Mobilnetz

Orange-Präsident findet: «Swisscom-Kunden werden veräppelt»

Orange-Verwaltungsratspräsident Tom Sieber.

Orange-Verwaltungsratspräsident Tom Sieber.

Orange, der kleinste der drei Schweizer Mobilnetzanbieter, will wieder wachsen und bald die Nummer 2 sein. Verwaltungsratspräsident Tom Sieber kann den Preisplänen von Branchenriese Swisscom nicht viel abgewinnen.

Seit letztem Februar hat der Mobilkommunikationsanbieter Orange in der Schweiz einen neuen Besitzer. France Télécom hatte die Schweizer Tochter an die Private Equity-Firma Apax Partners verkauft. Das schafft ganz neue Rahmenbedingungen für die Arbeit. «Es ist erfrischend, wenn man sich aus einem grossen Mutterhaus löst», sagte Tom Sieber, Verwaltungsratspräsident von Orange, am Dienstag an der Euroforum-Telekom-Konferenz in Zürich. Drei Faktoren sind anders: So verlangt der neue Besitzer eine «schärfere» Strategie.

Orange muss nicht mehr die Produkte und Services aus einem anderen Land, in dem der Mutterkonzern tätig war, übernehmen. «Wir haben jetzt eine Bottom-up-Strategie», erklärte Sieber die Entscheidungsfindung. Und er muss nicht mehr bei Entscheidungen die 20 Topmanager in der Organisationsmatrix kontaktieren. Es genügt ein Telefongespräch, wenn die Angelegenheit nicht bis zum nächsten Treffen der Geschäftsleitung und mit dem Verwaltungsrat warten kann.

Einkauf ist erschwert

Mit dem neuen Besitzer klappe das Alltagsgeschäft gut. «Apax ist eine vernünftige Private-Equity-Firma», sagte Sieber, «man hatte bereits über ihre Beteiligung an TDC, der ehemaligen Muttergesellschaft von Sunrise, Erfahrungen im Schweizer Markt gesammelt und weiss, was gefragt ist.»

Auch beim Einkauf hat sich etwas verändert. Orange ist auf der globalen Telekom-Landkarte nur noch ein kleiner Betreiber und hat nicht mehr die Einkaufsmacht von France Télécom im Rücken. «Mit gewissen Exponenten im Markt kann man gar nicht verhandeln», so Sieber weiter, «die haben für alle Netzbetreiber die gleichen Preise.» Sieber meint Apple mit seinen iPhones, ohne das Unternehmen zu nennen. Weitere Veränderungen wird es bei den Roaming-Verträgen, die nach und nach neu verhandelt werden müssen. Damit wird garantiert, dass Orange-Kunden weiterhin im Ausland telefonieren können.

Fusion derzeit kein Thema

Der neue Besitzer unterstütze auch die Investitionen, die jetzt fällig sind. «Wir starten am ersten Juni 2013 mit LTE und werden vorher keinen weiteren Pilotversuch starten. Wir werden damit wahrscheinlich als zweiter Anbieter kommen.» Und möglicherweise den Konkurrenten Sunrise überholt haben.

Gilt das auch für den Marktanteil? «Medien zählen nur die SIM-Karten», kritisierte Sieber, «aber die Stückzahlen der Karten lassen sich leicht aufblähen.» Er stellt für die Erfolgsmessung auf den Umsatz ab - Orange habe sich wieder so weit gefangen, dass eine Stellung als Nummer 2 angestrebt werden kann.

Eine Fusion mit Sunrise schliesst Sieber momentan aus. «Es gäbe Vorteile, aber es gibt keine Pläne.» Apax habe alle Pläne immer auf der Basis von Orange als selbstständigem Unternehmen unterstützt. Eine andere Lösung sei noch in weiter Ferne, und dazu zählt Sieber auch einen Börsengang, einen Weiterverkauf oder «anorganische Möglichkeiten», wozu Übernahmen zählen. Den Markennamen Orange, für den man weiterhin jedes Jahr 20 Millionen Franken nach Paris überweisen muss, will Sieber vorläufig behalten.

Kein Arbeitsplatzabbau

Einen Arbeitsplatzabbau wie bei Swisscom oder Sunrise soll es nicht geben. «Wir arbeiten ständig daran, die Effizienz zu verbessern, aber wir haben in zwölf neue Geschäfte mit 70 Arbeitsplätzen investiert und diese Stellen in anderen Bereichen eingespart. Gesamthaft halten wir den Personalbestand stabil», sagt Sieber.

Wenig abgewinnen kann Sieber den neuen Preisplänen von Swisscom. «Die Kunden werden veräppelt, finde ich persönlich, denn sie zahlen für eine Geschwindigkeit, die um Faktoren nicht erreicht wird. Durchschnittliche Downloads erreichen um 2 Mbit pro Sekunde oder darunter, aber die Kunden zahlen für 42 oder 100 Mbit - solche Angebote finde ich gewagt.»

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