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Nur für kurze Zeit erhältlich: Mit Aktionen locken Shopping-Clubs im Internet Käufer an

Der «Smart Shopper» ist gerne online und tätigt einenGrossteil der Einkäufe im Internet.Thinkstock

Der «Smart Shopper» ist gerne online und tätigt einenGrossteil der Einkäufe im Internet.Thinkstock

Shopping-Clubs sind der neue Trend im Bereich der Online-Einkäufe. Beim genaueren Hinsehen sind es Outlet-Center – Restposten-Verkäufer – im Internet.

Eintritt in die Shopping-Clubs gibt es zwar nur für Mitglieder, doch es ist nicht allzu schwierig, Clubmitglied zu werden. Eine solche Mitgliedschaft verleiht dem Ganzen etwas Exklusives.

Ein Shopping-Club unterscheidet sich von den gängigen Online-Händlern im grossen, weiten Web darin, dass sie über kein eigentliches Standardsortiment verfügen.

Sie bieten über eine Zeitdauer von wenigen Tagen wechselnde Aktionen an. Dagegen haben Onlineläden wie Zalando oder Amazon «Standard-Sortimente, die für ‹alle› gültig sind», sagt Thomas Lang, Geschäftsführer von Carpathia, der Schweizer Unternehmensberatung für E-Commerce und
E-Business.

Ein Markt mit Potenzial, wie es scheint: Am Freitag wurde bekannt, dass Schustermann & Borenstein das komplette Aktienpaket des Shopping-Clubs fashionfriends.ch dem Schweizer Medienunternehmen Tamedia AG abgekauft hat.

Mit der Übernahme stärke Schustermann & Borenstein seine Position in der Schweiz, einem Markt mit einem «grossen Potenzial an modeaffinen Kundinnen und Kunden», lässt sich der Geschäftsführer Daniel Schustermann zitieren.

Der Blick über die Grenze verrät: Shopping-Clubs mit exklusiven Aktionen für Mitglieder wachsen rasant – zumindest in Deutschland, wie eine Umfrage vom Beratungsunternehmen EY unter 2200 Internet-Shoppern ergibt. Das aus dieser Umfrage abgeleitete Kundenprofil zeigt, dass die Käufer in 60 Prozent der Fälle weiblich sind und mehr als 2500 Euro monatlich verdienen.

Fast zwei Drittel der Befragten verfügen über einen Hochschulabschluss und knapp die Hälfte der Club-Shopper tätigt vierteljährlich online einen Schnäppchen-Einkauf.

Aber: Aus dem demografischen Vergleich der Befragten zieht EY den Schluss, dass diese Club-Shopper nicht unbedingt auf «Schnäppchenkäufe» angewiesen sind.

Vielmehr handle es sich bei dieser Kundengruppe um «Smart Shopper» – Personen, die gerne online sind und auch sonst einen Grossteil der Einkäufe über das Internet abwickeln.

Grosszügige Aktionen

Für Schweizer Club-Shopper liegen keine vergleichbaren Umfrageergebnisse vor. Anbieter wie fashionfriends.ch, eboutic.ch und mystore.ch halten sich mit Umsatz- und Mitgliederzahlen bedeckt.

Auf Anfrage der «Nordwestschweiz» teilt Westwing, ein Münchner Shopping-Club, mit, dass sie in der deutschsprachigen Schweiz mittlerweile über drei Millionen Mitglieder zählen. Weltweit zählt der Shopping-Club für Möbel und Wohnaccessoires rund 26 Millionen Kunden. Über 80 Prozent der Kunden sind laut eigenen Angaben Frauen. Bei so vielen Mitgliedern ist wenig erstaunlich, wie hoch die Verkaufszahlen sind: 2014 setzte das Unternehmen weltweit über 180 Millionen Franken um. Gewinne werden nicht ausgewiesen.

Gemäss der Firmenbeschreibung im Schweizer Shopping-Club-Verzeichnis liegen die Angebote von Westwing bis zu 70 Prozent unter den handelsüblichen Preisen. Zudem wird mit einer kostenlosen und jederzeit kündbaren Mitgliedschaft geworben.

Die tiefen Preise sind denn auch die Gemeinsamkeit aller Shopping-Clubs: Über Aktionen – meist für drei Tage befristet – werden Markenprodukte feilgeboten, zu deutlich tieferen Preisen als im Handel üblich. Die Masche mit der Exklusivität und der kurzzeitigen Erhältlichkeit ist nicht unüblich – auch grosse Online-Händler werben mit Aktionen. Doch bei den Clubs ist diese Strategie das eigentliche Business-Konzept.

Geringe Bekanntheit

Den Trend für auf Mitglieder zugeschnittene und zeitlich befristete Angebote hat das französische Unternehmen vente-privee.com ins Leben gerufen. Danach haben die Internet-Outlets vor allem in Deutschland Fuss gefasst. Deshalb gibt es ennet dem Rhein deutlich mehr Shopping-Clubs als hierzulande.

Gemäss der Umfrage von EY ist die Bekanntheit dieser Clubs auch dort deutlich tiefer als jene der grossen Online-Händler. Dies belegen auch die Umsatzzahlen. Insgesamt verdiente der Online-Handel in Deutschland 2015 rund 780 Millionen Euro. Nur zwei Prozent davon entfallen auf die Shopping-Clubs.

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