Elektroauto

Polestar: Der «europäische Tesla» eröffnet Showrooms in Schweizer Städten

Das Modell Polestar 2 wird ab November in die Schweiz geliefert.

Das Modell Polestar 2 wird ab November in die Schweiz geliefert.

Ab Herbst verkauft das Joint Venture von Volvo Cars und des Geely-Konzerns seine Elektroautos in der Schweiz. Die Software kommt von einem Technologieriesen.

Vom «europäischem Tesla», einer «veganen E-Limousine» oder einem «Elektro-Nobelhobel» schreiben Autojournalisten, wenn sie über Polestar berichten. Das Joint Venture von Volvo und dem chinesischen Automobilhersteller Geely liefert ab August in sechs europäischen Ländern sein neuestes Elektro-Auto Polestar 2 aus. Ab Mitte November werden die Autos auch in die Schweiz geliefert.

Vor kurzem wurde die Schweizer Niederlassung offiziell gegründet. Ihre Büros befinden sich in einem schmucklosen Gebäude am Rand von Zürich. Doch Länderchef Sascha Heiniger hat grosse Pläne. Der frühere Volvo-Manager will noch dieses Jahr 200 Fahrzeuge der Modelle Polestar 2 und des Vorgängers Polestar 1 an Schweizer Kunden ausliefern. Im nächsten Jahr sollen es 1200 sein – mindestens. «Ich denke, im Schweizer Markt ist auch mehr möglich», sagt Heiniger. Zum Vergleich: Volvo hat im letzten Jahr knapp 9000 Fahrzeuge in der Schweiz verkauft.

«Polestar-Spaces» in Zürich und Genf

Besitzer der neuen Elektroautos sollen ihre Autos für Service- oder Garantiearbeiten in alle Schweizer Volvo-Garagen bringen können. Deren Mitarbeiter würden entsprechend geschult, sagt Heiniger. Polestar will aber unter dem eigenen Markennamen auftreten. «Wir werden im Frühling 2021 in Zürich und Genf sogenannte Polestar-Spaces eröffnen», sagt Heiniger. Diese Showrooms sollen an hoch frequentierten Innenstadt-Lagen mit viel Passanten liegen. Interessierte können die Autos dort anschauen oder Testfahrten buchen. Finanziert und betrieben werden die Polestar-Spaces von lokalen Volvo-Niederlassungen.

Die Schweden steigen in einen Markt ein, der zuletzt deutlich an Fahrt aufnahm. Dominiert wird er vom US-Konzern Tesla des Unternehmers Elon Musk. Allein in Zürich wurden letztes Jahr über 1000 Tesla-Modelle neu zugelassen, das Model 3 war das meistverkaufte Auto im Kanton. In der Schweiz stieg die Zahl der voll elektrischen Autos um 158 Prozent.

Fast keine Förderung in der Schweiz

Im Vergleich zum Elektro-Pionierland Norwegen steht die Schweiz aber noch am Anfang. Dort waren 2019 mit 56 Prozent genau zehnmal so viele der neu zugelassenen Autos «Steckerautos» wie hierzulande, also voll elektrisch betriebene Fahrzeuge oder aufladbare Hybrid-Autos. In Norwegen wird die umweltschonende Mobilität allerdings stark gefördert. Nicht nur fallen auf Elektroautos Abgaben weg, die bei Benzin- und Dieselautos bis zu 11'000 Franken betragen können. Besitzer von Elektroautos werden auch von den Fahrzeug- und Mehrwertsteuern befreit.

In der Schweiz hingegen beschränkt sich die Förderung darauf, dass den Händlern die Automobilsteuer erlassen wird. Viele Kantone verrechnen zudem keine oder eine reduzierte Motorfahrzeugsteuer für effiziente Autos. Der Kanton Tessin schüttet eine Kaufprämie von 2000 Franken pro Elektroauto aus, im Thurgau sind es 4000 Franken. Das hat den Kanton 2019 prompt an die Spitze der Rangliste bei den Neuzulassungen katapultiert.

10'000 Franken Rabatt in Deutschland

Ein Förderprogramm, wie es in Folge der Coronakrise in Deutschland aufgelegt wurde, gibt es aber nicht. Dort können Käufer dank Innovationszulage, Elektroprämie und gesenkter Mehrwertsteuer etwa 10’000 Franken abziehen, wenn sie einen Polestar 2 kaufen, berechnet der «Tagesspiegel».

Sascha Heiniger von Polestar Schweiz sagt, er bedauere, dass hierzulande ein solches Programm fehle. «Ich glaube, dass positive Anreize viel bewirken können. In der Schweiz gibt es diese Kultur aber nicht.» Dass Tesla trotzdem so viele Autos verkaufe, zeige, dass Schweizer Käufer trotzdem bereit seien, in Elektromobilität zu investieren.

Ablieferung in Zürich und Genf

Günstig ist diese nicht zu haben. Den Polestar 2, eine fünftürige Limousine mit einer Reichweite von bis zu 470 Kilometern, gibt es ab 57'900 Franken. Das Tesla Model 3 mit einer Reichweite von 560 Kilometern kostet ab 54'990 Franken.

Dass solche Preise bezahlt werden, liegt an der Schweizer Kaufkraft – und an Teslas bisherigem Erfolg. «Tesla hat den Markt vorbereitet und attraktiv gemacht», sagt Sascha Heiniger. «Das ist für alle anderen Elektroautos positiv.» Die Einflüsse des US-Pioniers sind bei Polestar unübersehbar: Der Verkauf wird online abgewickelt und die Autos werden in sogenannten «Hand-Over-Zentren» den Kunden übergeben. Solche Übergabefilialen will Polestar in den Regionen Zürich und Genf betreiben – gleich wie Tesla, das seine Autos in Höri ZH und Meyrin GE abliefert. Einen dritten Ablieferstandort prüft Polestar für die Region Bern.

Andere Wege geht der schwedisch-chinesische Autobauer allerdings bei der Innenausstattung. Statt ein eigenes Betriebssystem zu programmieren, wie es Tesla getan hat und wie es auch deutsche Autobauer wie VW für ihre neuen Elektroautos vorhaben, setzt Polestar auf Google. Sowohl die Navigation als auch der Sprachassistent kommen vom US-Technologieriesen. «Die können das am besten», sagt Heiniger.

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