Kanton Basel-Landschaft
Nicht gesund für die Patienten

Die Gesundheitsdirektorenkonferenz veranschlagt die Einbussen der Spitäler durch den neuen Tarifkatalog viel höher als der Bund. Dies hätte letztlich auch Auswirkungen auf die Patienten und die Steuerzahler.

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Labortarife

Labortarife

Schweiz am Sonntag

Andrea Mašek

Anfang Monat gingen die Hausärzte auf die Strasse aus Protest gegen die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) verordnete Senkung der Labortarife. Diese trifft aber auch die Spitäler, die eigene Labors führen. Sie schlagen nun Alarm. Eine Untersuchung der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) hat nämlich ergeben, dass die finanziellen Auswirkungen des neuen Tarifkatalogs vom Bund um fast das Doppelte unterschätzt werden.

«Es ist verständlich, wenn auch von uns Alarm geschlagen wird», sagt Andreas Bitterlin, Mediensprecher des Basler Universitätsspitals. Gleich sieht es Jean-Luc Perrin von der Leitung des Bruderholzspitals. Beide fordern dringend eine Anpassung der Analyseliste. Wie Bitterlin ausführt, bringt die Revision dieser Liste eine massive Taxpunkt-Absenkung bei fast allen Analysen.

Die Revision enthalte Regelungen, die für Spitallaboratorien vom Typ C, welche wie das Universitätsspital das ganze Analysespektrum abdecken und Analysen auch für externe Auftraggeber erledigen, eine deutliche Benachteiligung bedeuteten. Bitterlin sagt, die Regelungen würden momentan mit dem BAG diskutiert, und man erwarte, dass die Benachteiligung aufgehoben werde.

Während das Unispital die finanziellen Auswirkungen noch nicht abschätzen kann, spricht Perrin von mehreren Millionen Franken weniger Erträgen, die nicht einfach mit links kompensiert werden könnten. Besonders stark betroffen von der Taxpunkt-Abwertung sind die Basis-Analysen in der Routine- und Notfalldiagnostik. Sie machen aber den grossen Teil der Untersuchungen aus. Weniger betroffen sind spezialisierte Leistungen, die jedoch seltener angefordert werden.

Bitterlin sagt klar, Laboranalysen seien für rund zwei Drittel aller Diagnosen grundlegend wichtig. In einem Spital wie dem Unispital zum Beispiel würden schwerkranke Patienten mit teilweise sehr komplexen Krankheiten behandelt.

Hier sei es wichtig, die erforderlichen Laboruntersuchungen schnellst möglich und rund um die Uhr zur Verfügung zu haben. «Wenn man einfach weniger Untersuchungen machen würde, könnte es zu Verzögerungen kommen, bis die richtige Diagnose gestellt ist, und damit - nebst den Nachteilen für die Patienten - sogar zu Mehrkosten statt zu Einsparungen.»

Perrin formuliert die Folgen so: Mache man weiter wie bisher, fahre man Verluste ein. Dies treffe dann auch die öffentliche Hand. Reduziere man vorsorgliche Untersuchungen, wäre das nicht gesund für die Patienten.

Deshalb wollen die Spitäler an der hohen Behandlungsqualität festhalten. Bitterlin meint, künftig würden möglicherweise hochspezialisierte Leistungen nur noch in grossen Laboratorien, wie sie Universitätsspitäler haben, durchgeführt. Sollte aber ein rigoroser Einschnitt in die Einnahmensstruktur zu Personal-Einsparungen im Labor führen, könnte es zu Verzögerungen in der Diagnostik kommen. Ausserdem könnte die Ausbildung von qualifiziertem Nachwuchs gefährdet werden.

Weil nun eben die Auswirkungen der Analysenliste-Revision nicht klar sei, müsse eine rasche Überprüfung erfolgen, damit allenfalls erforderliche Korrekturen vorgenommen werden könnten, fordert Bitterlin seitens des Unispitals. Perrin hofft, die Gesundheitsdirektorenkonferenz werde noch aktiver und stelle die negativen Folgen noch deutlicher dar, als sie es schon getan hat.

Michael Jordi von der GDK bestätigt, dass dies getan werde. Er sagt auch, dass bei vielen Analysen bereits die Produktivität erhöht und die Kosten optimiert worden seien - so geschehen etwa im Basler Unispital, umso dringender sei eine genaue Abklärung.

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