An der heute stattfindenden Generalversammlung von Novartis wird die Firmenspitze ohne Zweifel auf den schon seit mehr als zwei Jahren dauernden Umbau des Konzerns eingehen. Es ist eine der grossen Reorganisationen der Novartis-Firmengeschichte und hält sowohl die Führungsriege wie auch einen grossen Teil der Belegschaft auf Trab.

Worum geht es? Bisher hatten die einzelnen Divisionen relativ viel Autonomie und wurden wie einzelne Firmen geführt. Mit der Reorganisation haben sie funktionale Querverbindungen erhalten, beispielsweise:

  • Die Novartis Business Services (NBS) umfassen die geschäftsunterstützenden Dienstleistungen im gesamten Unternehmen.
  • In der Novartis Technical Operations (NTO) wird die gesamte Arzneimittelherstellung bei Novartis zusammengeführt.

Novartis gestaltet auch den Bereich Forschung und Entwicklung um: Die Medikament-Entwicklung Global Drug Development und das Herzstück der Novartis-Forschung,
die Novartis Institutes for Biomedical Research, arbeiten als funktionale Brücken im Konzern.

Der Konzern will damit den Betrieb effizienter und die Forschung zielgerichteter gestalten. Bis 2020 sollte damit eine jährlich wiederkehrende Einsparung von einer Milliarde Dollar erreicht werden. Im Beschaffungswesen erzielte Novartis bereits im vergangenen Jahr Einsparungen von rund 500 Millionen.

«Wo sind wir morgen?»

In den mittleren und unteren Chargen sorgt der Umbau für Verunsicherung. Denn es werden auch Stellen abgebaut. «Wir wissen nicht, ob wir morgen dran sind», sagt ein Wissenschafter, der bisher glaubte, er habe einen völlig sicheren Arbeitsplatz. «Dass es jetzt auch in der Forschung zu Entlassungen kommt, ist eine Trendwende», sagt ein anderer Insider. «Vor fünf Jahren wäre das nicht denkbar gewesen.» Er hat Dossierkenntnis und weiss, dass in der Forschung in Basel zwischen November 2016 und Sommer 2017 weit über 100 Personen gehen müssen. Die Medienstelle nennt keine Zahlen, weist aber auf den oben angetönten Umbau des Konzerns hin. Anpassungen in einzelnen Bereichen seien dabei möglich, und zwar in beiden Richtungen. So komme es im Rahmen Verlagerung des weltweiten Onkologiehauptsitzes nach Basel auch zu einem Aufbau. Für das laufende Jahr könne man auch «noch keine fundierten Voraussagen» machen.

Klar, dass für viele Betroffene die Reorganisation eine Belastung ist. «Unsere neue Struktur und unser neues Betriebsmodell verlangen von unseren Mitarbeitenden, ihre Arbeitsweisen zu verändern und über organisatorische Grenzen hinweg zu kooperieren», heisst es im kürzlich publizierten Geschäftsbericht 2016.

Dividende kritisiert

Betroffen von der Reorganisation sei aber auch die Produktion, heisst es auf Nachfrage bei der Gewerkschaft Unia. Stossend sei, dass es sich bei den Betroffenen vor allem um ältere und langjährige Mitarbeitende handelt. «Ursache für die Entlassungen in der Produktion ist die Schliessung zweier Produktionsgebäude», sagt der Unia-Sprecher. Die Entlassungen betreffen verschiedene Bereiche. Es habe bereits in den letzten Jahren Entlassungswellen gegeben, welche knapp unter der Grenze einer Massenentlassung (30 Stellen) lagen. «Damit untergräbt Novartis gezielt die Sozialpartnerschaft.» Eine Weiterbeschäftigung wäre sicher machbar, zumal Novartis «über genug finanzielle Mittel verfüge, um die Aktionäre gleichzeitig mit Dividenden in der Höhe von 7,2 Milliarden Franken zu beschenken», kritisiert der Gewerkschafter.

Auch die Aktie unter Druck

Freilich steht auch die Aktie unter Druck – ein Reflex der Probleme in der Firma. Bei einem der wichtigsten Umsatzträger, Glivec, ist der Patentschutz ausgelaufen. Neue Medikamente wie Entresto entwickelten bislang nicht den erwarteten Schub. Die Augenheilsparte mit Alcon liess bezüglich ihrer Leistung ebenfalls zu wünschen übrig. In der Folge büsste auch die Novartis-Aktie ein. Nach dem Hoch von rund 100 Franken im August 2015 büsste sie 30 Prozent ein und dümpelte seither bei 70 Franken. Erst Ende Februar löste sie sich wieder von dieser Schwelle und liegt jetzt bei Fr. 77.80. Der Verwaltungsrat schlägt trotz allem Unbill vor, die Dividende von Fr. 2.50 auf Fr. 2.75 zu erhöhen. Die Dividendenrendite beträgt 3,5 Prozent.