SBB-Milliardenauftrag

Pannenzug von Bombardier lässt Zulieferer fast entgleisen

Sorgt für viel Ärger: Bombardiers neuer Doppelstockzug

Sorgt für viel Ärger: Bombardiers neuer Doppelstockzug

Die 59 neuen Doppelstockzüge, welche die SBB bei Bombardier bestellt haben, lassen weiter auf sich warten. Dieser Umstand bringt insbesondere kleine Zulieferbetriebe in arge Bedrängnis, die diesen Auftrag fix einkalkuliert haben.

Bald vier Jahre ist es her, seit die SBB den grössten Rollmaterialauftrag ihrer Geschichte für 1,9 Milliarden Franken an Bombardier vergeben haben. Letzten April mussten die beiden Parteien dann verkünden, dass die 59 Doppelstockzüge zwei Jahre später ausrollen werden als geplant. Aktueller Auslieferungszeitpunkt ist Ende 2015.

Jetzt zweifeln Lieferanten und Brancheninsider auch diesen Termin an: «Die Züge kommen wohl eher drei als zwei Jahre zu spät», sagen mehrere voneinander unabhängige Quellen hinter vorgehaltener Hand. Bei Bombardier will man davon nichts wissen: «Das können wir nicht bestätigen», sagt Sprecher Andreas Bonifazi. Nach wie vor sei der Zeitplan so, wie man ihn zusammen mit den SBB kommuniziert habe.

Ob zwei oder drei Jahre: Unter der Verspätung besonders zu leiden haben kleine Zulieferbetriebe, welche die Auslastung und die Einnahmen durch diesen Auftrag fest einkalkuliert haben. Ein kleineres Schweizer Unternehmen, das nicht Bombardier direkt, sondern einen grösseren Lieferanten beliefert, ist durch die langjährige Verzögerung in arge finanzielle Nöte geraten: «Wir mussten neue Geldgeber suchen, weil wir produziert haben, dann aber nicht liefern konnten», sagt der Chef des Kleinbetriebs der «Nordwestschweiz».

Bombardier verschärft den Ton

Den eigenen Namen will das Unternehmen nicht in der Zeitung lesen. Dank neuer Investoren lebt die Firma nämlich weiter und ist in Zukunft auf weitere Aufträge angewiesen. Gegen den Kunden, der die bestellte Ware nicht wie vereinbart abgenommen hat, will die Firma ebenfalls nicht vorgehen: «Sie haben es auch nicht leicht und sitzen im gleichen Boot wie wir», so der Geschäftsführer.

Michaela Stöckli, Direktorin des Bahnindustrieverbands Swissrail, weiss von den Problemen der Zulieferer: «Vor allem für kleinere Lieferanten ist die Situation aufgrund der Verzögerungen prekär.» Sie könnten sich zudem kaum wehren und müssten sich in diplomatischer Zurückhaltung üben. «Schliesslich wollen sie bei künftigen Projekten wieder zum Zug kommen», so Stöckli.

Bombardier lässt ausrichten, dass man keine direkte Kenntnis habe von solchen Vorfällen bei Schweizer Lieferanten. «Würde ein solcher Lieferant an uns herantreten, würden wir sicher Gespräche führen und nach Lösungen suchen», so Sprecher Bonifazi.

Derweil sieht es so aus, als ob bei Bombardier die Nerven blank liegen. Dass sich das Unternehmen keine Fehler mehr erlauben darf, lässt sich aus einem Brief an die Lieferanten herauslesen, der im Januar verschickt wurde. Darin betont Bombardier die Wichtigkeit des SBB-Auftrags und kündigt Typentests ab Juli 2013 an.

Zudem droht das Unternehmen den Lieferanten mit Konsequenzen, falls nicht alles wie geplant bereitstehen sollte: «Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Sie Strafzahlungen ausgesetzt werden, wenn Ihre Bauteile nicht verfügbar sind und dadurch die einwandfreie Durchführung des Testprogramms verhindert wird.»

Kein Angebot für Triebzüge

Der Lieferant, welcher der «Nordwestschweiz» den Brief zukommen liess, stört sich am Tonfall von Bombardier. «In dieser Schärfe ist das Drohen mit Strafzahlungen in der Branche unüblich», sagt der Beteiligte. Bombardier kann den Ärger nicht nachvollziehen. «Wir haben diesbezüglich keine negativen Rückmeldungen unserer Lieferanten erhalten», sagt Bonifazi.

Bei der neuesten SBB-Ausschreibung für 29 Triebzüge für die Nord-Süd-Achse hat Bombardier kein Angebot abgegeben. Das hat gemäss dem Unternehmen aber nichts mit den Problemen bei der aktuellen Bestellung zu tun: «Wir haben nicht mitgemacht, weil wir über kein standardisiertes Produkt verfügen, das den Anforderungen der SBB entspricht», betont Bonifazi.

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