Nur eine kurze Atempause?

Der Geschäftsgang der Berner Industrie verlief im zweiten Quartal auf einem langfristig gesehen tiefen Niveau seitwärts. Im zweiten Halbjahr ist vorerst keine Besserung in Sicht – im Gegenteil.

Die Volkswirtschaftliche Abteilung der Berner Kantonalbank hat den neusten «Berner Konjunkturspiegel» veröffentlicht. Der seit Mitte 2008 im Industriebereich stark rückläufige Geschäftsgang stabilisierte sich im zweiten Quartal 2009 auf einem langfristig gesehen tiefen Niveau; dies sowohl gesamtschweizerisch als auch im Kanton Bern. 58% der befragten bernischen Betriebe meldeten eine Verschlechterung der Ertragslage (Vorquartal 62%); Nur 2% konnten (wie im Vorquartal) steigende Erträge realisieren.

Die Kapazitätsauslastung verringerte sich weiter von durchschnittlich 80% auf 76%. Gleichzeitig reduzierte sich auch die Produktionsreichweite von 3,0 auf 2,6 Monate. Der Anteil der Betriebe, welche den Auftragsbestand als zu klein beurteilten, stieg innert Quartalsfrist von 59% auf 65%; einen grossen Auftragsbestand meldeten 5% der Betriebe (Vorquartal 3%).

Bauboom in Langenthal

Für das zweite Halbjahr 2009 muss aufgrund geringerer Produktionsaussichten mit einer erneuten Abflachung des Geschäftsganges gerechnet werden. Dies sind die wesentlichen Aussagen, welche sich aus monatlichen und quartalsweisen von der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich durchgeführten Umfragen bei rund 130 bernischen Industriebetrieben mit rund 13 700 beschäftigten Personen ergaben.

Bei den Branchen hat sich insbesondere die Situation im Maschinen- und Fahrzeugbau nach einer leichten Stabilisierung im Juni wieder verschlechtert. Markant gesunken ist der Arbeitsvorrat in den Bereichen Elektronik, Feinmechanik und Uhren. Als einzige Branche meldeten Betriebe der Holzindustrie (und andere Nichtmetalle) eine markante Verbesserung bei nahezu allen Parametern. Robust und wenig zyklisch zeigte sich die Nahrungsmittelindustrie.

Weiterhin ungebrochen hoch war im ersten Quartal 2009 die Wohnbautätigkeit. Auch die Zahl der Baubewilligungen bleibt hoch. Am meisten wurden in Ostermundigen (160), Bern (132) und Langenthal (98) erteilt. Der Arbeitsvorrat der Berner Baumeister steigt seit einem Jahr wieder kontinuierlich an. Auch wenn der Kanton Bern vom Rückgang der Logiernächte weniger stark als die übrige Schweiz (-7,4 Prozent im ersten Halbjahr) betroffen war, betrug der Rückgang per Ende Mai 5,8 Prozent, im Berner Oberland sogar 6,6 Prozent. (at.)

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