Von Franziska Herren

«Der Kanton Aargau rechnet im 2010 mit einem Anstieg an Sozialhilfeempfängern», sagt Balz Bruder vom Departement Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau. Exakte Zahlen wird das Amt allerdingss erst mit zweijähriger Verspätung liefern können.

So kennt man seit heute die Zahlen für 2008. Damals bezogen 10 918 Personen Sozialhilfe. Dies entspricht einer Quote von 1,9 Prozent. 2008 bewegte sich die Konjunktur aber im Gegensatz zu heute noch auf hohem Niveau. Wirtschaftliche Krisen zeigen sich erst mit zeitlicher Verzögerung in einem Anstieg der Sozialhilfeempfänger, erklärt Bruder.

In Aarau plus 13 Prozent

Der Aarau schoss die Zahl aber bereits 2009 stark in die Höhe. Die Zunahme beträgt 13 Prozent, wie Jeannine Meier, Vorsteherin der sozialen Dienste der Stadt Aarau, gegenüber a-z.ch erklärt. «Wir haben zwar mit einem Anstieg gerechnet, dass er so hoch ausfalle, überrascht uns jedoch», so Meier.

Auch in Wohlen stieg der Anteil an Sozialhilfeempfängern im Jahr 2009 um rund 15 Prozent an. «Diese Zunahme ist massiv», sagt Urs Spillmann, Leiter Soziale Dienste in Wohlen. «Die Zahlen sind schlechter ausgefallen als angenommen.» Im Wohlener Sozialamt landen vor allem Menschen, die ihre Arbeit verloren haben. Es sind Leute, die entweder weniger als zwölf Monate am Stück gearbeitet haben und daher keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben oder Arbeitnehmer, die von ihrem Lohn nicht leben können und denen das Geld der Sozialhilfe als Existenzsicherung dient.

Wohlen hat in den letzten Wochen mit dem Fall eines Sozialhilfeempfängers aus dem EU-Raum für Schlagzeilen gesorgt, der seine Familie nachziehen liess. Da Wohlen aufgrund des Leerwohnungsbestands mehr Neuzuzüger verzeichne und daher vermehrt mit solchen Fällen konfrontiert sei, wolle man als viertgrösste Gemeinde im Kanton die Entwicklung aufzeigen, diese Fälle thematisieren und gesetzlich überdenken. «Solche Situationen führen zu Unzufriedenheit mit den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen», erläutert Spillmann.

Junge und Alte trifft es

Das grösste Risiko fällt auf die Gruppe von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren. Eine schlechte Ausbildung, mangelnde Berufserfahrung und eine schwierige Familiensituation führe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verstärkt zu einem Abstieg in die Sozialhilfe, so Meier. Und auch jene, die kurz vor der Pensionierung stehen, sind gefährdet.

2008 wurden im Aargau gut 1300 junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren mit Sozialhilfe unterstützt. Vier von fünf Personen verfügten noch nicht über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Auch bei den 56- bis 64-Jährigen zeigte sich im erwähnten Jahr eine steigende Tendenz.

Altersarmut werde immer mehr ein Thema, so Bruder. «Einige ältere Leute kommen aufgrund ihrer Biografie oder Arbeitslaufbahn im Alter in Schwierigkeiten.» Und einige Menschen würden heute auch früher aus dem Arbeitsprozess ausscheiden. Die geschieht meist nicht freiwillig.