Sie machen ökologisch Sinn, sind wegen ihrer ruhigen und ruckfreien Fahrweise bei Chauffeuren und Passagieren gleichermassen beliebt: die Brennstoffzellen-Postautos. Trotzdem gibt Postauto Schweiz bekannt, dass das Projekt mit den fünf Fahrzeugen in der Region Brugg nach fünf Jahren eingestellt wird.

Öko ist zu teuer

Öko ist zu teuer

In der Region Brugg fahren ab nächster Woche keine Öko-Busse mehr. Aufgrund der hohen Kosten stellt die Postauto AG den Versuchsbetrieb ein.

Postauto war Teil des europäischen Projekts CHIC (Clean Hydrogen in European Cities). Das Projekt in Brugg läuft Ende Jahr offiziell aus. Postauto Schweiz betont in der Medienmitteilung, dass «es zwar möglich wäre, den Betrieb weiterzuführen». Das Unternehmen «rechnet aber nicht damit, dass eine Verlängerung des Projekts weitere Erkenntnisse hinsichtlich technischer Fragen oder des Betriebs liefern würde». Warum also wird der Betrieb eingestellt, obwohl die positiven Auswirkungen gerne betont werden? «Wir haben eine gewisse Zeit geprüft, ob wir das Projekt allenfalls noch um ein bis zwei Jahre verlängern sollen, uns aber dann dagegen entschieden», sagt Urs Bloch, Mediensprecher von Postauto Schweiz, auf Nachfrage der az.

Ein Grund sei, wie erwähnt, dass man sich keine neuen Erkenntnisse erhoffe. «Ausschlaggebend für das Projektende war auch die (noch) fehlende Wirtschaftlichkeit der Brennstoffzellen-Postautos», so Bloch. «Die Instandhaltungskosten für die Fahrzeuge sind gestiegen und der Betrieb pro Kilometer ist deutlich teurer als bei Dieselbussen. Deshalb waren wir beim Projekt auch auf starke Partner angewiesen.» Es wäre sicher hilfreich gewesen, wenn die Wirtschaftlichkeit besser gewesen wäre und wenn sich auf dem Fahrzeugmarkt mehr bewegt hätte, so Bloch. Das Problem: «Derzeit gibt es im Brennstoffzellenbus-Bereich leider kaum eine Entwicklung.» Bei Postauto Schweiz sei man aber nach wie vor überzeugt von der Technologie und gehe davon aus, dass sich die Situation in ein paar Jahren wohl anders präsentieren werde. «Deshalb beobachten wir die Entwicklung auf dem Markt genau.»

GLP-Flach: «Habe Verständnis»

Auf politischer Seite löst die Einstellung des Projekts Bedauern aus. Beat Flach, GLP-Nationalrat aus Auenstein, meint aber: «Ich habe Verständnis für den Entscheid. Denn den Betrieb ohne die klare Unterstützung des Herstellers weiterzuführen, birgt grosse finanzielle Risiken.» Er gibt zu bedenken: «Der Wettstreit der besten Technologie in der Mobilität hat aber eben erst begonnen und neue Unternehmen werden in Nischen Erfolg haben, in denen die Grossen zu träge sind.» Heute hätten jedoch die grossen Unternehmen im Bereich der Flottenfahrzeuge noch die Übermacht auf dem Markt. Flach ist sicher: «Langfristig wird sich unsere Mobilität aber so oder so verändern. Der Trend zu autonomen Transportsystemen und zur Elektromobilität wird anhalten und über kurz oder lang werden Verbrennungsmotoren verschwinden; zuerst bei den Autos, dann beim Busverkehr und letztlich auch beim Warentransport.»

Hier wurde die Wasserstofftankstelle in Brugg eingeweiht.

Hier wurde die Wasserstofftankstelle in Brugg eingeweiht.

Was übrigens in Zukunft mit der Wasserstofftankstelle in Brugg passiert, ist noch offen. «Wir führen derzeit entsprechende Gespräche mit den Partnern und den Beteiligten», sagt Mediensprecher Urs Bloch. «Es gibt drei Optionen: Rückbau, Weiterverwendung sowie Verwendung gewisser Teile, beispielsweise des Elektrolyseurs an einer anderen Stelle.»