Bienensterben

Pestizid-Verbot soll Bienen retten: Agromulti Syngenta wehrt sich

Um das Bienensterben aufzuhalten will die EU Pestizide verbieten, darunter auch Produkte des Schweizer Agrokonzerns Syngenta. Die Schweiz überlegt, sich dem Verbot anzuschliessen. Das Unternehmen warnt vor riesigen Stellen- und Ertragsausfällen.

Die EU-Kommission will drei Pestizide verbieten, die von der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA verdächtigt werden, für den Massentod von Bienen verantwortlich zu sein. Stimmen die Mitgliedstaaten Ende Februar dem Vorschlag zu, werden die Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam, das vom Schweizer Agrokonzern Syngenta produziert wird, ab Juli dieses Jahres verboten. Namentlich bei Raps, Mais und Sonnenblumen, die alle von Bienen bestäubt werden, soll der Einsatz von Pestiziden untersagt werden.

Die Schweiz prüft laut Auskunft des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), sich dem EU-Verbot anzuschliessen. Bisher hat der Bundesrat von Zulassungsbeschränkungen abgesehen, weil er den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Pestiziden und dem Massensterben der Bienen für nicht ausreichend erwiesen sah.

«Dramatische Konsequenzen»

Doch jetzt könnte sich diese Beurteilung ändern: «Für die Neonicotinoide läuft gegenwärtig eine Re-Evaluation. Dabei werden auch die Ergebnisse ausländischer Forschungsarbeiten berücksichtigt», sagt Jürg Jordi vom BLW. Wenn sich neue Risiken ergeben sollten, seien die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen. Darunter könnte auch ein Verbot fallen.

Um ein europaweites Verbot zu verhindern, hat Syngenta im Agrarstaat Frankreich eine massive Kampagne lanciert. Am Samstag erschien in der Zeitung «Le Monde» ein ganzseitiges Inserat, in dem Syngenta den Zusammenhang zwischen Pestiziden und dem Tod der Bienen bestreitet. Nebenbei verwies das Unternehmen auf die 1500 Arbeitsplätze, die es in Frankreich anbietet. Weltweit sind 26 000 Beschäftigte im Sold von Syngenta – knapp 3000 sind es in der Schweiz.

Exakte Zahlen zur Wertschöpfung einzelner Produkte gibt der Konzern nicht bekannt. Doch der Anteil der Pflanzenschutzmittel am Gesamtumsatz liegt laut NZZ bei rund 70 Prozent. Auf Anfrage der «Nordwestschweiz» wiegelt ein Syngenta-Sprecher ab: «Das von der EU-Kommission vorgeschlagene Verbot von Thiamethoxam würde Umsatzeinbussen von weit weniger als 1 Prozent des weltweiten Konzernumsatzes zur Folge haben.»

Dennoch hat Syngenta zusammen mit dem deutschen Konzern Bayer eine Studie in Auftrag gegeben, die vor dramatischen Auswirkungen eines Verbots von Pestiziden in Europa warnt. Demnach drohen Verluste von bis 17 Milliarden Euro über eine Periode von fünf Jahren und der Verlust von bis zu 50 000 Arbeitsstellen. Zudem könnten die Erträge bei wichtigen Nutzpflanzen wie Mais, Raps, Winterweizen, Gerste und Zuckerrübe um bis zu 40 Prozent tiefer ausfallen, was den Anbau mancher Nutzpflanzen gänzlich unwirtschaftlich machen könnte.

Grüne fordern sofortiges Verbot

Marianne Künzle von der Umweltorganisation Greenpeace hält diese Zahlen für unglaubwürdig. Die Studie sei von Syngenta finanziert worden. Schäden im Zusammenhang mit ausbleibender Bestäubung werden nicht erwähnt. Auch alternative Anbaumethoden aus der biologischen Landwirtschaft kommen nicht vor. Fakt sei, dass die europäischen Behörden zu ganz anderen Schlüssen kommen. «Wir hoffen, dass der Entscheid der EU in der Schweiz ein Umdenken bewirkt», sagt Künzle.

Mit Nachdruck fordert auch Nationalratspräsidentin Maya Graf (Grüne, BL) ein Verbot: Doch viele Landwirte wollten diese Pestizide weiter benützen, weil es einfach und wirkungsvoll sei. «Jahrzehnte wurden versäumt, um auf biologischer Basis Ersatz für Pflanzenschutzmittel zu erforschen oder neue Kulturmischformen zu testen», so Graf.

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