Alu Menziken
Nur noch leise Kritik an der Alu – dank Krise

Von einem «wirklich dramatischen Abschwung» berichtete der Alu-Menziken-Chef den Aktionären. «Irgendwann kommt der Aufschwung», meinte der Verwaltungsratspräsident tapfer. Die GV nahm eine Null-Dividende hin.

Drucken
Teilen
26_alu_fhe.jpg

26_alu_fhe.jpg

Aargauer Zeitung

Thomas Röthlin

Die Aufregung um den Verkauf der Alu-Menziken-Gruppe an die Montana Tech Components vor bald zwei Jahren hat einer konjunkturellen Krisenstimmung Platz gemacht. Diesen Eindruck bekam, wer gestern Dienstag an der Alu-Generalversammlung (GV) im Reinacher Saalbau teilnahm.

Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) rutschte ins Minus (-430 000 Franken, Vorjahr 30,91 Mio. Franken), wie Verwaltungsrat Heinz Stübi in Vertretung von Finanzchef Gerald Romagna ausführte. Positiv entwickelte sich das Konzernergebnis mit 48,84 Mio. Franken (Vorjahr 24,06 Mio. Franken). Dies dank dem Verkauf der amerikanischen Universal Alloy Corporation an die Alu-Mehrheitsaktionärin Montana Ende Februar 2008, woraus ein Gewinn von 37,66 Mio. Franken resultierte. Die Alu-Bilanz beläuft sich noch auf 133 Mio. Franken (Vorjahr 195 Mio. Franken), dafür schnellte der Eigenkapitalanteil von 34 auf 92 Prozent hoch.

«Markt schwer vernachlässigt»

Roland Gloor steht seit März 2008 der verbleibenden Alu-Gesellschaft vor, der Alu Menziken Extrusion AG. Keine einfache Zeit, wie Gloor zu verstehen gab. In den «Boomjahren» 2006 und 2007 habe sich das damalige Management «hauptsächlich mit sich selber beschäftigt» und eine Strategie nach der anderen gewälzt. Dabei sei der «Markt schwer vernachlässigt» worden. Im Herbst 2008 sei dann die «globale Schwerstkrise» ausgebrochen, so Gloor.

Der Alu-CEO gibt sich jedoch kämpferisch. In der Division Extrusion soll der Betriebsertrag 2011 wieder schwarz sein, in der Division Aerospace hofft man auf Hauptkunde Airbus, der zweistellig wachsen will.

In der neuen Unternehmensstrategie der Extrusion steht neben der bisherigen Vision, qualitativ hochstehende Strangpressprodukte zu fabrizieren, neu auch der Satz, die Arbeitsplätze im oberen Wynental sollten langfristig erhalten bleiben. Vor gut zwei Wochen hatte die Alu Menziken den Abbau von 14 Stellen in der Division Aerospace angekündigt. Kurzarbeit ist seit Februar Tatsache.

«Ich bin sehr überzeugt, dass wir vorzüglich ausgerüstet sind», sagte Gloor abschliessend. Dabei werde die Alu von der Muttergesellschaft Montana «tatkräftig unterstützt». - Er glaube, sich verhört zu haben, meldete sich ein Minderheitsaktionär zu Wort. Die Jahresrechnung sei abzulehnen, zumal die Alu-Aktien neuerdings den Banken verpfändet seien. Für neue Kredite müsse man Sicherheiten bieten, konterte Verwaltungsratspräsident Klaus Sernetz.

Die GV genehmigte die Rechnung mit vereinzelten Nein-Stimmen, entlastete Verwaltungsrat und Geschäftsleitung und sagte deutlich Ja zum Verzicht auf eine Dividende.

Aktientausch mit 1 zu 23,98

Sernetz sagte, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich «mit atemberaubender Geschwindigkeit verändert». Dieses Jahr wird mit einem Absatzvolumen von unter 10 000 Tonnen gerechnet, 2007 waren es noch 14 000 Tonnen.

Erfreut zeigte sich der Verwaltungsratspräsident über die Einigung der Montana, der Sernetz als CEO vorsteht, mit den Alu-Kleinaktionären. In der Absichtserklärung steht, bei einem Montana-Börsengang, der 2012 angestrebt wird, könnte 1 Alu-Aktie in 23,98 Montana-Aktien getauscht werden. Dieses Verhältnis gründet auf Bewertungen der beiden Unternehmen vor der Krise. Eine faire Lösung, fand nicht nur Sernetz, sondern auch Martin Wipfli, Vermögensverwalter und Aktionärsvertreter. Einig waren sich die beiden auch, dass die Alu-Aktionäre nicht ausbezahlt werden können. Sernetz räumte ein: «Dazu ist die Montana nicht stark genug.»

Aktuelle Nachrichten