Technisch ist der Ablauf so: Die Pensionskassen senken den technischen Zinssatz für Neurentner, mit dem die Sparkapitalien der Ruheständler verzinst werden. Als Folge davon bröckeln die Umwandlungssätze – der Satz, der entscheidend ist, wie hoch die Kassenrente ausfällt. Konkret: Waren vor zwanzig Jahren jährlich 6800 Franken pro 100'000 Franken angespartes Vorsorgekapital die Regel, so sind es heute im Durchschnitt noch etwas mehr als 5700 Franken.

Seit 2010 sind gemäss Berechnungen der Swisscanto Vorsorge AG die Renten für Neupensionierte um 15 Prozent gesunken. Das geht aus der neusten Studie der Tochtergesellschaft der Zürcher Kantonalbank hervor. Ein Ende des Abwärtstrends ist nicht absehbar: «Die Pensionskassen werden ihre Umwandlungssätze in den nächsten Jahren weiter nach unten korrigieren. Unter anderem auch deshalb, weil die Kassen die Senkungen häufig über mehrere Jahre verteilen. Bis 2023 ist eine Senkung auf 5,45 Prozent zu erwarten», so Reto Siegrist, Geschäftsführer von Swisscanto. Lässt die Reform der zweiten Säule weiterhin auf sich warten, rechnet er bis in ein paar Jahrzehnten sogar mit einer Rentenhöhe, die fast 28 Prozent tiefer ausfällt als noch vor zehn Jahren.

Für die heutigen Rentner ändert sich dadurch nichts. Für sie gilt Besitzstandswahrung. Die Folge: Weil die Guthaben der Rentner höher verzinst werden als diejenigen der beruflich tätigen Versicherten, fliessen pro Jahr rund 7 Milliarden Franken der Rendite, die eigentlich den Aktiven zustehen würde, in die Rentenfinanzierung.

2018 gab es ein Minus

Erzielten die Pensionskassen dank dem Börsenboom vor zwei Jahren mit ihren Anlagen eine stattliche Durchschnittsrendite von 7,6 Prozent, so mussten sie im zurückliegenden Jahr wegen der Börsenbaisse zurückbuchstabieren. Die Minusrendite hinterliess Spuren bei der Kapitaldecke: Sie sank bei den privatrechtlichen Kassen auf 108,7 Prozent. Mit 100 Prozent sind die Vorsorgeeinrichtungen in der Lage, alle Verpflichtungen zu finanzieren. Was darüber liegt, gilt als Reserve für Wertschwankungen. Immerhin ist der Start ins neue Jahr geglückt, und ein schöner Teil des Minus von 2018 liess sich dank den wieder nach oben tendierenden Finanzmärkten wettmachen.