Swatch-Chef

Nick Hayek: Smarter Sohn, Lebemann und Helipilot

Der 60-jährige ehemalige Filmregisseur soll den Angriff der intelligenten Uhren abwehren. Der exzentrische Unternehmer kommt dabei ganz nach Hayek senior.

Der Swatch-Chef richtete anerkennende Worte an die Konkurrenz: «Apple hat die schönste aller Smartwatches kreiert», lobte Nick Hayek gestern die Designer aus dem kalifornischen Silicon Valley vor den Journalisten. Diese warteten auf die Antwort aus dem Hause Swatch auf die Apple-Watch. Der Schalk in Hayeks Augen enttäuschte sie nicht: «Ein Meilenstein ist es trotzdem nicht», fügte er an.

Bang! Vor den Medienvertretern machte der Sohn des vor bald fünf Jahren gestorbenen Swatch-Gründers Nicolas Hayek keinen Hehl aus seiner Skepsis gegenüber dem «Mobilephone, das wir uns doch nicht ans Handgelenk binden wollen».

Der Helikopterpilot

Hayek senior rettete Ende Siebzigerjahre die darbende Schweizer Uhrenindustrie, indem er Uhren im unteren Preissegment baute und so den Billig-Quartzuhren aus Asien etwas Ernsthaftes entgegenstellen konnte. Die Swatch war geboren. Verschläft nun, dreissig Jahre später, sein 60-jähriger Sohn Nick den Trend der smarten Digitaluhr?

Er verschläft ihn nicht. Er traut ihm nur nicht. Uhren müssten Uhren bleiben, Emotionen wecken und einen autonomen Betrieb gewährleisten, betont Nick Hayek immer wieder. Von Uhren, mit den Funktionen eines Smartphones ausgerüstet, hält er nur schon deshalb nichts, weil die Besitzer ihre Uhren nicht nach wenigen Stunden ans Akkuladegerät hängen wollen.

Auf dem Dach von Swiss Timing, dem Geschäftssitz der Swatch-Zeitmess-Tochter im bernischen Jura und Ort der gestrigen Pressekonferenz, stand ein Helikopter, den der gelernte Filmregisseur und ausgebildete Helipilot eigenhändig in den bernischen Jura geflogen hat.

Solche Auftritte sind typisch: Nick Hayek ist wie sein Vater ein Lebemann. Mehrere Uhren zieren seine Arme, die Liebe zu dicken Zigarren ist legendär, die Reaktion auf Fragen von Journalisten bisweilen exzentrisch: «Oh mein Gott», rief er ins Publikum, als sich eine «Bloomberg»-Journalistin outete und ihre Frage noch nicht einmal zu Ende formulieren konnte. «Bloomberg-Journalisten sind verkabelt. Was ich sage, ist umgehend auf allen Kanälen zu lesen», beschwerte sich Hayek scherzhaft.

Hayek junior kann seine Zuhörer ebenso unterhalten wie sein Vater. Auch seine direkte Art erinnert an Hayek senior. Doch es gibt Nuancen: Hans Stöckli, ehemaliger Stadtpräsident von Biel, wo Swatch ihren Hauptsitz hat, sagt: «Vater Hayek hatte diese natürliche und kindliche Fähigkeit, die Leute in seinen Bann zu ziehen. Nick Hayek besitzt diese Fähigkeit auch. Nur geht er damit weniger diplomatisch um.»

Andere sind weniger zurückhaltend. So der langjährige und 2013 abgewählte Stadtpräsident von Grenchen, wo die Swatch-Tochter, die Uhrwerkherstellerin ETA, ihren Hauptsitz hat: «Nick Hayek ist sicher ein guter Unternehmer. Menschlich hat er mich aber zutiefst enttäuscht.» Banga, der als Stapi wiedergewählt werden wollte, zog Hayeks Zorn auf sich, als ein privat an ihn gerichteter Brief mit lobenden Worten Hayeks in der Öffentlichkeit landete. «Ich frage mich, ob der Pilot mit der Rakete durch die gute Kinderstube gerast ist», sagt Boris Banga rückblickend.

Der Astronaut im VR

Ist Hayek junior also doch ganz der verwöhnte Sohn, der ein Uhrenimperium und Unternehmergeist geerbt, aber nicht die diplomatische Ader seines Vaters mit auf den Weg bekommen hat? Schwer vorstellbar, wenn man bedenkt, in welchen Kreisen Nick Hayek verkehrt. Eine enge Bekannte ist die Bodylotion-Erbin Esther Grether, die Grossaktionärin von Swatch ist und bis vor einem Jahr im Verwaltungsrat der Swatch-Group sass.

Hayek und seine Schwester Nayla, die den Verwaltungsrat präsidiert, verkehren privat zudem mit dem Nationalbankpräsidenten Thomas Jordan. Das, obwohl Nick Hayek Jordan stark kritisierte, als dieser im Januar vom fixen Eurokurs abliess. Im Verwaltungsrat sitzt noch eine weitere Persönlichkeit: der Schweizer Astronaut Claude Nicollier.

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