Buchhaltungstricks

Postauto-Affäre: Frühere Chefs geraten ins Visier

Was war ihre Rolle im Postauto-Skandal? Die ehemaligen Post-Manager Anton Menth (links) und Ulrich Gygi an einer Pressekonferenz 2003 in Bern.

Was war ihre Rolle im Postauto-Skandal? Die ehemaligen Post-Manager Anton Menth (links) und Ulrich Gygi an einer Pressekonferenz 2003 in Bern.

Buchhaltungstricks könnten schon 1998 begonnen haben: Bund verlangt Auskunft.

Hat Postauto möglicherweise noch mehr unrechtmässige Subventionen erschummelt als die bereits bekannten 130 Millionen Franken? Und haben die Tricksereien schon vor dem bisher genannten Jahr 2007 begonnen? Diesen Fragen geht der Bund jetzt offiziell nach. Damit rücken auch die früheren Post-Spitzenvertreter Ulrich Gygi (CEO von 2000 bis 2009) und Anton Menth (Präsident von 2002 bis 2009) ins Rampenlicht.

Laut Radio SRF hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) bei der Post entsprechende Dokumente angefordert. Der gelbe Riese muss demnach auch für die Zeit vor 2007 Auskunft geben über den Umgang mit öffentlichen Subventionen. Zwischen 1998 und 2007 soll Postauto laut SRF-Informationen rund 50 Millionen Franken erschummelt haben.

Schwaller muss liefern

Man habe dem Verwaltungsratspräsidenten der Post diese Woche einen Brief zukommen lassen, in dem verlangt werde, dem Bund Unterlagen über die Praxis vor 2007 zuzustellen, sagte BAV-Sprecherin Olivia Ebinger. Es gebe verschiedene Hinweise darauf, dass es sich lohne, auch die Zeit vor 2007 anzuschauen.

Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller hatte Mitte Juni erklärt, die Schummeleien bei Postauto hätten wahrscheinlich Ende der 1990er-Jahre bereits begonnen. Auch im Untersuchungsbericht, den die Post in Auftrag gegeben hat, ist die Rede von möglichen Buchhaltungstricks ab 1998. Dem Radiobericht zufolge soll die Post die Dokumente bis Anfang Herbst herausgeben. Die Post habe volle Transparenz versprochen, hiess es.

Im Februar hatte das Bundesamt bekannt gegeben, dass die Postauto AG ab 2007 durch gesetzwidrige Umbuchungen systematisch Gewinne im Regionalen Personenverkehr erschwindelt hatte. Bis mindestens 2015 erschlich das Unternehmen dadurch Subventionen in Höhe von rund 100 Millionen Franken. Der Skandal führte zu mehreren Untersuchungen und einem Köpferollen bei der Post. Betroffen sind unter anderem Post-Chefin Susanne Ruoff, Post-Vizepräsident Adriano Vassalli und mehrere Manager bei Postauto. 

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