Bankenwesen

Null Gebühr aufs Lohnkonto – ist das die Trendwende bei den Kontogebühren?

Die Banken investieren stark, um ihre Services online anbieten zu können: am PC oder auf dem Handy.

Die Banken investieren stark, um ihre Services online anbieten zu können: am PC oder auf dem Handy.

Heute zahlen Bankkunden etwa 30 Prozent mehr für Kontogebühren als vor zehn Jahren – jetzt könnten die Gebühren endlich fallen.

Die Banken wandeln sich. Im Vergleich zu 2009 ist heute laut den letzten Zahlen jede sechste Filiale verschwunden und auch jeder sechste Arbeitsplatz. Zugleich investieren sie, um ihre Services online anbieten zu können: am PC oder auf dem Handy. Und noch etwas taten sie. Für die Kontenführung verlangen sie heute rund 30 Prozent mehr an Gebühren.

Die Credit Suisse hat diese Trends zuletzt geflissentlich fortgeführt. Die Grossbank gab vor einigen Tagen bekannt, sie werde an die 37 Filialen aufgeben und schätzungsweise 500 Arbeitsplätze. Heute machte sie einen Zwischenspurt im branchenweiten Wettlauf: möglichst schnell, möglichst digital werden.

Neu kann man bei ihr Kunde werden, ohne in eine Filiale gehen zu müssen, ohne zu Hause an den Computer zu sitzen – alles geht auf dem Handy mit einer App. Dieses sogenannte digital Onboarding möglichst glatt abzuwickeln – das ist einer der wichtigsten Schauplätze im digitalen Wettlauf der Banken. Ist man mal Kunde, soll man alles auf dieser App machen können: Etwa die Finanzen planen, eine Hypothek verlängern oder in die Altersvorsorge einzahlen.

So will die Credit Suisse zur Smartphone-Bank werden. Nebenbei verteilte sie an der Pressekonferenz noch freudig Seitenhiebe an die zahlreichen Fintech-Start-ups, die eigentlich die Bankenwelt erobern wollen. In einem Werbefilm hiess es, die Kunden hätten genug von Start-ups, die Bank spielen wollten.

Die Fintech-Unternehmen hatten die traditionellen Banken zuvor teilweise schlecht aussehen lassen. Neue Smartphone-Banken wie Neon, Revolut oder Transferwise boten zum Beispiel wesentlich günstigere Gebühren und Wechselkurse an für Einkäufe im Ausland, als dies die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse taten.

Gebühren-Crash: 60 Franken weniger pro Jahr

Zugleich brach die Bank mit dem langjährigen Trend zur Gebührenerhöhung: sie bietet neu ein gratis Privatkonto an, die Kontoführungsgebühr darauf beträgt Null Franken, sofern man kein Bargeld abheben will. Davor zahlten Kunden für ein vergleichbares Konto ungefähr 5 Franken – und zwar monatlich.

Dieser Strategiewechsel wurde vom Vergleichsdienst Moneyland sogleich gewürdigt: Es sei für erwachsene Nutzer, die auf Bargeld verzichten wollen, deutlich günstiger als die sonstigen traditionellen Angebote. «Traditionelle Banken werden unter Zugzwang geraten.»

Null Franken für etwas, worauf man davor vergleichsweise hohe Gebühren schlug – warum tut sich die Credit Suisse diesen Strategiewechsel überhaupt an?

«Die Gebührenmodelle wurden angepasst»

Einige Erklärungen gab der Schweiz-Chef der Credit Suisse ab, André Helfenstein. 2009 hätten alle Banken noch mehr Geld verdient mit der Zinsmarge: sie liehen Geld billig aus und verliehen es teurer. Damit hätten sie andere Services quersubventioniert, eben etwa die Führung von Privatkonten. So wurden neue Kunden gewonnen: anlocken mit einem gratis Privatkonto, später eine Hypothek verkaufen oder die Vermögensverwaltung übernehmen. Doch als die Zinsen kollabierten, brach dieses Arrangement in sich zusammen. Und rauf gingen die Gebühren. Oder mit den Worten von Helfenstein: «die Gebührenmodelle wurden angepasst.»

Nun, so Helfenstein, verändert sich die CS. Künftig werde sie ihre Gebühren flexibler handhaben: je nach Kunde und nach Service. Braucht ein Kunde viel Beratung, werden eher Gebühren fällig. Hingegen werden Basisleistungen günstiger, wie die Kontenführung. Man will preislich attraktiv sein. In dieser Hinsicht kehrt man in die alte Welt zurück: Erst günstige Basisleistungen anbieten, so Kunden anwerben, später dann Geld verdienen, wenn die Kunden Hypotheken brauchen oder die Altersvorsorge regeln.

Sind die Kunden selber schuld?

Eine Trendwende bei den Gebühren wäre ein Segen für die Kunden. Gemäss Landesindex für Konsumentenpreise zahlten die Kunden im Vergleich zu 2009 zuletzt 30 Prozent mehr für die Führung von Lohnkonten oder Wertschriftendepots. Nur müssten die Kunden die günstigeren Angebote auch tatsächlich nutzen. Bislang tun sie dies kaum, obschon sie guten Grund hätten: Weil sie nicht nach den besten Angeboten shoppen, lassen sie gemäss Vergleichsdienst Moneyland bei den Banken jährlich 8 Milliarden Franken liegen.

Sind die Kunden selber schuld, weil sie zu träge sind? Nein, heisst es von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Gemäss einem Sprecher gibt es gute Gründe für ihre scheinbare Trägheit. Gebühren und Leistungen würden nicht offen genug gezeigt. So seien Vergleiche schwierig, zumal sich die Gebühren ändern können. Die Banken würden sich vorbehalten, jederzeit die Gebühren zu erhöhen – und würden dies auch tun. Wechselt jemand dennoch, hat er viel zu tun. Der Sprecher: «Bis man alles erledigt hat, braucht es viel Zeit und Geduld.»

«Bedenklich» sei der Trend zur Gebührenerhöhung, so der Preisüberwacher. Es gebe durchaus auch Gebühren, bei denen Leistung und Gegenleistung nicht in einem guten Verhältnis zueinander stünden. Als Beispiel nennt Preisüberwacher Stefan Meierhans die Gebühren zur Saldierung von Hypotheken. «Warum soll der Kunde am Ende eines erfüllten Vertrages noch etwas zahlen?»

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