Börse

Oswald Grübel: «Wir haben die Tiefstkurse noch nicht erreicht»

Oswald Grübel: «Das Thema wird vor allem in den Medien gehypt, ist jedoch an den Märkten weniger ein Thema.»

Oswald Grübel: «Das Thema wird vor allem in den Medien gehypt, ist jedoch an den Märkten weniger ein Thema.»

Der Starbanker glaubt, dass Ereignisse wie der Atomtest Nordkoreas nur kurzfristig Einfluss auf die Börsen haben.

Seit Monaten bewegt sich der Swiss Market Index seitwärts. Die kolportierten Gründe für die schleichende Entwicklung in letzter Zeit: geopolitische Spannungen mit Raketentests des nordkoreanischen Regimes und einem Donald Trump im Weissen Haus, dessen Verhalten sich mehr schlecht als recht voraussehen lässt. Dazu der Terror in Europa, wie zuletzt vor ein paar Wochen in Barcelona. Gestern, just nachdem Kim Jong Un am Wochenende bekannt gab, einen erfolgreichen Wasserstoffbombentest durchgeführt zu haben, reagierten die Börsen denn auch nervös.

Der SMI startete im Minus in den Tag. Und auch an den asiatischen Märkten reagierten die Anleger zurückhaltend. Der SMI schloss bei 8864 Punkten. Und damit um 0,86 Prozent tiefer als noch am Freitag. An der Wall Street wurde gestern wegen eines Feiertags nicht gehandelt.

«Medialer Hype»

Kim Jong Un, Trump und Terror machen also die Märkte nervös? Für Ex-UBS-Chef Oswald Grübel ist klar, dass der Effekt auf die Börsen nur klein und vor allem zeitlich begrenzt ist. «Solche Ereignisse mögen einen Einfluss auf den Tageskurs haben. Einen nachhaltigen Einfluss auf die Börsen haben die Raketentests jedoch nicht.» Er geht sogar noch weiter und sagt: «Das Thema wird vor allem in den Medien gehypt, ist jedoch an den Märkten weniger ein Thema.»

Als letzte Woche eine nordkoreanische Rakete über Japan hinwegflog, war die Empörung in der Politik gross. Der SMI-Kurs rutschte kurzfristig auf unter 8800 Punkte. Doch viel mehr passierte nicht. Der SMI und andere Indizes zeigten sich in der Folge unbeeindruckt. Dasselbe war etwa auch nach dem Terroranschlag von Barcelona im August zu beobachten.

Der jüngste Atomwaffentest vom Wochenende ist somit ein weiteres Ereignis, das kurzfristig zu Einbrüchen an den Börsen führt, jedoch bis jetzt nicht darüber hinaus.

Die Reaktionen gestern fielen bereits weniger stark aus als letzte Woche, als Nordkorea mit dem Raketentest in Richtung Japan provozierte. Beobachter sprechen deshalb von einem Gewöhnungseffekt. Es ist bereits der sechste Test, den das Regime in Pjöngjang durchführen liess. Niemand würde es überraschen, wenn weitere Tests folgen. Und doch, was sind die Gründe für den Kriechgang? Noch im Oktober 2016 stand der SMI bei 7585 Punkten, danach gings stetig aufwärts. Seit Ende Mai ist man an der Schweizer Börse aber offenbar vorsichtiger geworden. Der Kurs schwankt um rund 9000 Punkte, mit leicht fallender Tendenz in letzter Zeit. Oswald Grübel glaubt, dass sich diese Tendenz noch verstärken wird. «Wir haben die Tiefstkurse noch nicht erreicht», sagt Grübel. Doch die weiterhin tief bleibenden Zinsen würden dafür sorgen, dass sich der Markt in Zukunft wieder besser entwickelt und die Aktienkurse wieder steigen. Geopolitische Spannungen hin oder her.

Tiefe Zinsen als Motor

Auch an den Devisenmärkten war der Einfluss des angeblich erfolgreich durchgeführten Wasserstoffbombentests spürbar, aber weniger gravierend als noch vor einer Woche. Zwar verlor der koreanische Won gegenüber dem Dollar deutlich. Jedoch weit weniger als noch vor einer Woche, als Nordkorea mit dem Raketentest in Richtung Japan provozierte. Ein gewisser Gewöhnungseffekt stellt sich also auch bei den Währungen ein.

Trotzdem stieg gestern der Goldpreis weiter an, ein Hinweis darauf, dass Anleger sichere Häfen suchen. Gold stieg gestern zwischenzeitlich auf ein 11-Monatshoch und lag bei 1.340 Dollar für die Feinunze, sank danach ein wenig, blieb aber im positiven Bereich. Und wie immer, wenn Anleger Schutz suchen, war auch der Schweizer Franken gefragt. Gegenüber dem Euro wurde er wieder stärker.

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