Pierin Vincenz
Grosses Interesse: Der Wirtschaftsprozess der Superlative am Dienstag ist «ausverkauft»

Der Prozess gegen den Ex-Raiffeisen-Chef findet ab Dienstag im vollen Zürcher Volkshaus statt. Vincenz und seinem Mitstreiter Beat Stocker werden unter anderem Betrug, Veruntreuung und Urkundenfälschung vorgeworfen. Fünf weitere Angeklagte müssen sich wegen «Gehilfenschaft» verantworten.

Florence Vuichard
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Ab Dienstag steht er in Zürich vor Gericht: Der frühere Raiffeisen-Lenker Pierin Vincenz.

Ab Dienstag steht er in Zürich vor Gericht: Der frühere Raiffeisen-Lenker Pierin Vincenz.

Sandra Ardizzone / SON

Am nächsten Dienstag um 7.50 Uhr werden die Türen des Zürcher Volkshauses geöffnet, um 8.15 Uhr soll es dann losgehen mit dem sogenannten Vincenz-Prozess. Das Interesse ist gross, die wegen der Corona-Restriktionen auf 100 limitierten Plätze fürs Publikum sind bereits «ausverkauft». Allein 60 davon sind für Medienschaffende reserviert, der Rest geht an jene, die im Vorfeld ihr Interesse früh genug angemeldet haben.

Der Mitangeklagte: Beat Stocker.

Der Mitangeklagte: Beat Stocker.

Linkedin / Aargauer Zeitung

Vincenz und seinem Mitstreiter Beat Stocker werden mehrere Straftatbestände vorgeworfen, unter anderem Betrug, Veruntreuung und Urkundenfälschung. Es geht um äusserst intransparent abgewickelte Firmendeals – und um einen Berg von Spesen.

Insgesamt stehen 7 Personen vor Gericht

Nebst Vincenz und Stocker müssen sich fünf weitere Angeklagte wegen «Gehilfenschaft» vor Gericht verantworten. Sie versuchen nun mit Schützenhilfe ihrer Anwälte, ihre Namen aus der Presse rauszuhalten, obwohl sie früher, bevor sie in den Vincenz-Prozess hineingezogen wurden, nicht so medienscheu waren.

Herr der Anklage ist der Zürcher Staatsanwalt Marc Jean-Richard-dit-Bressel, an Vincenz’ Seite steht Lorenz Erni, für viele der erfolgreichste Strafverteidiger der Schweiz, für die «Bilanz» schlicht der «Schrecken der Anklage». Jedenfalls war Erni bei nicht wenigen Wirtschaftsstrafprozessen mit dabei: So erlangte er beispielsweise Freisprüche für Financier Martin Ebner, den Ex-Konzernchef Philippe Bruggisser im legendären Swissair-Prozess in Bülach ZH oder für den Ex-Banker Oskar Holenweger, welcher von der Bundesanwaltschaft der Geldwäscherei beschuldigt worden war. Auch der in Zürich in Gewahrsam genommene Filmregisseur Roman Polanski sowie Ex-Fifa-Lenker Sepp Blatter setzten mit Erfolg auf Lorenz Erni.

Der Strafverteidiger: Lorenz Erni.

Der Strafverteidiger: Lorenz Erni.

Doch der gefürchtete Strafverteidiger kann nicht für all seine Klienten Freisprüche erwirken: So wurde beispielsweise der frühere Swiss-Life-Finanzchef Dominique Morax, einer der Köpfe hinter dem firmeninternen Beteiligungsvehikel Long-Term Strategy, zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 22 Monaten sowie einer Geldbusse von 1,07 Millionen Franken verurteilt.

Beim mittlerweile verstorbenen Rolf Erb belief sich die Haftstrafe gar auf sieben Jahre. Und auch der Vize der Krankenkasse KPT, Bernhard Liechti, musste ins Gefängnis: Er wurde trotz Ernis Hilfe zu einem Freiheitsentzug von drei Jahren verurteilt, davon sechs Monate unbedingt.

Wegen langen Plädoyers muss der Prozess verlängert werden

Ursprünglich sollte der Strafprozess vier Tage dauern, von Dienstag bis Freitag. Nun wurde bereits ein Reservetag im Februar blockiert, die Suche nach einem zweiten Reservetag läuft noch, wie es beim Bezirksgericht Zürich heisst. Die Verlängerung wird nötig, weil Staatsanwaltschaft und Verteidiger gemäss dem Portal «Inside Paradeplatz» Redezeiten von insgesamt 39 Stunden eingegeben haben.

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