Die US-Frackingbranche setzt den bereits niedrigen Ölpreis weiter unter Druck. Die Kurse sind in Asien am Freitag innerhalb weniger Minuten um 3 Prozent gesunken. Der Preis pro Fass ist damit auf 43,76 Dollar gefallen, dem niedrigsten Stand seit November, als die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) beschlossen hat, die Produktion für sechs Monate zu drosseln, um die Preise hochzutreiben. Der Preis hat sich zwar inzwischen auf über 46 Doller erhöht. Der Rückgang um über 13 Prozent seit Mitte April ist dennoch bemerkenswert.

Und der Markt habe den Tiefpunkt immer noch nicht erreicht, sagt Gene McGillian vom US-Marktforscher bei Tradition Energy. Der Abwärtstrend hat mehrere Gründe. Die Opec-Mitglieder Libyen und Nigeria waren von der Vereinbarung ausgenommen, da sie dringend Einnahmen benötigen. Deshalb haben sie die Förderung erhöht. Doch vor allem die US-Förderer von Schieferöl haben die Produktion im Januar deutlich nach oben getrieben.

Kosten für Förderung soll sinken

Die USA produzieren nun 9,2 Millionen Fass pro Tag, nachdem es im September noch 8,6 Millionen Fass waren – das entspricht einem Anstieg von 7,4 Prozent. Der Erdöldienstleister Baker Hughes hat am Freitag seinen monatlichen Bericht über die Anzahl der produzierenden Ölplattformen veröffentlicht. Durchschnittlich waren dies im April in den USA 853. Im Vergleich zum März ist dies ein Anstieg um 64, im Vorjahresvergleich sogar um 416.

Dieser Zuwachs steht in Einklang mit Ankündigungen des viertgrössten US-Schieferölförderers Pioneer Natural Resources. Dieser will seine Produktion im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent erhöhen. Geschäftsführer Timothy Dove äusserte in einer Erklärung zu den Quartalszahlen, dass neue Technologien eingesetzt werden sollen, um die Kosten für die Förderung zu reduzieren, wenn der Ölpreis niedrig bleibt.

Seine Ankündigungen stimmen mit Zahlen der US-Regierung überein, nach denen die Ölförderung pro Jahr um eine tägliche Fördermenge von 1 Million Fass erhöht werden soll. Dieser Zuwachs entspricht dem Aufschwung der Schieferölbranche in den Jahren 2012 und 2014. In diesen Jahren haben der hohe Ölpreis und neue Technologien beim Fracking die USA in Position gebracht, einer der weltweit grössten Erdölproduzenten zu werden. Die Opec-Länder haben daraufhin die Preise gesenkt, um die US-Wettbewerber zu schädigen.

Opec will Drosselung fortführen

Doch diese Rechnung ist nicht aufgegangen. «Viele weltweite Akteure haben nicht erwartet, dass die US-Produktion bei diesem Preisniveau so schnell ansteigen würde», meint Energieexpertin Jenna Delaney von Platts Analytics. Der niedrige Ölpreis sei vielmehr eine Enttäuschung für die Opec-Länder gewesen, sagen Analysten. «Die Märkte verlieren den Glauben daran, dass die weltweiten Überkapazitäten abgebaut werden, wenn die Opec die Förderung drosselt», sagt Analyst Michael Poulsen von Global Risk Management.

Die Opec und der weltweit grösste Ölproduzent Russland, welcher der Organisation nicht angehört, haben vereinbart, ihre tägliche Förderung um 1,8 Millionen Fass zu reduzieren. Weltweit werden nach Zahlen der Internationalen Energieagentur 96 Millionen Fass Öl verbraucht. Viele Experten haben vermutet, dass die betroffenen Länder die Absprache umgehen würden. Doch sie haben sich weitestgehend darangehalten und trotzdem die Gewinne wieder verloren, die sie gemacht haben, als der Ölpreis in den vergangenen Monaten angezogen hat.

Die Opec-Länder treffen sich am 25. Mai in Wien, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie die Absprache bis zum Jahresbeginn 2018 fortführen werden, um den Preis so weit anzuheben, wie es ihnen möglich ist.