"In den vergangenen Jahren nahm die Briefmenge jeweils um die zwei Prozent ab", sagte Ruoff in einem Interview mit der Zeitung "Schweiz am Sonntag". Die Rechnung sei einfach. Ein Prozent weniger Briefe bedeute Gewinneinbusse von 10 Millionen Franken.

Um Kosten zu sparen reiche es nicht mehr, allein die Abläufe zu automatisieren. "Wir müssen auch prüfen: Zu welchen Dienstleistungen sind wir gesetzlich verpflichtet, und was machen wir freiwillig darüber hinaus?", sagte Ruoff.

Zu den freiwilligen Leistungen zählten etwa die Samstagszustellung. "Gesetzlich wäre es zum Beispiel nicht nötig, die Briefe an sechs Tagen zuzustellen, sondern nur an fünf." Weiter gebe es keinen fixen Zustellungszeitpunkt, wie ihn die Post heute laut internem Richtwert bis 12.30 Uhr kennt. Auch zu den Mehrkosten durch die Presseförderung wäre die Post nicht verpflichtet.

All diese Themen würden im Management diskutiert, Entscheide seien keine gefallen. Nicht ernsthaft verfolgt werde bei der Schweizer Post indes die Paketbeförderung per Drohne, auch wenn es diesbezüglich tatsächlich einen Test gegeben habe.

Grosses Potenzial sieht die Post-Chefin dafür im Dokumentenmanagement: "Wir betreiben für Firmen die Schnittstelle zwischen physischen und digitalen Dokumenten." Im Bereich der elektronischen Patientendossier etwa könnte die Post ihren Vertrauensbonus in die Waagschale werfen. Und wachsen sieht Ruoff zudem das Direct Marketing, weil die Menschen weiterhin Werbung auf Papier wollten.