Die Schweizer Pensionskassen haben laut einer gestern publizierten Umfrage im letzten Jahr eine Anlagerendite von 1,13 Prozent erzielt. Die meisten Kassen verfügen über genügend Reserven, um auf kurzfristige Schwankungen zu reagieren. Das ist die gute Nachricht. Denn müssten sie heute den Rentnern alles ausbezahlen, wären sie grösstenteils in der Lage dazu.

Doch wie sich das System in der Zukunft entwickelt, das wird derzeit politisch heiss diskutiert. Das Schweizer Rentensystem befindet sich in Schieflage, weil die Schweizer immer länger leben. 1985, als das heutige Rentensystem mit den beiden obligatorischen und der freiwilligen dritten Säule aufgebaut wurde, lag die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern bei 80 Jahren, bei Frauen waren es 84 Jahre. Unterdessen hat die Lebenserwartung von Männern auf 84,5 Jahre, bei Frauen auf 87,4 Jahre zugenommen. Das heisst mit anderen Worten, dass Pensionskassen heute ihre Rentner viel länger finanzieren müssen.

Die Umverteilungsmaschine

Das Problem ist, dass der Geldtopf, den die heutigen Rentner in ihrer aktiven Zeit angespart haben, nicht grösser wurde. Die zusätzliche Finanzierung der immer länger lebenden Pensionäre geht also heute zulasten der Aktiven. Dies haben die Pensionskassenspezialisten von Swisscanto, der Fondsanbieter der Zürcher Kantonalbank (ZKB), ausgerechnet. Das Guthaben der Rentner wird mit 2,8 Prozent verzinst, das der Aktiven nur mit 2,03 Prozent. Im vergangenen Jahr kostete diese Umverteilung an die Rentner den berufstätigen Teil der Bevölkerung 2,6 Milliarden Franken. Dieser Effekt ist im Vergleich zur ersten Säule, der AHV, gesetzlich nicht gewollt.

Doch es geht noch weiter: Denn der sogenannte Umwandlungssatz, der zurzeit vorgeschrieben ist, benachteiligt auch die Aktiven. Er liegt im Schnitt bei Männern bei 6,13 Prozent, bei Frauen bei 6,06 Prozent. Weil die Bevölkerung im Schnitt immer älter wird, müsste der Umwandlungssatz laut Berechnungen von Swisscanto bei 5,52 Prozent liegen: Das Geld muss in weniger grosse Auszahlungsportionen bei der Pensionierung geteilt werden. Weil das nicht so ist, kostet das die Pensionskassen eine weitere Milliarde. «Dies kommt zu den 2,6 Milliarden Franken hinzu. Doch im Gegensatz dazu, kann der Umwandlungssatz angepasst werden», sagt Othmar Simeon, Leiter der Swisscanto-Vorsorge. Dieses Geld stammt vom Vermögen der aktiven Bevölkerung. Derzeit wird eine Anpassung unter anderem in diesem Punkt angestrebt.

Die Dramatik wird um einen weiteren Punkt verschärft: Die Pensionskassen haben zunehmend Mühe, ihre insgesamt 850 Milliarden Franken an Spargeldern ohne grosse Risiken einzugehen, anzulegen. Die Rendite für die risikolosen 10-jährigen Bundesobligationen waren im letzten Jahr bei Minus 0,04 Prozent. Im Gegensatz dazu lag die Zielrendite der Pensionskassen bei 3,4 Prozent. Dieser Anlagenotstand verstärkt die Schieflage des ganzen Systems, oder mit den Worten von Iwan Deplazes, Leiter Asset Management der ZKB: «Die Anlagen alleine können das strukturelle Ungleichgewicht im Vorsorgesystem nicht beheben.»

Negative Teuerung hilft Rentnern

Kommt ein letzter Punkt hinzu: Im vergangenen Jahr hatten wir eine negative Inflationsrate. Das heisst, real haben die Rentner also mehr in der Tasche gehabt. Auch dies benachteiligt tendenziell die aktive Bevölkerung. Weil man 1985 nicht daran gedacht hat, dass es eine negative Teuerung geben kann, werden die Renten jedoch nicht angepasst.

Die Swisscanto-Umfrage bei 467 Schweizer Pensionskassen ergab zudem, dass von den Negativzinsen, welche die Schweizerische Nationalbank (SNB) eingeführt hat, zwar die Hälfte der Pensionskassen betroffen ist. Die hochgerechnet 100 Millionen Franken, die bei allen Pensionskassen mit diesen Strafzinsen von Minus 0,75 Prozent belastet werden, sind mit 20 Prozent des Cash-Bestandes jedoch nicht so hoch, wie anfänglich befürchtet. Gleichwohl ist laut der Umfrage ein Prozent der Kassen schon heute dazu übergegangen, Bargeld im Safe zu bunkern.