Energie

Opec-Plan im Gegenwind – nun gerät der Ölpreis unter Druck

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Die Organisation erdölxportierender Staaten Opec beschloss im November, die Ölproduktion zu drosseln, um höhere Preise zu erzielen. Nun kommt dieser Plan unter Druck. So erhöhen die Schieferölproduzenten in den USA ihren Ausstoss. Zudem dürfte sich die Nachfrage aus China und Indien abschwächen.

Die Überraschung war für viele gross. Ende November einigte sich die Organisation Erdöl exportierender Staaten Opec, ihre Ölproduktion um 1,2 Millionen Barrel pro Tag zu kürzen. Hinzu kamen Nicht-Mitglieder wie Russland, die zusätzlich versprachen, 600 000 Barrel pro Tag weniger zu liefern.

Zusammengenommen entspricht die Kürzung fast 2 Prozent der weltweiten Öl-Produktion. Da Analysten im Vorfeld kaum mit einer Einigung der Opec gerechnet hatten, reagierte der Öl-Preis prompt. Der Kurs der Sorte Brent stieg in den Tagen danach um über 15 Prozent auf über 54 Dollar pro Fass. Dies nachdem der Kurs Anfang 2016 zeitweilig unter 30 Dollar abstürzte.

Trotz der Skepsis vieler Markbeobachter, einzelne Opec-Mitglieder würden sich nicht an die Vereinbarung halten, stabilisierte sich der Öl-Preis auf über 50 Dollar und notiert derzeit bei 55 Dollar. Laut der Opec haben die Mitglieder und weitere 11 Nicht-Mitglieder ihre Produktion inzwischen um 1,5 Millionen Barrel gekürzt, was mehr als 80 Prozent der Menge entspricht, auf die man sich Ende November geeinigt hatte. Nicht alle Experten sind jedoch von diesen Zahlen überzeugt. Das Ausmass müsse aber zuerst von unabhängigen Quellen überprüft werden, schreibt die Beratungsfirma Energy Management Institute.

China und Indien kaufen weniger

Unabhängig von dieser Diskussion erfährt der Plan der Opec, mit der Produktionskürzung höhere Preise zu erzielen, Gegenwind. So gibt es mehrere Anzeichen, dass die Nachfrage nach Öl von China und Indien geringer ausfallen könnte als erwartet. Die beiden Länder haben in den vergangenen Jahren strategische Ölreserven aufgebaut. Dies geschah nach dem Vorbild der USA, die als Reaktion auf die Öl-Krise 1973 eine strategische Reserve geschaffen haben.

Die genaue Höhe der Reserve von China und Indien ist laut Analysten zwar schwer abschätzbar. Gerade China aber sei im Zuge des tiefen Ölpreises als aggressiver Käufer für seine Reserven aufgetreten. Nun zeichnet sich ab, dass China und Indien den Aufbau der Reserven drosseln, was mit dem steigenden Ölpreis zu tun hat, aber auch mit den knapper werdenden Öllagern.

China sei ein sehr strategischer Käufer, sagte Christopher Haines, Öl-Analyst der Beratungsfirma BMI Research. Man habe bereits im vergangenen Jahr eine gewisse Zurückhaltung festgestellt und müsse dies nun auch im neuen Jahr genau beobachten. Haines glaubt zwar nicht, dass China gänzlich damit aufhören wird, die Ölreservekäufe aufzubauen. Aber wenn das Land die Käufe schon nur 300 000 bis 400 000 Barrel pro Tag reduziere, habe das einen spürbaren Einfluss auf den weltweiten Ölmarkt.

Weiteres Ungemach droht dem Plan Opec, die Ölproduktion zu drosseln, aus den USA. Dort melden sich zunehmend die Schieferölproduzenten am Markt zurück. Aufgrund des tiefen Ölpreises konnte sie nicht mehr kostendeckend arbeiten und setzten ihre Produktion zeitweise aus. Jetzt, wo sich der Ölpreis zwischen 50 und 60 Dollar pro Fass einpendelt, lohnt sich für die Schieferölförderer das Geschäft wieder.

Zahlen der Öl-Servicefirma Baker Hughes zeigen, dass die Zahl der aktiven Bohrtürme in den USA in der vergangenen Woche um 29 auf 551 gestiegen ist, der höchste Stand in den letzten 14 Monaten. Hält sich der Bestand der Bohrtürme auf diesem Niveau, könnte die Ölproduktion der USA im Jahresverlauf um 315 000 Barrel pro Tag steigen.

Der Markt unterschätze die Rückkehr der Schieferölproduzenten, schreiben die Analysten der Saxo Bank. Das Risiko sei gross, dass es bei dem derzeitigen Ölpreis zu Gewinnmitnahmen komme. Die Analysten rechnen deshalb damit, dass sich der Ölpreis wieder Richtung 50 Dollar pro Fass bewegt. Damit würde zumindest ein Teil des Kursanstiegs wieder zunichtegemacht, der die Produktionskürzung der Opec mit sich brachte.

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