WEF-Geflüster
Nicolas Sakozys pompöser Auftritt vor halbleerem Saal

Medwedew macht Gratis-Werbung für Apple, Sarkozy braucht einen Offizier in Uniform für seinen Auftritt und Bill Clintons teurer Kurzauftritt: Was am WEF für Gelächter und Geflüster sorgt.

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Auftritt von Nicolas Sarkozy am WEF 2011.

Auftritt von Nicolas Sarkozy am WEF 2011.

Manche Firmen geben ein Vermögen aus, um am WEF Werbung machen zu dürfen. Apple hat das nicht nötig, denn der US-Computerhersteller hat einen Gratis-Werbeträger: den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. Nicht genug damit, dass er seine Eröffnungsrede von seinem iPad ablas. In der Fragerunde erzählte er zudem, dass er jeden Morgen zuerst auf dem iPad die News lese - und zeigte dabei werbewirksam auf sein Gerät.

Da mag es der französische Präsident Nicolas Sarkozy traditioneller - und pompöser: Ein Offizier in Uniform legt ihm jeweils die Mappe mit ausgedrucktem Redetext hin. Trotzdem blieb der Plenarsaal bei seiner Rede halb leer.

Die 35 Staatschefs am WEF fallen meist von weitem auf: Sie haben Bodyguards dabei und eilen dahin mit einem Tross im Schlepptau. Die grosse Ausnahme ist Leonel Fernández, Präsident der Dominikanischen Republik (9,5 Mio. Einwohner). Mit seiner Frau schlendert er gemütlich durchs Kongresszentrum, stellt sich wildfremden Teilnehmern vor und fragt sie, woher sie kämen und was sie machten. «Mein Ziel ist es, möglichst viele Leute kennen zu lernen und vor allem: Investoren für mein Land zu finden», erzählt er der az.

Einige zehntausend Dollar dürfte der deutsche Verleger Hubert Burda gezahlt haben, damit WEF-Star Bill Clinton an seiner Party vorbeischaut. Doch Clinton blieb nur wenige Minuten und machte, nachdem die Fotografen ihre Bilder geschossen hatten, wieder rechtsumkehrt. Sichtlich zum Ärger von Burda: Er versuchte Clinton davon abzuhalten, schon wieder zu gehen. Clintons Zugeständnis: Er blieb zwei weitere Minuten.. .

Weil das Hotel Steigenberger aus allen Nähten platzt, wurde ein zweistöckiger Pavillon vor dem Eingang gebaut. Der 650000 Franken teure Bau kommt nicht bei allen Besuchern gut an. «Das sieht wie in einer billigen Landdisco aus», sagte der Schweizer Grossbanker Hans-Jörg Rudloff. Überhaupt sei das WEF eine einzige «Symphonie des schlechten Geschmacks».

In der Regel halten sich die Mächtigen am WEF in der gut abgeriegelten Sperrzone auf. EU-Energiekommissar Günther Oettinger wagte mehr. Er machte gestern einen kleinen Abstecher ins Davoser Migrolino und kaufte sich eine Fanta, ein paar Wienerli sowie eine Tube Thomy-Senf.

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