Wirtschaft

Polymechaniker stark gefährdet, Praxisassistenten weniger: Welche Jobs besonders von der Automatisierung bedroht sind – und welche nicht

Polymechaniker wechseln nach dem Lehrabschluss häufig ihren Beruf.

Polymechaniker wechseln nach dem Lehrabschluss häufig ihren Beruf.

Ist ihre Tätigkeit besonders von der Automatisierung bedroht, wechseln Arbeitnehmer eher den Beruf. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie.

Angesichts der Warnrufe, die im Zusammenhang mit der fortschreitenden Automatisierung der Arbeitswelt immer wieder zu hören sind, dürften sich nicht wenige schon mal im Stillen gefragt haben: Gibt es meinen Job in zehn Jahren eigentlich noch? Und: Was bedeutet die zunehmende Verschmelzung von Robotik und maschinellem Lernen für den Schweizer Arbeitsmarkt und das hiesige Bildungssystem? Erfüllt dieses angesichts der tiefgreifenden Veränderungen noch seinen Zweck?

Diesen Fragen sind jüngst auch Forschende der ETH Zürich und der Universität Bern in einer Studie zur beruflichen Mobilität von jungen Erwachsenen nachgegangen (siehe Box unten). Ihre Schlussfolgerung lautet: «Je mehr automatisierbare Tätigkeiten ein bestimmter Beruf aufweist, desto weniger Personen arbeiten zehn Jahre nach dem Lehrabschluss noch in diesem Beruf», fasst es Guri Medici von der ETH Zürich zusammen.

Kernanforderungen eines Berufs sind entscheidend

Im Gegensatz zu vielen anderen Untersuchungen, die sich in Bezug auf die Automatisierung eher auf allgemeine Aussagen beschränken, haben die Forscher für die vorliegende Untersuchung konkrete Automatisierungspotenziale für ausgewählte Lehrberufe errechnet. Diese sollen Aufschluss darüber geben, wie stark ein Beruf durch Automatisierung bedroht ist beziehungsweise wie viele der Kernanforderungen heute durch eine Maschine oder einen Computer ersetzt werden könnten.

Die Ergebnisse zeigen, dass es grosse Unterschiede zwischen den Berufen gibt. So sind beispielsweise Polymechaniker und Mediamatiker deutlich stärker von der Automatisierung gefährdet als die untersuchten medizinischen Berufe. Dabei wird das Automatisierungspotenzial als hoch eingestuft, wenn mindestens 70 Prozent der Tätigkeiten bereits heute automatisiert werden könnten. Umgekehrt wird ein Beruf als weniger bedroht eingeschätzt, wenn maximal 30 Prozent der Tätigkeiten ersetzbar sind. Interessant ist dabei, dass die Berufe mit einem hohen Automatisierungspotenzial auch diejenigen sind, die eine hohe berufliche Mobilität verzeichnen. Das heisst, dass junge Arbeitnehmer ihren Lehrberuf häufiger verlassen, wenn in diesem potenziell viele Tätigkeiten durch technologische Entwicklungen ersetzt werden können.

«Es wird weniger klassisch-lineare Karriereverläufe geben»

Was bedeutet das nun für den hiesigen Arbeitsmarkt? In der Schweiz haben im vergangenen Jahr laut dem Bundesamt für Statistik 5205 Jugendliche eine Lehre zum Polymechaniker gemacht; in der Zentralschweiz waren es 553. Zum Mediamatiker oder Interactive Media Designer liessen sich landesweit 2229 Jugendliche ausbilden; in der Zentralschweiz 150. Gemäss der Analyse der Forscher handelt es sich dabei um Tätigkeiten, die sowohl die höchsten Automatisierungspotenziale sowie die grösste berufliche Mobilität aufweisen. Müssen sich nun all diejenigen, die in diesen Berufen aktuell eine Lehre machen, Sorgen um ihre Zukunft machen? Nicht unbedingt, sagt Medici:

Die theoretisch mögliche Automatisierung sei nur einer von vielen möglichen Treibern der beruflichen Mobilität. «Auch andere Faktoren wie die Arbeitsbedingungen spielen eine zentrale Rolle.» Ohnehin sei eine hohe Mobilität nur dann problematisch, wenn nicht mehr genügend ausgebildete Personen auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind. In Zukunft werde es allerdings vermutlich weniger klassisch-lineare Karriereverläufe geben. Dem werde sich das Bildungssystem anpassen müssen.

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