Wenn der Flachbildschirm tiefschwarz erscheint, ist der Fernseher abgeschaltet. Oder der Bildschirm besteht aus organischen lichtemittierenden Dioden, kurz OLED. Denn die kommen ganz ohne Hintergrundbeleuchtung aus.

Was in vielen heimischen Stuben für kontrastreicheres Fernsehen sorgt, basiert auf schweizerischer Technologie: Das Basler Unternehmen Rolic ist laut eigenem Bekunden weltweit führend bei der Herstellung der erforderlichen Nanotechnologie.

«Dabei werden zwischen sehr dünnen Schichten Kristalle elektronisch geschaltet», beschreibt Rolic-CEO Norbert Münzel die Funktionsweise dieser Bildschirme. Und weil diese Technologie auch noch weniger Strom braucht als herkömmliche Flüssigkristallbildschirme, passen OLEDs gut in Smartphones und Tablet-Computer.

Ausrichtung auf Lösungen

Rolic beliefert viele grossen Bildschirmhersteller mit den Ingredienzen für die Beschichtung der OLED-Bildschirme.

Die Firma war 1994 aus einer Abspaltung aus dem Pharmakonzern Roche entstanden, der Firmensitz ist Allschwil.

Zwei Jahre später kaufte Karl Nicklaus das Unternehmen. Nicklaus, der auch den Halbleiterausrüster Esec aufgebaut hatte, ist Alleinbesitzer.

Die rund 80 Angestellten erwirtschafteten in diesem Jahr einen Umsatz von etwa 40 Millionen Franken. Wichtigster Ertragspfeiler sind die Lizenzeinnahmen der OLED-Beschichtungstechnologie. «Wir sind seit 2008 profitabel», verrät Münzel. Weitere Geschäftszahlen publiziert die Firma nicht.

Der kommerzielle Durchbruch gelang 2003, 12 Jahre nach der Erfindung der wichtigsten OLED-Prinzpien in den Labors. Rolic schützt sein Wissen zwar mit über 600 Patenten.

«Aber in Asien versuchen uns viele Firmen zu kopieren», sagt Münzel, «und auch deshalb erweitern wir unser Geschäftsmodell in Richtung komplette Lösungen.» Die lassen sich viel schwerer kopieren als einzelne Komponenten.

China investiert in 10 Fabriken

Und die dünnen Oberflächenbeschichtungen lassen sich auch in zwei weiteren, strategisch wichtigen Geschäftsfeldern nutzen, die Rolic derzeit aufbaut: einerseits bei fälschungssicheren Banknoten.

Die Bank of China verwendet für die Sicherheitselemente ihrer neusten Banknoten für die chinesische Sonderverwaltungszone Macao bereits die Rolic-Technologien. Andererseits lassen sich auch Beleuchtungskörper mit der OLED-Techologie bauen. Für Innenarchitekten und Raumgestalter eröffnen die dünnen, leuchtenden und unzerbrechlichen Folien ganz neue Gestaltungsspielräume.

Der nächste Wachstumsschritt der Bildschirmbranche findet in China statt, wie Münzel erklärt. Das Land investiert derzeit 40 Milliarden Dollar in den Aufbau von zehn Fabriken für die Herstellung von OLED-Bildschirmen.

Das dürfte besonders den asiatischen Konkurrenten wie Samsung oder LG aus Südkorea und Sony oder Sharp aus Japan zu schaffen machen, glaubt Münzel.

«Ich erwarte hier eine ähnliche Entwicklung wie bei den Solarpanels, wo die chinesischen Hersteller die Konkurrenz innert weniger Jahre praktisch vom Markt verdrängt haben.»

Münzel sieht Rolic aufgrund der strategischen Diversifizierung und des robusten Geschäftsmodells als Gewinner des Flachbildschirmbooms.

Umsatzziele mag er keine bekannt geben. «Wir expandieren weiter und stellen auch laufend neues Personal ein, das sich auf den lokalen asiatischen Märkten gut auskennt.»