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Novartis baut 500 Stellen in Basel ab – schafft aber 350 Arbeitsplätze neu

Novartis baut in Basel 500 Stellen ab – schafft aber auch wieder 350. (Archiv)

Novartis baut in Basel 500 Stellen ab – schafft aber auch wieder 350. (Archiv)

Der Pharmakonzern Novartis streicht netto 150 Stellen in der Region Basel. Betroffen vom Abbau ist die Produktion von Medikamenten sowie Routine-Aufgaben in der Datenverarbeitung. Ein Teil dieser Stellen wird nach Indien verlagert.

Novartis baut in der Region Basel erneut 500 Stellen ab. Wie bereits 2014 setzt der Pharmakonzern unter anderem bei der Entwicklung neuer Medikamente an. Dieses Mal streicht das Unternehmen aber auch Arbeitsplätze in der Produktion. Konkret sind hier 162 Stellen betroffen, wie die «Nordwestschweiz» erfahren hat. So werden je ein Gebäude am Basler Hauptsitz auf dem Campus und eines in Schweizerhalle geschlossen. In den Werken werden unter anderem chemische Substanzen hergestellt, die teils für verschiedene Medikamente von Novartis verwendet werden. Die beiden Anlagen seien schon länger nicht mehr voll ausgelastet, sagte Matthias Leuenberger, Delegierter von Novartis Schweiz, an einer Telefonkonferenz.

Neben der traditionellen chemischen Produktion trifft es innerhalb der Entwicklung von Medikamenten vorwiegend Routine-Jobs. So geht es etwa um die Verarbeitung grosser Datenmengen, die bei klinischen Studien anfallen. Offenbar baut Novartis hier 110 Stellen ab, die von Statistikern und Angestellten in der Datenverarbeitung besetzt werden. Diese Arbeitsplätze dürften in die indische Stadt Hyderabad verlagert werden. Dort arbeiten bereits jetzt 3500 Angestellte für den Pharmakonzern. Schon 2014 wurde die Hälfte der 500 abgebauten Stellen nach Indien verschoben. Die Konzentration von Routine-Jobs in Indien ist auch deshalb brisant, weil Novartis und das Land wiederholt um den Patentschutz von Medikamenten gestritten haben. Weitere grosse Zentren, in denen der Konzern administrative Funktionen wie Personal, Informatik oder Finanzen zusammengefasst hat, befinden sich unter anderem in Prag und in Dublin.

350 neue Stellen

Leuenberger wollte Fragen nach weiteren Details nicht beantworten. So sei derzeit nicht klar, wie viele von den 500 Arbeitsplätzen effektiv abgebaut oder in andere Länder wie Indien verlagert würden. Novartis werde zwei bis drei Monaten benötigen, um konkretere Angaben machen zu können. Der Pharmakonzern wird nun wie gesetzlich vorgeschrieben das Konsultationsverfahren mit den Mitarbeitern und Gewerkschaften aufnehmen. In dieser Phase haben diese die Möglichkeit, Alternativen zu den Abbaumassnahmen zu erarbeiten. In den meisten Fällen halten die Firmen jedoch an ihren ursprünglichen Plänen fest.

Das Unternehmen werde allen Betroffenen Mitarbeitern Unterstützung anbieten, dazu gehört die Vermittlung von Angestellten inner- und ausserhalb der Firma. Hinzu kommen Frühpensionierungen und ein Sozialplan. Leuenberger ist überzeugt, dass letztlich weit weniger als 500 Personen entlassen würden. Einige der 500 Stellen seien derzeit gar nicht besetzt. Insgesamt beschäftigt Novartis in Basel rund 9400 Mitarbeiter, in der gesamten Nordwestschweiz sind es knapp 12 000.

Neben dieser Hiobsbotschaft für die Betroffenen kündigte der Pharmakonzern gleichzeitig an, 350 neue Arbeitsplätze in der Region Basel zu schaffen. Novartis spricht von «Hightech-Positionen». Der Aufbau findet interessanterweise in den gleichen Bereichen statt wie der Stellenabbau: So investiert das Unternehmen in die Produktion biotechnologisch hergestellter Medikamente. Konkret handelt es sich um eine bestehende Anlage in Basel, die ausgebaut werden soll. Sie befindet sich auf dem Klybeck-Areal, auf der gegenüberliegenden Rheinseite des Campus. Neue Arbeitsplätze werden zudem in der technischen Entwicklung von Medikamenten aufgebaut.

Leuenberger begründet den Schritt damit, dass Novartis flexibler und wettbewerbsfähiger werden wolle. Gleichzeitig würden länderübergreifende Strukturen vereinfacht. «Um weiterhin voll auf Innovation fokussieren zu können, müssen wir die Effizienz und die Produktivität verbessern.»

Die Gewerkschaften reagierten empört auf den Entscheid. «Für die 500 Beschäftigten ist das ein Schock und angesichts der satten Gewinne von Novartis nicht nachvollziehbar», schreibt die Unia. Zwar sei der Aufbau in der Forschung und Entwicklung zu begrüssen und wichtig für den Erhalt des Werk- und Denkplatzes Schweiz, teilt die Gewerkschaft Syna mit. Aber dies dürfe nicht auf Kosten der Produktion geschehen. Der Verband Angestellte Schweiz bemängelt, dass der Konzern seit vier Jahren stetig umgebaut werde. Es dränge sich die Frage auf, wann diese Baustelle zum Ende komme und die Mitarbeiter endlich wieder unbesorgt ihrer Arbeit nachgehen könnten.

Unia stellt Forderungen

Hier setzt auch die Kritik von Christian Gusset an, der bei der Unia für die Sektoren Pharma und Chemie zuständig ist. Novartis habe eben erst einen kleineren Abbau in der chemischen Produktion in der Region Basel abgeschlossen. «Nun kommt bereits der nächste Schlag», sagt Gusset. Die Mitarbeiter sollten nun endlich zur Ruhe kommen können, indem Novartis ihnen eine langfristige Perspektive biete. Zudem fordert Gusset, dass Novartis auf Entlassungen verzichtet. Die neuen 350 Stellen sollen zudem mit den bisherigen Beschäftigten besetzt werden. Dazu brauche es Weiterbildungen und Trainings.

Lesen Sie dazu den Kommentar:

Die brutale Logik des Kapitalismus

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