Spezialchemie
Ohrfeige für Economiesuisse-Präsident Wehrli an der Clariant-GV

Mehr als jeder vierte Aktionär stimmte am Dienstagmittag gegen das Salär von Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli, das dieser für seine Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident bei Clariant bezieht. 27,56 Prozent sagten Nein zu den 660.000 Franken.

Isabel Strassheim
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Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli

Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli

Keystone

Auch das Gehalt von Clariant-CEO Hariolf Kottmann in Höhe von 7,4 Millionen Franken wurde damit abgewatscht. Die Ausrufe blieben gestern aber aus an der erstmals von Wehrli als Verwaltungsratspräsident geleiteten Generalversammlung im Kongresszentrum der Basler Messe. Anders als bei Novartis traten keine Vertreter der Aktionärsstiftungen Ethos oder Actares ans Rednerpult.

Die stille Kritik richtete sich gegen Wehrli selbst wie auch gegen den vom ihn geholten CEO Hariolf Kottmann. Beide gehören zu den bestbezahlten Schweizer Firmenlenkern. Kottmann bekommt als Grundlohn zwar nur eine Million Franken, erhält aber nicht nur einen Bonus, sondern obendrauf einen Sonderbonus (als Belohnung seiner Arbeit bei der noch nicht ganz vollzogenen Integration der 2011 zugekauften Südchemie). Insgesamt kommt Kottmann so auf 7,4 Millionen Franken oder 3,1 Prozent des Umsatzes des Konzerns. Normalerweise erhalten Chefs vom Umsatz einen Promille-Anteil.

Wehrli hat zwei Hüte auf

Aber auch Wehrlis 660.000 Franken stellen einen Schweizer Topverdienst für einen Nebenjob dar. Wehrli sitzt übrigens selbst im Vergütungsausschuss.

«Wir sind uns durchaus bewusst, dass Vergütungsberichte heute vermehrtes Interesse finden», zeigte sich Wehrli vor den Aktionären um Verständnis bemüht. In seiner Eröffnungsrede ging es ihm nicht nur darum, die ersten Erfolge von Clariant nach einem jahrelangen Überlebensprozess zu betonen. Als Economiesuisse-Präsident war es ihm auch um eine Grundsatzrede zu tun: «Der Zusammenhang zwischen Leistung, Gewinn und Wettbewerb scheint heute vielen a priori im Widerspruch zu einer Kultur des Vertrauens und der Verantwortung zu stehen», monierte er. Vertrauen war sein Schlüsselwort.

Minder-Auslegung

Der eigentliche Grund des Erfolgs der Minder-Initiative sei fehlendes Vertrauen: «Die Mehrheit des Volkes will wieder allen Grund haben, ihren Unternehmen zu vertrauen und stolz auf sie zu sein», betonte Wehrli. Dennoch: Das Nein von knapp 30 Prozent der Clariant-Aktionäre ist ein Misstrauensvotum. Umso mehr, als Clariant inzwischen selbst 10 Prozent der Stimmen hält und es im vergangenen Jahr lediglich 20 Prozent Gegenstimmen gab.

Für Kottmann ist in diesem Jahr eine weiterer Sonderbonus geplant. Für die weiter erfolgreiche Integration von Südchemie soll eine zweite Tranche in Höhe von abermals 1,5 Millionen Franken fliessen. Wenn die Aktionäre dem in einem Jahr zustimmen werden.

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