Veröffentlichungen
#ParadisePapers sind das nächste grosse Offshore-Datenleak – auch Schweiz betroffen

Unter dem Hashtag #ParadisePapers wurden am Sonntag auf Twitter in verschiedenen Ländern Recherchen zu Offshore-Daten angekündigt. Auch in der Schweiz wird über heikle Geschäfte berichtet.

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Der Hafen von George Town, der Hauptstadt der Cayman Islands.

Der Hafen von George Town, der Hauptstadt der Cayman Islands.

HO

Das «International Consortium of Investigative Journalists» (ICIJ) veröffentlichte auf seinem Twitter-Kanal ein kurzes Video, indem Direktor Gerald Ryle ankündigte, das die Muster, welche man bereits bei den «Panama Papers» gesehen habe, sich in den neusten Enthüllungen wiederholen sollen: «Die Dokumente sprechen für sich selber», so Ryle.

Das ICIJ, ein internationales Netzwerk, in dem über 200 investigative Journalisten zusammengeschlossen sind, hat schon bei den Enthüllungen rund um die Panama Papers eine zentrale Rolle gespielt. Damals veröffentlichten internationale Medien Dokumente aus den Beständen der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama. Als Folge der teilweise illegalen Offshore-Konstrukte, welche mithilfe der Dokumente enthüllt wurden, traten unter anderem der isländische Premierminister zurück.

In der Schweiz werteten die Redaktionen von «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» die neuen Dokumente aus. Angeblich sollen darin unter anderem die Namen von SBB-Präsidentin Monika Ribar, von Glencore-CEO Ivan Glasenberg und des schweizerisch-angolanischen Geschäftsmannes Jean-Claude Bastos vorkommen. International bekannte Namen, welche in den Papers sind der US-Aussenminister Rex Tillerson, US-Handelsminister Wilbur Ross sowie Prince Charles und Queen Elizabeth II..

Der Investigativ-Chef der «Süddeutschen Zeitung», Bastian Obermayer, erklärt die Dimensionen der «Paradise Papers». Es handelt sich um über 13 Millionen Dokumente, welche über 380 Journalisten von 97 Medienorganisationen aus 67 Ländern während rund eines Jahres auswerteten.

Anwaltskanzlei aus der Karibik im Fokus

Wie die Westschweizer Zeitung «Le Temps» berichtet, soll es sich bei den #ParadisePapers um Dokumente aus Beständen der Anwaltskanzlei Appleby handeln. Appleby ist unter anderem auf den Karibikinseln Bermudas und Cayman Islands domiziliert und beschäftigt insgesamt 470 Mitarbeiter, darunter 200 Anwälte. Die Firma hatte bereits am 27. Oktober in einer Mitteilung geschrieben, dass sie Anfragen von Journalisten des ICIJ erhalten habe.

Ohne das Datenleck konkret zu bestätigen, kommt die Erklärung von Appleby alles andere als wie ein Dementi daher. Die Kanzel zeigt sich «enttäuscht, dass Medienschaffende Informationen publizierten könnten, die möglicherweise aus illegal beschafftem Material stammen und dazu führen könnten, dass sich unschuldige Parteien mit einem Verstoss gegen den Datenschutz konfrontiert sehen.»

Die Kanzlei betont, man habe die Anschuldigungen des ICIJ und seiner Partner überprüft und sei zum Schluss gekommen, dass diese Anschuldigungen auf einem mangelhaften Verständnis der legitimen und legalen Strukturen des Offshore-Banking-Sektors beruhten. Sollte es zu einer Untersuchung durch Strafverfolgungsbehörden kommen, werde man jederzeit vollständig mit diesen kooperieren. (cbe)