Arbeitsmarkt

Otto Ineichen will Stellenvermittlung für Ältere

Der Luzerner FDP-Nationalrat Otto Ineichen. (Archiv)

Der Luzerner FDP-Nationalrat Otto Ineichen. (Archiv)

Wer mit 45 oder 50 Jahren den Job verliert, hat schlechte Karten, wieder eine Stelle zu finden. Otto Ineichen will das ändern – zusammen mit dem Arbeitgeberverband.

Unternehmer und FDP-Nationalrat Otto Ineichen schlägt Alarm: «Aktuell haben über 39000 Fachkräfte nach dem 45. Altersjahr kaum noch eine Chance auf Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Das ist eine soziale Zeitbombe, die wir jetzt entschärfen müssen.»

Tatsächlich sind die Zahlen ernüchternd. Gemäss der offiziellen Arbeitslosenstatistik vom Oktober sind 43 von 100 Langzeitarbeitslosen – Personen, die schon über ein Jahr erfolglos auf Jobsuche sind – Über-50-Jährige. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ausgesteuert werden und letztlich beim Sozialamt landen, ist bei ihnen ungleich höher als bei Jüngeren.

Ü-50: 33 Prozent Langzeitarbeitslose

Während in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen nur 3 Prozent der Arbeitslosen Langzeitarbeitslose sind, liegt dieser Wert bei den 25- bis 49-Jährigen bei 16 Prozent. Bei den Über-50-Jährigen aber bei 33 Prozent.

Im Klartext: Trotz allem Gerede über die Relevanz von beruflicher Erfahrung, stellen Unternehmen ältere Arbeitskräfte viel weniger gern ein als jüngere. Hauptgrund dafür: «Ältere sind teurer als jüngere. Oder Ausländer», sagt Ineichen. Er hält es für «politisch verantwortungslos», wenn trotz der trüben Aussichten für den Schweizer Arbeitsmarkt nach wie vor 6000 bis 8000 Ausländer in die Schweiz kommen, während «Fachkräfte über 50 tröpfchenweise ausgemustert werden».

Schon 41 Personen vermittelt

Mit seiner Stiftung Speranza will Ineichen nun Gegensteuer geben und eine professionelle Stellenvermittlung für die Zielgruppe «50 plus» auf- und ausbauen – gemeinsam mit den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). In Zusammenarbeit mit dem Kanton Luzern hat Speranza im Rahmen eines Pilots schon erfolgreich ältere Arbeitslose platziert. «Wir haben bereits 225 Gespräche mit verzweifelten Menschen der Altersgruppe geführt und 41 Personen erfolgreich vermittelt», erzählt Ineichen.

Allerdings würden sich pro Woche bis zu 60 ältere Arbeitslose bei der Stiftung melden und um Hilfe bitten. Ineichen will deshalb den Stellenvermittlungsdienst ausbauen, braucht dafür aber 3 Millionen Franken. Spender und Gönner sind ihm sehr willkommen. Er könnte sich aber auch mit Prämien für erfolgreiche Vermittlungen anfreunden, welche die RAV der Stiftung ausrichten könnten.

Interessant ist: Ineichen hat die volle Unterstützung der Arbeitgeber. «Wir stehen hinter dem Anliegen von Speranza», sagt Roland Müller, Vizedirektor des Arbeitgeberverbandes.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1