilzeit zu arbeiten. In meinem Fall ist es sicher nicht möglich.

Bei Jürg Bucher war es aber so. Er war Konzernchef und Leiter der Postfinance in Personalunion.
Bucher ist schon lange bei der Post und kennt sie sehr gut. Ich bin neu und muss mich zuerst einarbeiten.

Sie haben auch geschrieben, dass es zur Förderung von Jobsharing und Teilzeitarbeit nötig ist, Vorurteile bei Personalverantwortlichen und Vorgesetzten abzubauen. Bringen Sie dies bei der Post ein?
Sehen Sie, ich lebe das. Ich habe zum Beispiel ein Jobsharing bei meinen Assistentinnen und in weiteren Funktionen schon eingeführt, weil es hilft, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen.

Wie sieht es in Ihrer Familie aus?

Mein Mann ist Hausmann und nennt sich auch so. Nun sind die beiden Kinder grösser geworden. Das ändert auch die Situation meines Mannes. Daher ist er jetzt Teilzeit tätig.