Es ist erstaunlich: Die Winterthurer Firma AB Brandschutz AG schafft es immer wieder, deutlich günstiger zu offerieren als die gesamte Konkurrenz. Beim 4,4-Millionen-Auftrag der SBB für Brandschutzarbeiten im künftigen unterirdischen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse in Zürich war das Angebot der AB Brandschutz AG 300 000 Franken günstiger als die zweittiefste Offerte.

Auch als das Hochbauamt Basel-Stadt im Sommer 2012 für das Projekt Dreispitz der Fachhochschule Nordwestschweiz eine offene Ausschreibung für Brandschutz-Arbeiten durchführte, waren die Winterthurer preislich unschlagbar. Sie erhielten auch den Zuschlag – zogen ihr Angebot dann aber zurück. Was war passiert?

Die AB Brandschutz AG begründet den Rückzug mit «fehlender Vertrauensbasis» und einem «schlechten Bauchgefühl». Es seien im Hintergrund «gewisse Sachen» gelaufen, die eine Zusammenarbeit aus ihrer Sicht verunmöglicht hätten, sagt Hans Peter Giger, stellvertretender Geschäftsführer der AB Brandschutz AG. Genauer auf die «gewissen Sachen» eingehen will er nicht. Aus anderen Quellen ist zu vernehmen, dass die Vergabebehörde die Technik, Materialwahl und Kalkulation des Unternehmens genauer unter die Lupe nehmen wollte. Das solle den Verantwortlichen der AB Brandschutz AG nicht gepasst haben. Das Hochbauamt äussert sich nicht zur Vergabe. Bekannt ist aber, dass der Auftrag schliesslich an ein Unternehmen ging, dessen Angebot 200 000 Franken teurer war.

Firmen warnten SBB

Die SBB rückten der AB Brandschutz AG offensichtlich nicht so auf die Pelle – und dies, obwohl sie kurz nach der Auftragsvergabe von anderen Unternehmen darauf aufmerksam gemacht wurden, dass die AB Brandschutz AG über kein eigenes Personal verfüge und «Unterakkordanten, Scheinselbstständige und Temporäre» beschäftige (siehe Protokollauszug oben). SBB-Sprecherin Lea Meyer begründet gegenüber der «Nordwestschweiz»: «Die Vorwürfe der beiden im Vergabeentscheid unterlegenen Firmen wurden eingehend geprüft und konnten widerlegt werden.»

Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Prüfung der SBB nicht viel wert war: Letzte Woche machte die Gewerkschaft Unia auf der SBB-Grossbaustelle unter dem Zürcher Hauptbahnhof Fälle von Lohndumping publik. Ausgangspunkt: die AB Brandschutz AG. Das Unternehmen hat mittlerweile zwar 700 000 Franken ausstehende Lohnzahlungen auf ein Sperrkonto überwiesen. Den schlechten Ruf ist das Unternehmen damit aber nicht los.

Konkurrenten sprechen vom «schwarzen Schaf» der Branche. Während sich praktisch alle Unternehmen von Isolsuisse, dem Verband Schweizerischer Isolierfirmen, zertifizieren lassen, setzt die AB Brandschutz AG auf ein deutsches Gütesiegel. Die Zürcher Generalunternehmung Halter arbeitet seit zweieinhalb Jahren nicht mehr mit der AB Brandschutz AG zusammen, weil sie von deren Qualität nicht überzeugt sei. Noch schwerwiegender sind die Vorwürfe von ehemaligen Weggefährten. Ganz üble Erfahrungen machte Roger Steiger, Geschäftsführer der 3A Bau- und Brandschutz Montagen GmbH mit Sitz in Brüttisellen. Er sei mit seiner früheren Firma in Konkurs gegangen, weil ihn die AB Brandschutz AG für seine geleistete Arbeit nicht voll ausbezahlt habe.

AB Brandschutz verteidigt sich

Die AB Brandschutz AG weist die Vorwürfe zurück. «Das sind haltlose Anschuldigungen von Konkurrenzunternehmen», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Giger. Die AB Brandschutz AG offeriere marktübliche Schweizer Preise. Die SBB betonen, dass mit dem Entscheid alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten worden seien und dass keines der unterlegenen Unternehmen offiziell gegen den Vergabeentscheid rekurriert habe. Die Frage, ob es die SBB angesichts all dieser Vorwürfe für vertretbar hielten, weiterhin mit der AB Brandschutz AG zusammenzuarbeiten, und welche Lehren aus dem Fall gezogen würden, liess das Unternehmen unbeantwortet.