Wirtschaft

Oligarch klagt gegen Postfinance: Gericht wollte Publikum ausschliessen – und gibt jetzt nach

Russische Freundschaft: Präsident Wladimir Putin und Oligarch Viktor Vekselberg bei einer Zeremonie im Kreml.

Russische Freundschaft: Präsident Wladimir Putin und Oligarch Viktor Vekselberg bei einer Zeremonie im Kreml.

Der russische Milliardär Viktor Vekselberg kämpft für sein Postkonto. Der Zivilprozess in Bern wird, anders als ursprünglich geplant, öffentlich durchgeführt.

Früher kämpfte jede Bank um einen Kunden wie ihn. Seit ihn aber die US-Regierung vor zwei Jahren auf eine Sanktionsliste gesetzt hat, will ihn niemand mehr. Viktor Vekselberg, 63, russischer Oligarch mit Wohnsitz in Zug, wurde zur Persona non grata. Zum Verhängnis wurde ihm ein Machtkampf zwischen den USA und Russland.

Zu den Banken, die sein Konto sperrten, gehört auch Postfinance. Der Mann, dessen Vermögen auf zehn Milliarden Franken geschätzt wird, hat nämlich auch ein Privatkonto bei der Post. Gegen die Schweizer Staatsbank führt Vekselberg im Streit um die US-Sanktionen seinen ersten Gerichtsprozess. Er verlangt, dass sein Konto weitergeführt wird.

Ursprünglich plante das Berner Handelsgericht, die Öffentlichkeit vom ersten und entscheidenden Prozesstag am 15. September auszuschliessen. Die Verhandlung hätte in einem kleinen Gerichtssaal stattfinden sollen, in dem wegen der Coronamassnahmen keine Zuschauer Platz gehabt hätten.

Doch kein Geheimprozess: Gericht tagt an einem anderen Ort

Normalerweise interessiert sich für die Verhandlungen des Berner Handelsgerichts ohnehin kaum jemand. Nachdem nun aber die «Schweiz am Wochenende» über den geplanten «Geheimprozess» berichtet hatte, gingen mehrere Anfragen beim Gericht ein.

Der Assisensaal des Berner Amthauses.

Der Assisensaal des Berner Amthauses.

Nun hat der vorsitzende Richter reagiert und einen grösseren Saal reserviert. Er hat die Verhandlung in den prächtigen Assisensaal des Berner Amthauses verlegt, der auch mit den Abstandsregeln noch fünfzig Sitzplätze bietet. So werden neben Journalistinnen und Journalisten auch normale Zuschauerinnen und Zuschauer den Prozess verfolgen können.

Das ist aussergewöhnlich: Die meisten Gerichte gewähren seit Ausbruch der Coronakrise nur noch akkreditierten Journalisten Zugang und schliessen die übrige Öffentlichkeit aus.

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