Die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» sprach mit dem Mann, der seit 2009 an der Spitze der UBS in Zürich steht. Hauptthema des Interviews ist der internationale Finanzmarkt und die Gepflogenheiten desselbigen. Interessant dabei: Der wegen seiner stoischen Mimik und den dunklen Gesichtszügen gern als «Fürst der Finsternis» verschriene Topmanager gibt sich darin weltunabgewandter, als man denken könnte.Oder ist es der Versuch der Reinwaschung einer geldgetriebenen Spezies?

Während sein Konkurrent Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, in Sphären bewegt, die einem Normalsterblichen verwehrt sind, glaubt man Grübel gerne, dass er nicht vergessen hat, woher er kommt: Aus Ostdeutschland, die Eltern im Zweiten Weltkrieg verstorben, als er gerade ein Jahr alt ist. Geld habe für ihn immer eine Rolle gespielt, sagt er der «Zeit»: «Solange ich keins hatte. Deshalb habe ich schon in meiner Jugend dafür gesorgt, dass ich in die Börsenabteilung der Bank kam, und mir so schnell wie möglich ein Vermögen geschaffen. Eines meiner Ziele war es, finanziell unabhängig zu werden. Das habe ich geschafft.» Wohl auch auf seine speziellen familiären Verhältnisse, in denen er aufgewachsen ist, zurückzuführen mag sein ausgeprägter Wille zum Erfolg sein. In einem Interview mit der «Bilanz» sagte Grübel einmal: «1954 floh ich in den Westen zu Verwandten und merkte damals, dass man unabhängig werden muss. Und ich habe die Lektion gelernt, dass man etwas tun muss, um etwas zu erreichen.»

Elternlos, ehrgeizig und massvoll?

«Ich habe Kinder stets beneidet, die mit ihren Eltern aufwachsen durften», sagt Grübel. «Mir blieb das verwehrt. Wer Eltern hat, lebt mit dem Gefühl, es gebe eine starke Hand, wenn man fällt. Als Waisenkind fehlt diese Versicherung unter Umständen. Das mag ein Nachteil sein. Auf der anderen Seite lernt man schnell, auf den eigenen Beinen zu stehen und Selbstverantwortung zu übernehmen.»

Grübel weist von sich, gierig zu sein (sein Honorar soll 3 Millionen plus Bonus betragen, Quelle: Persönlich 9/2010) und plädiert für das Massvolle. In der «Zeit» verwehrt er sich gegen zu geldgierige Manager. « Man kann vom Markt aufgefressen werden, wenn man zu gierig ist. So einer sollte nichts verdienen. Sie waren überbezahlt, weil sie nicht erkannt haben, dass die Sache zu einem Ende kommt, obwohl die Zeichen im Markt überdeutlich waren.»

Seinen eigenen Machtanspruch versteckt er nicht. Er formuliert ihn nur negativ: Ich habe gelernt, dass man mit Engagement viel erreichen kann. Dass jeder, der gesund ist, für seine Leistung verantwortlich ist und entsprechend entlöhnt werden sollte. Ich bewundere Leute, deren Hauptziel es ist, ein glückliches Leben zu führen, und die nicht unbedingt nach beruflichen Erfolgen streben.»