Pfister am Durchstarten

Möbel Pfister hat im ersten Halbjahr 2010 wieder Tritt gefasst und mehr verkauft. Mit aggressiverem Marketing, neuen Produkten und dem Internet will Pfister-Chef Meinrad Fleischmann neue Kunden gewinnen.

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Pfister am Durchstarten

Pfister am Durchstarten

Ruedi Mäder

«Wir stehen in den Startlöchern», umschreibt Meinrad Fleischmann die Ausgangslage bei Pfister, dessen Hausherr er seit gut drei Jahren ist. Letztes Jahr hatte es auch die Suhrer Firmengruppe erwischt: Der Umsatz sank um happige 7 Prozent auf 613 Millionen, während der Schweizer Einrichtungsmarkt um knapp 5 Prozent auf gut 4 Milliarden Franken schrumpfte, erstmals seit etlichen Jahren. Mittlerweile hat sich das Bild klar aufgehellt.

Pfister Arco erhöhte den Brutto-Lieferumsatz in den ersten sechs Monaten 2010 um 2,4 Prozent auf 305 Millionen Franken. «Solid, aber nichts Euphorisches», so lautet der Kommentar des Chefs. Die Entwicklung spiegle die allgemein anziehende Konjunktur, liege aber über den Erwartungen für das mittlere bis gehobene Möbelsegment.

Wieder «grössere Posten» gefragt

Vor allem die Tochterfirmen Svoboda, Egger, Mobitare und auch das Vorhanggeschäft hätten sich bisher «erfreulich» geschlagen. Eine Erkenntnis im Verkauf: Es werden wieder vermehrt «grössere Posten» angeschafft. Will heissen: Einkäufe, bei denen es in die Zehntausende von Franken gehen kann.

Fleischmann rechnet auch für das ganze 2010 mit einer Umsatzzunahme in der Grössenordnung von 2 Prozent. Für 2011 hingegen sei der Ehrgeiz grösser und man wolle wieder deutlich Marktanteile erobern. Der vor wenigen Tagen lancierte neue Jahreskatalog macht deutlich, wohin die Reise gehen soll: Die Auflage wurde auf 1,4 Millionen Exemplare verdoppelt.

Der Katalog rückt erstmals seit langem wieder Menschen in den Vordergrund, kommt frisch-frech daher – und ähnelt jenem von Umsatzleader Ikea doch recht stark. Dort, bei der schwedischen Kette, hat Pfister letztes Jahr den Marketingleiter abgeworben. Doch Fleischmann kontert, es gehe nicht um Pfister- oder Ikea-Marketing. Vielmehr gebe es «nur gutes oder schlechtes Marketing», überdies seien die Pfister-Stärken andere. Klar aber ist: Pfister will die Markensympathie verbessern.

Grossinvestition Atelier Pfister

Zu den jüngsten Grossinvestitionen von Pfister gehört die Design-Kollektion Atelier Pfister. Diese Linie umfasst über 120 Möbelstücke und Accessoires zu Preisen zwischen 50 und 7900 Franken. Entwickelt wurde die Kollektion von Schweizer Gestaltern unter Leitung des Designers Alfredo Häberli. Knapp 10 Millionen Franken dürfte Pfister hierfür investiert haben. Klar, «irgendwie» wolle man letztlich auch diese Kollektion rentabilisieren, räumt der Chef ein. Aber das Hauptziel liege darin, neue Kunden anzulocken, die ihr Vorurteil punkto Pfister korrigieren sollten.

Ernst macht Pfister auch mit dem E-Commerce-Kanal: Ab Ende August werden 7500 Artikel aus dem Basissortiment zusätzlich im Internet angeboten. Auch mit diesem Instrument will Pfister erstens Kundenfrequenzen schaffen und zweitens zusätzlichen Umsatz erzielen – und hat dabei schlicht den heutigen Konsumenten im Auge: Drei Viertel der Möbelkäuferinnen und -käufer informieren sich vor den Kauf im Internet. Auf lange Sicht schätzt Fleischmann das Potenzial auf 5 bis 10 Prozent des Gesamtumsatzes.

Mit 20 Häusern im Land ist Pfister weitgehend gebaut. Die auf absehbare Zeit einzige Eröffnung einer Filiale an einem neuen Standort betrifft Villeneuve VD, wo die Tore im März 2011 geöffnet werden sollen.

Fazit: Pfister hat im ersten Halbjahr 2010 wieder Tritt gefasst und mehr verkauft. Mit aggressiverem Marketing, neuen Produkten und einer Internetschiene will Unternehmensleiter Meinrad Fleischmann neue Kunden gewinnen.

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