Energieholz

Nur beim Energieholz läufts rund

Die globale Krise hat von Beginn weg auch die Waldbesitzer getroffen. Markus Wagner, Geschäftsführer der Holzvermarktungszentrale Nordwestschweiz (HZN), erklärt die Zusammenhänge.

Daniel Haller

Herr Wagner, wie funktioniert die Holzvermarktungszentrale?

Markus Wagner: Im Namen der Waldbesitzer verkaufen wir das Holz. Einerseits entlasten wir die Förster von administrativer Arbeit. Auf der anderen Seite bündeln wir das Angebot: Der Kunde hat nur noch einen Ansprechpartner. 90 Prozent unseres Holzes geht ohne Zwischenhandel direkt zum Verarbeiter.

Sagen die Förster, wie viel Holz sie verkaufen und Sie platzieren das auf dem Markt? Oder kommen die Kunden zu Ihnen und bestellen das Holz?

Wagner: Beides zu etwa gleichen Anteilen. Die Förster haben in der Regel noch weitere Vermarktungskanäle, besonders im Laufental und im Oberen Baselbiet, wo die Kontakte zu den Sägereien seit Jahrzehnten eingespielt sind.

Das bedeutet ja auch eine Handelsstufe weniger ...

Wagner: Wir müssen als HZN zwar eine gewisse Marge berechnen - zum Beispiel Löhne für vier Personen mit total 260 Stellenprozenten, - sind aber als eigenwirtschaftliche Selbsthilfeorganisation nicht gewinnorientiert. Dividenden, wie in den letzten beiden Jahren, kommen den Aktionären zugute, die zu drei Vierteln Waldbesitzer sind. Heuer gibt es keine Dividende.

Welche Holzsortimente vermarkten Sie?

Wagner: 22 000 Kubikmeter (m3) Stammholz für Sägereien, 16 000 m3 Industrieholz zur Herstellung von Spanplatten, Papier und Zellstoff sowie 5000 m3 Energieholz: am Stück als «Brennholz lang» oder als Hackschnitzel. Getrocknetes Brennholz läuft direkt vom Waldbesitzer zum Kunden. Zum Vergleich: Der Holzeinschlag im Baselbiet beläuft sich auf 140 000 m3 pro Jahr.

Wann sind die Preise für welche Sortimente eingebrochen?

Wagner: Beim Energieholz hatten wir wegen des kalten Winters Mangel, da läuft der Absatz gut, wenn er auch mit den Ölpreisen etwas schwankt. Aber beim Stammholz ist der Preis für Buche - im Baselbiet der häufigste Baum - um 15 bis 20 Prozent gesunken. Der grösste Preissturz erfolgte im September 2008, und seither sind die Preise weiter gerutscht.

Aus welchem Grund?

Wagner: Auslöser war die Immobilienkrise in Spanien: Da wurden vor allem an den Küsten viele Wohnungen gebaut, die nun keine Abnehmer finden und als Rohbau in der Landschaft stehen. Unsere Kunden haben zuvor Holz für Parkett und Innenenausbau geliefert. Nun blieben alle auf ihren Lagern sitzen.

Inwiefern ist das Baselbiet betroffen?

Wagner: Bei einem Holzschlag sind 30 bis 40 Prozent der Ernte Stammholz. Der Rest verteilt sich zu gleichen Teilen auf Industrie- und Energieholz. Für diese beiden Sortimente sind die Kosten oft höher als der Erlös. Fällt der Gewinn beim Stammholz weg, rutscht man in die Verlustzone, zumal auch die Industrieholzpreise abgesackt sind.

Wie reagieren die Waldbesitzer?

Wagner: Kleine Privatwaldbesitzer reduzieren den Einschlag und warten auf bessere Preise. Grössere Forstbetriebe weichen teilweise ins Nadelholz aus, dessen Preis nur um 10 bis 15 Prozent gesunken ist. Aber im Kanton Baselland haben wir aus Standortgründen nur rund einen Viertel Nadelholz. Die Förster machen auch mehr Energieholzschläge, beispielsweise den Kantonsstrassen entlang, wo man auch aus Sicherheitsgründen den Bestand reduzieren muss. Zudem haben wir nun durch das Holzkraftwerk in Basel eine stetige Nachfrage.

Mit dem Holzkraftwerk haben die Waldbesitzer eine nachgelagerte Wertschöpfungsstufe unter eigener Kontrolle geschaffen. Sollte man nicht mit einem Laubholzsägewerk dies auch beim Stammholz versuchen?

Wagner: Vor allem wären Kunden nötig, die das geschnittene Holz kaufen. Viele Produkte, die man aus Plastik, Stahl oder Aluminium fertigt, müsste man wieder aus Holz herstellen. Man müsste die Leute sensibilisieren, dass sie auf einheimische Ressourcen zurückgreifen. Zudem gibt es von Seiten der Westschweizer Waldbesitzer ein Projekt für ein Laubholzsägewerk in der Region des Neuenburger Jura. Die Idee eines Nordwestschweizer Laubholzsägewerks wird zwar diskutiert, ist aber nicht spruchreif.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Wagner: Auch wenn wir derzeit leiden: Waldbesitzer denken langfristig. Das Öl wird ausgehen, dann steigen die Transportkosten und die Leute werden vermehrt Ressourcen nutzen, die vor der Haustür wachsen. Und Holz zu nutzen heisst, den Wald pflegen: Wir dürfen nicht nur an uns denken, sondern auch an die kommenden Generationen, an unsere Kinder.

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