Im Sommer gab Novartis den Ausstieg aus der Forschung von Antibiotika bekannt. Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Programme seien zwar überzeugend gewesen. Dennoch hat der Basler Pharmakonzern entschieden, seine Ressourcen in anderen Bereichen einzusetzen.

Dort sei das Unternehmen besser positioniert, um neue Medikamente zu entwickeln. Der Ausstieg aus der Antibiotika-Forschung wurde damals auch als Schritt des neuen Novartis-Chefs Vas Narasimhan gesehen, die eigene Forschung weiter zu fokussieren.

Vom Unternehmer zum Investor

Nach dem Entscheid machte sich der Pharmakonzern auf die Suche nach Firmen, welche die bestehenden Wirkstoffkandidaten im Bereich Antibiotika übernehmen. Nun ist Novartis fündig geworden. Die Basler vergeben drei experimentelle Antibiotika in Lizenz an die Firma Boston Pharmaceuticals.

Hinter dieser steht der Multimilliardär Ernesto Bertarelli. Der italienisch-schweizerische Doppelbürger und Profi-Segler erbte zusammen mit seiner Schwester und seiner Mutter die Biotechfirma Serono von seinem Vater. Im Jahr 2006 verkaufte die Familie ihren Mehrheitsanteil für 12,9 Milliarden Franken an die deutsche Merck.

Vor über drei Jahren hat Bertarelli einen Fonds namens Gurnet Point Capital gegründet und diesen mit zwei Milliarden Dollar ausgestattet. Der Fonds ist in Boston angesiedelt und investiert in den Gesundheitssektor. Die Firma Boston Pharmaceuticals ist eine von sieben Firmen, die zu Gurnet Point Capital gehören. Die Firma wurde im November 2015 gegründet und wird von Chris Viehbacher geleitet, dem ehemaligen Chef des französischen Pharmakonzerns Sanofi. Boston Pharmaceuticals verfügt über 600 Millionen Dollar.

Mit den drei experimentellen Antibiotika sollen multiresistente Bakterien behandelt werden. Finanzielle Details zum Deal sind nicht bekannt. Novartis erhält von Boston Pharmaceuticals eine Einmalzahlung. Sollten die Wirkstoffe später zugelassen werden, erhalten die Basler sogenannte Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren.

Gleichzeitig hat Boston Pharmaceuticals einen ähnlichen Deal mit dem britischen Pharmakonzern GSK geschlossen. Dabei geht um die Lizenzierung von fünf Wirkstoffen.