Eigentlich hätte Santhera-Chef Thomas Meier gestern in Zürich gerne mit News aufgetrumpft. Doch die Medikamenten-Zulassungsbehörde der EU lässt sich offenbar Zeit. «Wir warten zuversichtlich jeden Tag auf die EU-Zulassung unseres ersten Produkts», sagt Meier. Die Zuversicht kommt nicht von ungefàhr: Der EU-Ausschuss für Humanmedizin hat für das Santhera-Präparat namens Roxane bereits eine positive Empfehlung abgegeben. Dieser Ausschuss ist eine Vorinstanz der EU-Zulassungsbehörde.

Aktienplus von 1000 Prozent

Für die Firma, die heute in Liestal 31 Beschäftigte hat und derzeit ihren Aussendienst mit 20 Stellen aufbaut, bedeutet die Bewilligung enorm viel, nämlich den europaweiten Verkauf ihres ersten Medikaments. Noch vor fünf Jahren war der Zustand der Firma kritisch, weil sich der Erfolg nicht eingestellt hatte. Im vergangenen Jahr wurde die Firma zum Börsenliebling. Mit einem Aktien-Plus von 1000 Prozent.

Zugelassen wird das Santhera-Präparat zunächst für eine nervlich bedingte, rasch fortschreitende Erblindung (Leber Hereditäre Optikus Neuropathie, LHON). «Wir haben alle Rechte an dem Wirkstoff, wir werden ihn auch nicht auslizenzieren», sagte Meier. Auch der Vertrieb bleibt unter Santhera-Kontrolle. Der Vertrieb gestalte sich relativ einfach, weil die Anzahl Spezialkliniken und -ärzte überschaubar sei. Diese wüssten, dass dieses Medikament auf den Markt komme. Weltweit gibt es rund 200 000 Patienten mit LHON. Im vierten Quartal 2015 gibt es die ersten Umsätze, 2016 soll Europa vollständig beliefert werden. Der Wirkstoff wird in Italien hergestellt, die Tablettierung und die Verpackung findet in der Schweiz statt.

In den USA ist der Wirkstoff für eine weitere seltene neuronale Krankheit, dem Duchenne-Muskelschwund (Duchenne-Muskeldystrophie, DMD), in der klinischen Testphase. Diese fürchterliche Krankheit betrifft fast nur Knaben; sie beginnt mit zirka fünf Jahren scheinbar harmlos mit Gehproblemen und endet mit Tod durch Ersticken, wenn nicht künstlich beatmet wird.

LHON und DMD haben den Status eines Medikaments für seltene Krankheiten («Orphan Drug») und geniessen einen Patentschutz von 10 (EU) oder 8 (USA) Jahren. LHON werde hochpreisig sein, soll aber für ganz Europa bezahlbar sein und nicht nur für superreiche Länder. «Mit Sicherheit keine 500 000 Franken. Das kann man nicht machen», sagte Meier. Er ist zuversichtlich, dass Santhera mit dem Potenzial dieser Medikamente relativ rasch in die Gewinnzone kommt.

Bei der letzten Kapitalerhöhung hatte Santhera in nur drei Tagen 28 Millionen aufgenommen. Der Ausbau des Vertriebes in den USA werde möglicherweise eine weitere Kapitalbeschaffung nötig machen.