Zukäufe

Novartis teure Shoppingtour – und warum diese nötig ist

Innerhalb der letzten zwölf Monaten hat Novartis somit stolze 14,7 Milliarden Dollar für grössere Zukäufe bezahlt. (Symbolbild)

Innerhalb der letzten zwölf Monaten hat Novartis somit stolze 14,7 Milliarden Dollar für grössere Zukäufe bezahlt. (Symbolbild)

In den letzten zwölf Monaten hat der Konzern 15 Milliarden Dollar ausgelegt.

Der Appetit für neue Zukäufe ist noch nicht gestillt. Novartis setzt zur dritten grösseren Übernahme in den letzten 12 Monaten an. Der neuste Deal kostet 2,1 Milliarden Dollar und betrifft die US-Biotechfirma Endocyte. Das Unternehmen arbeitet an der sogenannten Radio-Ligand-Therapie, eine Anwendung auf Basis der Nuklearmedizin. Die Technologie soll etwa bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs eingesetzt werden. Verkürzt gesagt, schleust die Therapie ein radioaktives Atom in den Köper, das gezielt die Tumorzellen bestrahlt. Das funktioniert aber nur bei jenen Krebsarten, die ein hohes Level eines tumorspezifischen Proteins aufweisen.

Der Deal ergänzt die Übernahme der französischen Advanced Accelerator Applications. Diese Firma, die wie Endocyte auf dem Gebiet der Nuklearmedizin arbeitet, kaufte Novartis vor rund einem Jahr für 3,9 Milliarden Dollar.

Anschluss verpasst

Die Übernahme sei als Teil der neuen Strategie zu sehen, sagt Novartis-Chef Vas Narasimhan im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Pharmakonzern bewege sich weg vom diversifizierten Gesundheitskonzern. Die Firma fokussiere immer stärker auf neue Technologieplattformen wie etwa die Zell- oder Gentherapie. Nun komme die Radio-Ligand-Therapie hinzu. Grundlegend ändere sich das Geschäftsmodell dadurch aber nicht, sagt Narasimhan. Novartis werde noch enger mit den behandelnden Ärzten und dem Pflegepersonal zusammenarbeiten. Patienten, die sich etwa einer Gentherapie unterziehen, müssen sich dafür ins Spital begeben.

Die grösste Übernahme tätigte Novartis im April. Für 8,7 Milliarden Dollar übernahm der Konzern die Gentherapie-Firma Avexis. Innerhalb der letzten zwölf Monaten hat Novartis somit stolze 14,7 Milliarden Dollar für grössere Zukäufe bezahlt. Die von Narasimhan angesprochene Anpassung der Strategie lässt sich Novartis also einiges kosten. Sie ist jedoch nötig, da Novartis auf anderen wichtigen Forschungsgebieten den Anschluss vorerst verpasst hat. Im Vordergrund stehen die sogenannten Immuntherapien in der Krebsbekämpfung. Diesen wird vor allem in Kombination mit anderen Präparaten ein hohes Potenzial zugeschrieben, nicht zuletzt auch finanziell. Novartis versucht nun, mit anderen Ansätzen wie etwa mit der Gentherapie erfolgreich zu sein.

Die hohen Ausgaben für Übernahmen kontrastieren mit dem massiven Stellenabbau, den Novartis vor gut drei Wochen bekannt gegeben hat. Der Pharmakonzern wird in der Schweiz über 2100 Stellen streichen. Darauf angesprochen, zeigt sich Narasimhan nicht überrascht von den teils heftigen Reaktionen. Dennoch ist er weiterhin von der Notwendigkeit des Schrittes überzeugt. Man dürfe nicht vergessen, dass der Abbau sich über vier Jahre erstrecke. Die Konsultationsphase sei mittlerweile angelaufen. Narasimhan hofft, diese relativ rasch abzuschliessen, um möglichst schnell Klarheit für die betroffenen Mitarbeiter zu schaffen.

Die Gewerkschaften gehen derweil davon aus, dass sich die Konsultationsphase bis in den Januar hineinziehen wird. Normalerweise dauert die Phase, in der die Angestelltenvertreter Alternativen zum Stellenabbau vorschlagen, rund zwei Monate. Die Konsultationsphase kann aber verlängert werden. Novartis habe signalisiert, dass die Firma einem solchen Wunsch entsprechen werde, falls dies die Gewerkschaften fordern würden, sagt Unia-Vertreter Christian Gusset. Novartis selber will diese Aussage auf Anfrage nicht kommentieren. «Grundsätzlich ist es uns ein Anliegen, eine qualitativ gute Konsultation zu haben», sagt ein Sprecher.

Generikageschäft lahmt

Zusammen mit der gestern angekündigten Übernahme legte Novartis die Zahlen zu den ersten neun Monaten vor. Der Pharmakonzern steigerte den Umsatz um 7 Prozent auf 38,6 Milliarden Dollar. Zu konstanten Wechselkursen berechnet betrug das Wachstum 5 Prozent. Der Betriebs- als auch der Reingewinn sanken aufgrund eines Abschreibers. Dieser wurde nach einem Rückruf eines Produkts der Augenheilsparte Alcon nötig.

Nach wie vor Mühe bekundet die Generikasparte Sandoz, insbesondere in den USA. Ausserhalb der USA entwickle sich das Geschäft stabil, sagt Narasimhan. Deshalb konzentriere sich Novartis nun auf den Verkauf des Bereichs mit Hautkrankheiten und weniger anspruchsvoller Wirkstoffe in den Vereinigten Staaten. Insgesamt werde Novartis jedoch am Generikageschäft festhalten, auch wenn in Europa die Wachstumsraten nicht mehr so ansprechend seien wie früher. Der Pharmakonzern werde sich daher auf komplexere Generika und die Herstellung von Kopien biotechnologisch hergestellter Medikamente konzentrieren.

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