Mietwohnungen

Ökonom prophezeit: «Die Mieten werden zum Jahreswechsel leicht zurückgehen»

Die Leerstände auf dem Schweizer Mietwohnungsmarkt sind deutlich gestiegen. (Archiv)

Die Leerstände auf dem Schweizer Mietwohnungsmarkt sind deutlich gestiegen. (Archiv)

Die Statistiken weisen mehr leere Wohnungen in der Schweiz aus als je zuvor. Raiffeisen-Ökonom Alexander Koch über die Folgen des Bau-Booms von Mietwohnungen.

Herr Koch, es gibt nochmals mehr leere Wohnungen. Wieso das?

Alexander Koch: Bei selbstbewohntem Eigentum gab es kaum einen Anstieg. Es sind vor allem Mietwohnungen, die vermehrt leer stehen. Institutionelle Investoren, Pensionskassen etwa, haben einen Anlagenotstand, die Renditen von Mietwohnungen erscheinen vergleichsweise sehr attraktiv. Doch hat die Zuwanderung nachgelassen, sodass es weniger Mietwohnungen braucht.

Wird dieser Trend anhalten?

Davon gehen wir aus. Der Anlagenotstand hält an. Es sind nach wie vor viele Bauprojekte in Vorbereitung, was man anhand der weiterhin erhöhten Baubewilligungen sieht.

Aber so etwas wie Geisterstädte gibt es nicht in der Schweiz?

Nein, die gibt es nicht. Wir beobachten etwas anderes: Der Anteil der leeren Wohnungen, die Leerwohnungsziffer, schiesst in einer Gemeinde kurzfristig nach oben und senkt sich dann meist allmählich wieder ab. Die Wohnungen bleiben nicht dauerhaft leer; es kommen dann in der Regel nicht weitere dazu.

Warum passiert das?

Die Investoren sehen natürlich, wenn in einer Gemeinde lange Wohnungen leer bleiben. Dann wird woanders gebaut.

Alexander Koch Raiffeisen-Ökonom: «Das ist ein wenig eine verpasste Chance.»

Alexander Koch Raiffeisen-Ökonom: «Das ist ein wenig eine verpasste Chance.»

Im Kanton Solothurn stehen am meisten Wohnungen leer. Warum das?

Es gibt den Trend, dass weiter weg von den Zentren gebaut wird, in den äusseren Agglomerationen, und auf dem Land. Der Kanton Solothurn ist ein Beispiel für diesen Trend, auch teilweise der Kanton Aargau.

Die Menschen wollen in den Zentren leben; gebaut wird in eher ländlichen Regionen – wie passt das zusammen?

Es wird leider teilweise an der Nachfrage vorbei gebaut, das ist so. Da hätte man mit einer flexibleren und abgestimmten Raumplanung mehr machen können.

Was ist die Folge davon?

In den ländlicheren Regionen geraten die Mieten unter Druck. Die Investoren wollen die Mieten erst einmal nicht fix senken. Zurzeit geben sie die Wohnung lieber vorübergehend gratis her. Während den ersten ein, zwei Monaten ist das der Fall. Aber irgendwann werden die Mieten in den ländlicheren Regionen mit steigendem Überangebot spürbar nachgeben.

Und in den Städten?

Dort wären die Mieten weniger stark gestiegen, wenn dort mehr gebaut worden wäre als in ländlichen Regionen. Insofern ist das ein bisschen eine verpasste Chance.

Was erwarten Sie für die Mieten in der ganzen Schweiz?

Bei den Bestandeswohnungen, also den schon vermieteten Wohnungen, sind die Mieten bislang schweizweit nicht zurückgegangen. Wir gehen aber davon aus, dass es zum Jahreswechsel dort einen leichten Rückgang geben wird. Wenn die Vermieter den tieferen Referenzzinssatz an die Mieter weitergeben.

Und bei Wohnungen, die neu auf den Markt kommen?

Da wird es noch etwas länger dauern, bis in der Statistik etwas erkennbar sein wird. Eben deshalb, weil die Vermieter sehr ungern offiziell mit den Mieten heruntergehen, lieber versuchen sie es zuerst mit Vergünstigungen oder nehmen vorübergehend höhere Leerstände in Kauf.

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