Tessin

«Pharaonische Dimensionen»: Geplantes Luxusresort am Monte Brè gerät unter Beschuss

Neben einem Hotel sollen auch Appartements auf dem Monte Brè entstehen.

Neben einem Hotel sollen auch Appartements auf dem Monte Brè entstehen.

Ein Innerschweizer Immobilienentwickler will in Monte Brè oberhalb von Locarno eine Hotelanlage bauen. Obwohl die Pläne nur von im Internet publizierten Broschüren bekannt waren, hat sich Widerstand formiert.

Der Monte Brè ist eine Sonnenterrasse oberhalb von Locarno. Auf 1000 Meter über Meer wohnen hier nur wenige Familien das ganze Jahr über. Viele Einheimische aus der Gegend besitzen auf dem Maiensäss aber ein Rustico oder Ferienhäuschen. Die Lage hoch über Locarno ist atemberaubend, der Blick reicht über den Lago Maggiore und die Brissago-Inseln bis weit nach Italien.

Wenn es nach den Plänen der Firma Augur Invest geht, soll die privilegierte Lage des Monte Brè bald auch von Hunderten von Auswärtigen genossen werden. Unter dem Namen «The Lago Maggiore Retreat: Hotel-Spa & Residences» promotet die Gesellschaft mit Sitz in Pfäffikon SZ ein ambitiöses Beteiligungsprojekt.

Zuletzt stellte sie ihre Pläne potenziellen Investoren in Cannes und im Dolder Grand Hotel in Zürich vor. Kern ist die Erneuerung des seit Jahren leerstehenden Ex-Hotels Monte Brè sowie die Bebauung der darunter liegenden Grundstücke zu einem Aparthotel. Die Liegenschaften wurden bereits erworben. Mitglied im Verwaltungsrat der Augur Invest ist Oliver Wolfensberger, der auf die Entwicklung von Luxusimmobilien spezialisiert ist und etwa das Appartementhaus Schneefalke im Resort von Samih Sawiris in Andermatt gemanagt hat.

Bewohner wollen Berg retten

Das Projekt sorgt in der Region Locarno bereits seit einiger Zeit für Diskussionsstoff. Obwohl die Pläne nur von im Internet publizierten Broschüren bekannt waren, hat sich Widerstand formiert. «Ein pharaonisches Spekulationsprojekt, das gestoppt werden muss», sagt Marco Ricca, Präsident einer Bürgergruppe namens «Rettet Monte Brè».

Der Programmierer ist vor einigen Jahren mit der Familie von Genf an diesen idyllischen Ort gezogen, um sich der Konsumwelt zu entziehen. Nun befürchtet er, vom Jetset eingeholt zu werden. Zudem drohten jahrelanger Bauverkehr auf der schmalen, fünf Kilometer langen Bergstrasse sowie unzählige Helikopterflüge. Seine Gruppe ist äusserst aktiv. Ihre Plakate sind mittlerweile in Locarno omnipräsent.

Die Augur Invest hielt sich lange bedeckt und hat erst vor kurzem erstmals eine Medienmitteilung versandt. Auffällig: Im Vergleich zum bisherigen Projekt wurden die Pläne für das Resort deutlich redimensioniert. Statt eines Luxusresorts für Superreiche ist nun von einem «nachhaltigen Wohlfühlzentrum mit Spa» in familiärem Stil die Rede.

Das heisst: Das neue Hotel soll 24 Zimmer haben. Dazu kommt eine bisher nicht präzisierte Anzahl von Appartements, die vom Hotelservice Gebrauch machen können. Der «Respekt für die Umwelt» und der «nachhaltige Ansatz» werden mehrmals betont. Der Spa-Bereich soll neben Hotelgästen auch externen Besuchern zugänglich gemacht werden. Die Gesamtfläche des Resorts wird auf 15 Hektaren veranschlagt, das ist nur noch ein Drittel der ursprünglichen Fläche.

Die Investoren wollen der Destination Locarno mit ihrem Projekt neuen Schub verleihen. Es sollen – soweit möglich – ausschliesslich einheimische Arbeitskräfte beschäftigt werden. Bei der Erreichbarkeit des Monte Brè – «einem idealen Ferienort mit reiner Luft und 300 Tagen Sonne im Jahr» wird allerdings geschönt: Die Distanz zu Mailand wird auf 1,5 Stunden, zu Zürich auf 2,5 Stunden beziffert. Tatsächlich dauert die Fahrt nach Mailand knapp drei Stunden.

Überraschend ist auch folgende Aussage: «Wir schätzen die Unterstützung der lokalen Bevölkerung», wird Marc Sontag, Chef der Augur Invest, in der Mitteilung zitiert. Die erwähnte Bürgergruppe organisierte sogar ein Sit-in gegen das Projekt. «Es gibt eine schweigende Mehrheit, welche unser Projekt unterstützt», kontert Cosimo Violati von der Augur Invest.

Initiative gegen Mega-Projekte

Ein Baugesuch wurde bisher nicht eingereicht. Doch dies soll in Kürze geschehen. Die Augur Invest hat erste Entwürfe des Resorts publiziert, welche das Hotel und die Appartements «Urban Garden» zeigen. Für die Ausarbeitung dieser Entwürfe zeichnen die Architekturstudios Aldo Cacchioli in Locarno sowie Oppenheim in Basel verantwortlich.

Der Stadtrat wird sich erst nach dem Einreichen des Baugesuchs offiziell mit dem Vorhaben befassen. Prinzipiell zeigte sich die Stadtregierung aufgeschlossen, im Bergweiler Monte Brè ein touristisches Projekt zu lancieren, wenn es sich harmonisch in die Umgebung einfügt. Die lokale FDP lancierte einen Appell, gegenüber neuen Projekten aufgeschlossen zu sein.

Allerdings muss sich die Exekutive nun zuerst mit einer kommunalen Volksinitiative befassen. Diese fordert, den Zonenplan so anzupassen, dass im Gebiet Brè-Cardada keine Mega-Projekte möglich sind. Kürzlich überreichten die Promotoren die nötigen 1850 Unterschriften.

Stadtpräsident Alain Scherrer dankte den Promotoren bei der Unterschriftenübergabe für ihren Einsatz: «Uns allen liegt diese Gegend am Herzen». Man werde nun einen Experten beauftragen, die Situation unter planerischen Gesichtspunkten zu analysieren. Sollte der Gemeinderat einer Zonenplanänderung zustimmen, wäre eine zügige Umsetzung des Monte- Brè-Resorts wohl kaum möglich.

Derweil kursieren widersprüchliche Informationen über das Projekt. So berichtete etwa die Tageszeitung «La Regione», für die Führung des Hotels sei die Kette «Six senses» vorgesehen. Violati widerspricht: «Ein Betreiber muss noch gefunden werden.» Hingegen bestätigt Violati, dass eine zentrale Figur des Projekts, Peter zu Sayn-Wittgenstein, nach wie vor als Berater mit von der Partie ist.

Der Deutsche ist unter dem Namen Peter Ferreira Co-Autor des Buches «Wasser und Salz», in dem die Heilkräfte von Himalajasalz gepriesen werden. Sein bürgerlicher Name ist Peter Druf – sein Ruf oszilliert zwischen «Genie» und «Scharlatan». In Brè trat er als Vermittler beim Verkauf von Liegenschaften auf. Wegen seines adeligen Namens wird er «Il Principe» genannt. Doch seit einiger Zeit hat den Prinzen niemand mehr ob Locarno gesichtet.

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