Wirtschaft

Optimistisch für die Wirtschaft, pessimistisch für das eigene Budget

Die Konsumenten glauben nicht, dass ihnen das Wirtschaftswachstum mehr Geld bringt.

Die Konsumenten glauben nicht, dass ihnen das Wirtschaftswachstum mehr Geld bringt.

Bei der regelmässigen Befragung der Schweizer Konsumenten zeigt sich eine Schere: Immer mehr Menschen beurteilen die Lage der Wirtschaft als positiv, gehen aber nicht davon aus, dass sie davon profitieren werden.

(wap) Die Schweizer Konsumenten blicken optimistischer in die Zukunft, sind selbst aber immer noch klamm. Das zeigen die Zahlen des aktuellen Konsumentenindex, der das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) per Umfrage erhebt. Der Ausblick auf die Entwicklung der Wirtschaft habe sich «signifikant aufgehellt», meldete das SECO am Mittwoch.

Er liegt nun mit sogar knapp über dem langjährigen Durchschnitt, der aus allen seit 1972 erhobenen Werten berechnet wird. Für die Konjunkturforscher ist dieser Wert von Bedeutung. Die Erfahrung zeigt: Melden die Konsumenten einen positiven Blick auf die Zukunft der Wirtschaft, deutet dies auf ein Wirtschaftswachstum hin.

Auch den Arbeitsmarkt schätzen die Konsumentinnen und Konsumenten optimistischer ein als auch schon. Der Teilindex zur erwarteten Entwicklung der Arbeitslosenzahlen lag bei 33 Punkten und damit unter dem langjährigen Schnitt. Auch die Sicherheit der Arbeitsstellen wurde positiv beurteilt. «Die Befragten gehen davon aus, dass die aktuell gute Verfassung des Arbeitsmarkts weiter anhält», folgert die Studie.

Frankenschock hat Spuren hinterlassen

Dies ändert jedoch nichts daran, dass die befragten Personen die eigene finanzielle Lage eher negativ bewerten. Sowohl die vergangene als auch die erwartete finanzielle Lage beurteilen sie als unterdurchschnittlich. Im Vorquartal hatte sich eine Verbesserung angedeutet, diese war aber nicht von langer Dauer.

Damit setzt sich ein langjähriger Trend fort. Seit 2011 liegen die Werte mit wenigen Ausnahmen immer unter dem langjährigen Mittelwert, der sich auf den Zeitraum ab Oktober 1972 bezieht. Tendenz: Sinkend.

«Besonders der Frankenschock von 2015 und der internationale Konjunkturabschwung 2016 und 2017 haben die Stimmung scheinbar nachhaltig gedrückt», sagt Ronald Indergand, Ressortleiter Konjunktur beim SECO. Erst gegen Ende 2019 habe sich eine Erholung angedeutet, die aktuellen Zahlen machten diese jedoch teilweise wieder zunichte.

Reallöhne sind kaum gewachsen

Klar ist für Indergand: «Die Reallöhne sind in den letzten Jahren kaum gewachsen.» Auch wenn die Konjunktur anzog: Im eigenen Sack spürte der Konsument dies kaum. Möglicherweise zeige sich hier aber auch eine grössere demografische Verschiebung, so der Experte.

Denn die Baby-Boomer-Generation komme ins Rentenalter, und wer in Rente gehe, rechne kaum damit, in Zukunft mehr Geld zu haben. «Ob das die Hauptursache für die schwache Einschätzung der eigenen Finanzlage ist, können wir derzeit nicht sagen. Aber wir haben dazu zumindest einige Hinweise in den Daten gefunden,» sagt Indergand.

Kosumenten rechnen mit steigenden Preisen

Unverändert blieb dagegen die Neigung zu grösseren Anschaffungen. Sie blieb bei -8 Punkten und damit nahe am Mittelwert von -6 Punkten. Seit 2017 ist dieser Wert stets unterdurchschnittlich geblieben, in den Jahren zuvor lag er teilweise deutlich über dem langjährigen Mittelwert.

Dabei erwarten die Konsumenten, dass sich die Preise in Zukunft nach oben entwickeln werden. Dies könnte laut den Konjunkturforschern erklären, weshalb die Haushalte trotz positivem Ausblick für die Wirtschaft im Hinblick auf das eigene Budget negativ gestimmt seien. Als Grund für den Pessimismus bei den Preisen vermuten die Forscher die aktuelle Entwicklung des Ölpreises.

An der aktuellen Befragung haben 1302 Personen im Alter ab 16 Jahren in allen Landesteilen teilgenommen.

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